Bisher war McLaren in der Formel-1-Hackordnung auf dem dritten Platz festgefahren – wenn sie es in die Startaufstellung schafften. Ferrari und vor allem Mercedes waren bisher unerreichbar. Mercedes war auch beim Japan-Qualifying noch eine Nummer zu groß, aber Oscar Piastri war die zweite Kraft hinter den Silberpfeilen, die zum dritten Mal in Folge die erste Startreihe ausfüllen. Lando Norris reiht sich mit P5 zwar hinter Charles Leclerc, aber vor Lewis Hamilton ein. Doch bei McLaren traut man dem augenscheinlichen Aufwärtstrend nicht.
"Aus dem Blickwinkel der Wettbewerbsfähigkeit haben wir einen kleinen Schritt vorwärts gemacht", meinte Teamchef Andrea Stella. Er fügte aber hinzu: "Gleichzeitig muss man sagen, dass Ferrari im Q1 am schnellsten wirkte. Es hat im Qualifying einen großen Unterschied von Performance gegeben, also sind wir vorsichtig, das als Reflektion des Kräfteverhältnisses zu sehen." Auch Piastri steht seinem dritten Platz skeptisch gegenüber: "Ich dachte, die Ferraris würden auf unserem Level sein. Es ist alles ein bisschen durcheinander, aber ich bin glücklich, Dritter zu sein."
Der Australier fuhr bereits im zweiten Freien Training die Bestzeit und war in den restlichen Sessions nie weit hinter den Top-3. Sollte er das Japan-Rennen morgen starten, wären es seine ersten Grand-Prix-Runden 2026. Dass er dadurch einen Nachteil gegenüber der Konkurrenz hat, glaubt er nicht unbedingt, aber: "Du weißt nie, was du nicht weißt, bis du in der Situation bist. Ich habe versucht, in den Trainings so viel zu lernen wie möglich und indem ich die Rennen geschaut habe."
Erstes McLaren-Podium in Aussicht? Oscar Piastri: "Bilden uns nichts ein"
Obwohl Zweifel über einen Sprung in der Hackordnung bestehen, weiß man bei McLaren, dass sich zumindest die eigene Leistung verbessert hat. "Wir haben definitiv einen Schritt vorwärts in Sachen Motoreinsatz gemacht", so Stella. Schon seit Wochen ist die Performance-Diskrepanz zwischen Mercedes und seinen Kundenteams ein heißes Thema in der Formel 1, McLaren war der lauteste Kritiker. Vor dem Japan GP machte Stella aber die Kehrtwende und erklärte das Chassis zum größten Problem.
Seit dem Saisonstart hätte die Papaya-Truppe eng mit den Kollegen von Mercedes' Motorenwerk HPP zusammengearbeitet, um alle Möglichkeiten des neuen Antriebs auszuschöpfen. "Jetzt können wir den Motor zur Gänze nutzen, wahrscheinlich sind wir deswegen näher an Mercedes dran", erklärte der Teamchef. Mercedes habe das bessere Chassis und sei deswegen vorn, doch Stella versicherte, dass McLaren die Bedürfnisse des MCL40 mit jedem Wochenende besser verstehe.
Dennoch macht man sich keine falschen Hoffnungen aufs Podium. "Im Rennen wird Ferrari einen Vorteil uns gegenüber haben und Mercedes wird seinen eignen Weg gehen, so wie sie es schon in den letzten zwei Rennen gemacht haben", ist der McLaren-Teamchef wenig optimistisch. Piastri bleibt ebenfalls am Boden der Tatsachen: "Wir sind allgemein konkurrenzfähiger, aber wir bilden uns nichts ein. Wir müssen immer noch eine große Lücke füllen. Wir haben weder die Pace noch den Grip von Mercedes."
Lando Norris braucht dritte Batterie: Startplatzstrafe in Sicht!
Auf der anderen Garagenseite war auch am Samstag in Suzuka der Technik-Teufel unterwegs. Lando Norris konnte erst zur Halbzeit ins FP3 eingreifen, nachdem er schon am Freitag wertvolle Trainingszeit wegen eines Hydraulik-Problems verlor. Heute war es ein elektrisches Problem an der gleichen Komponente der Power Unit, die dem amtierenden Weltmeister und seinem Teamkollegen bereits den Start in China verwehrte. In Japan hatte es jedoch eine andere Ursache als in Shanghai.
Um Norris noch im Training auf die Strecke zu schicken, entschied sich McLaren, die Batterie zu wechseln. "Das war der einzige Weg, um das Teil untersuchen zu können. Als wir die Komponente entfernten, stellten wir fest, dass es länger brauchen würde, um sie zu reparieren", erklärte Stella. Deshalb bauten die Mechaniker bereits die dritte Batterie des Jahres in den McLaren mit der Nummer 1 ein – damit ist das erlaubte Jahreskontingent erreicht.
Braucht Norris in dieser Saison eine weitere Batterie, bekommt er dafür laut Reglement eine Strafversetzung von zehn Startplätzen, ohne Rücksicht und Diskussion. Das will McLaren natürlich verhindern, deshalb wird das Team versuchen, die fehlerhafte Batterie zu reparieren. Das gebrauchte Teil dürften sie wieder einsetzen, ohne abgestraft zu werden. Die Batterie aus China ist nicht mehr zu retten.
Norris trauert verlorenen Runden in Suzuka hinterher
Für Norris bedeutete die Garagenzeit, dass er dem Feld immer einen Schritt hinterherhinkte. "Ich hätte mehr mit dem Setup probieren können, mehr verstehen können. Wir sind keine Runde mit vollem Tank gefahren, auch keine Longruns. Ich habe mich im Qualifying immer wieder verbessert, wo muss ich mehr lupfen, wo mehr Energie tanken. Wäre ich mehr Runden gefahren, hätte ich das schon früher verstanden", klagte der Weltmeister.
Für seinen fünften Startplatz, mit dem er in Anbetracht der Umstände recht zufrieden ist, und fast drei Zehntel Abstand auf seinen Teamkollegen macht er aber nicht nur seine verpasste Trainingszeit verantwortlich: "Ich bin nicht komplett glücklich. Es gibt Dinge, die ich besser hätte machen sollen, bei denen ich nicht gut genug war." Aber auch er weiß, dass Mercedes für ihn nicht einholbar ist. "Der Rückstand zu den anderen ist noch immer sehr groß."



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