McLaren schlägt Mercedes – auch wenn es nur das 2. Freie Training gewesen ist, kommt diese Meldung aus Japan für McLaren definitiv zum richtigen Zeitpunkt. Nach einem desaströsen Formel-1-Saisonstart liegt das Weltmeisterteam auf Rang drei, der Rückstand auf Mercedes nach zwei Rennen und einem Sprint liegt bei 80 Punkten.

Einen vergleichbar schlechten Start für ein Weltmeisterteam gab es zuletzt 2014 bei Red Bull. Die Gründe dafür klingen aus dem Mund von Andrea Stella jedoch deutlich anders als noch zum Saisonauftakt in Australien. Damals schoss der McLaren-Teamchef seine Pfeile teils gegen Motorenlieferant Mercedes. In China ruderte er bereits zurück und mittlerweile findet er nur noch lobende Worte.

"Wir arbeiten sehr gut mit HPP und mit unseren Ingenieuren zusammen. Es gibt ein Höchstmaß an Austausch, keine Informationen werden zurückgehalten. Die Beziehung ist hervorragend – und aus Sicht der Power Unit sind wir inzwischen nicht mehr weit von der maximalen Ausschöpfung entfernt", sagte Stella auf der FIA-Pressekonferenz in Suzuka. Seine Kritik, wonach sich McLaren als Kundenteam im Hintertreffen befinde, ist vom Tisch.

Stella schießt nicht mehr gegen Mercedes

"Bei uns wurde das Programm rund um die Fertigstellung des MCL40 bis zur letzten Minute vorangetrieben. Dasselbe gilt für die Power-Unit-Hersteller. Unter solchen Bedingungen ist es als Kundenteam relativ normal, dass man zunächst ein wenig im Hintertreffen ist", findet Andrea Stella mittlerweile versöhnliche Worte. Statt die Schuld bei Mercedes zu suchen, kehrt er nun lieber vor der eigenen Haustür und nennt das Chassis als aktuell größte Schwachstelle im Kampf gegen Mercedes.

McLaren-Fehlstart: Ist Mercedes schuld - oder das Chassis? (19:17 Min.)

"Wir sehen in Suzuka, dass wir im ersten Sektor, also im Hochgeschwindigkeitsabschnitt, immer noch zu viel Zeit auf Ferrari und Mercedes verlieren", erklärte Stella. Wie die Grafik zeigt, verfügt McLaren vor allem auf der Start-Ziel-Gerade um 14 bis 23 km/h mehr Top-Speed. Durch die schnellen Esses verlieren sie hingegen auf Mercedes. Gegen Ende der Runde verlor George Russell an Geschwindigkeit, andernfalls wäre er gleichauf mit dem FP2-Spitzenreiter Oscar Piastri gewesen.

Laut Stella weiß man ganz genau, an welchen Stellschrauben am Chassis gedreht werden muss, um wieder an der Spitze mitzufahren. "Wir verstehen ganz genau, was zu tun ist und welche Maßnahmen wir ergreifen müssen, um das Chassis weiter zu verbessern. Tatsächlich geht es vor allem darum, die Upgrades zu bringen, die die aerodynamische Effizienz steigern werden", erklärte Stella.

Was auffällt: Oscar Piastri und Lando Norris haben immer wieder mit Balance-Problemen und einem etwas zickigen Fahrverhalten ihres MCL40 zu kämpfen. Möglicherweise fällt den Ingenieuren jetzt das Konzept mit dem kürzesten Radstand im Feld auf die Füße. Denn ein geringerer Radstand bedeutet nicht nur weniger Stabilität, speziell in schnellen Kurven, sondern auch weniger Fläche, um Abtrieb zu generieren.

Während Red Bull Racing und Ferrari in Japan einige Updates an ihren Autos haben, wartet man bei McLaren noch bis zum Miami GP, um dann ein größeres Paket zu bringen. "Von da an sollten wir eine positive Entwicklung sehen. Wir sind zuversichtlich, dass McLaren im Laufe der Saison in der Lage sein wird, aus eigener Kraft um Podestplätze und Siege zu kämpfen", betont Stella. Sein Optimismus ist nicht grundlos. Bereits 2024 brachte ein McLaren-Upgrade in Miami den großen Umschwung.

McLaren-Aufschwung ab Miami?

Die Pause im April – aufgrund der Absage des Bahrain GP und Saudi Arabien GP – spielt McLaren zusätzlich in die Karten. "Das gibt uns die Möglichkeit, die Teile fertigzustellen, die wir an die Strecke bringen wollen, um unser Auto schneller zu machen – vor allem im Hinblick auf die aerodynamische Performance. Außerdem verschafft sie uns mehr Zeit, um mit HPP daran zu arbeiten, alle Werkzeuge fertigzustellen, die nötig sind, um die Power Unit vollständig auszuschöpfen."

Den Doppelausfall von China infolge eines elektrischen Problems hat McLaren abgehakt. Laut Stella ist das Team daraus gestärkt hervorgegangen, und auch seitens HPP hat man daraus wichtige Lektionen gelernt. "Dass in derselben Woche nahezu gleichzeitig unterschiedliche Defekte an der Batterie auftreten, ist außergewöhnlich. Wir haben die Ursache inzwischen verstanden. Auf Oscars Seite konnten wir dieselbe Batterie weiterverwenden, auf Landos Seite hingegen mussten wir auf ein neues Batteriepaket wechseln", erklärte Stella.

Eine Wiederholung der Defekte schließt er aus. "Es gibt keine teamabhängige Komponente bei der Art von Problem, das wir auf der elektrischen Seite der Power Unit hatten. HPP wird ganz sicher alle notwendigen Erkenntnisse, Anpassungen und Maßnahmen umsetzen, um eine Wiederholung zu vermeiden. Deshalb blicken wir nach vorn und hoffen auf ein, wie ich sagen würde, normales Rennwochenende."