Mercedes hat in Japan erneut das Pflichtprogramm mit einer silbernen ersten Startreihe im Qualifying abgespult. Doch vor dem dritten Rennen der Formel 1 2026 wirkt die Luft vor Suzuka im Favoritencheck von Motorsport-Magazin.com irgendwie dünn, zumindest für George Russell. Während Kimi Antonelli nach seinem ersten Sieg plötzlich Aufwind hat, macht sich Russell gegen Ferrari und McLaren verwundbar.
Antonelli startet in Japan nämlich zum zweiten Mal von Pole, und nach seinem ersten Sieg vor zwei Wochen scheint er gehörig Selbstvertrauen getankt zu haben. Russell hingegen lag am Samstag gleich drei Zehntel zurück, und nur eine halbe Zehntel vor dem drittplatzierten McLaren von Oscar Piastri. Nach dem Qualifying erklärten Russell und Mercedes, man habe sich beim Setup verzettelt:
Eine kleine, nicht weiter ungewöhnliche Anpassung des mechanischen Setups sei es im Detail gewesen, welche die Hinterachse plötzlich viel zu nervös machte. Da jetzt Parc ferme herrscht, ist eine weitere mechanische Änderung, oder vielmehr ein Rückbau, nicht mehr möglich. "Vielleicht kann ich meinen Fahrstil anpassen, um es zu kompensieren", weiß Russell, dass er gefangen ist.
Für Antonelli ist es ein nettes Geschenk. Auf dem Papier ist der Mercedes im Renn-Trimm in Japan ohne Frage überlegen. In den Longruns am Freitag war man wieder fast eine halbe Sekunde im Schnitt schneller als Ferrari, und über sieben Zehntel schneller als Piastris McLaren. Mit so einem Pace-Vorteil sollte Antonelli also im Rennen gegen alle Eventualitäten sicher sein.
Stau-Strecke Suzuka ein Problem - und damit eine Chance für Ferrari?
Bei Russell stellt sich jedoch nun die Frage nach den weiteren Auswirkungen im Rennen. Eine rutschende Hinterachse ist über die Distanz genauso gefährlich. Sie kostet hier Pace, und treibt potenziell auch noch den Reifenverschleiß in die Höhe. Das könnte ein interessantes Fenster für die in Sachen Rennpace ersten Verfolger von Ferrari öffnen, um nach Platz zwei zu greifen.
Ferraris Raketenstarts sind bekannt. Der viertplatzierte Charles Leclerc steht innen in der zweiten Reihe direkt hinter Russell und denkt am Samstag laut darüber nach, ob Suzuka nicht die nächste Abwehrschlacht vielleicht einfacher machen könnte: "Auf so einer Strecke wäre ein guter Start ein tolles Ding. Track Position ist hier wichtig."
Vielleicht hat so mancher Leser an dieser Stelle das unglaublich fade Rennen im Vorjahr nicht vergessen, in dem Überholen völlig unmöglich war. Max Verstappen konnte zwei überlegene McLaren mit einer fehlerlosen Fahrt so bis ins Ziel hinter sich halten. Vonseiten der Strecke haben sich die Voraussetzungen diesbezüglich nicht geändert. Der Asphalt ist neu und glatt, da die Strecke in den letzten zwei Jahren in zwei Schwüngen komplett neu asphaltiert wurde. Reifenabbau ist kaum existent, eine Einstopp-Strategie garantiert.
Überholen ist auch ohne diesen Asphalt-Faktor schwierig. "Der erste Sektor zieht das Feld etwas weiter auseinander", hält Leclerc fest. Die S-Kurven machen es schwierig, hinterherzufahren. Man braucht oft die zwei langen Geraden, um sich wieder hinzuarbeiten. Aber dann ist man in der ersten Kurve angekommen, die eine sehr schnelle ist, also keine Ausbremszone bietet. Man kann nicht angreifen, und das Spiel beginnt von neuem.
Bringen die neuen Formel-1-Regeln 2026 Überholen zurück nach Japan?
Doch Leclerc gibt gerne auch zu, dass er seit Jahresbeginn unterschätzt, wie einfach das Überholen mit den neuen Formel-1-Autos ist. Außer Frage steht, dass die 2026er-Generation weniger anfällig für die verwirbelte Luft des Vordermannes ist. Darüber hinaus kann das Energie-Management in Japan ähnlich wie in Australien im Rennen für Turbulenzen sorgen.
Denn Suzuka hat zwei Vollgas-Passagen, durch nur eine Schikane getrennt. "Normalerweise kommst du aus der letzten Kurve ohne Batterie raus", meint Lewis Hamilton. Im Rennen kann das Einteilen der Elektro-Power hin zur letzten Schikane und zur ersten Kurve also potenziell stark von Fahrer zu Fahrer und von Runde zu Runde variieren. Was Positionswechseln wiederum die Tür öffnen würde.
Das kommt dem Mercedes, und damit auch Russell, auf Motoren-Seite eindeutig entgegen. Niemand hat das Energie-Management 2026 bislang besser im Griff. Weiters könnten Russell vorhergesagte kühlere Temperaturen dabei helfen, etwaige Probleme mit überhitzenden Hinterreifen zu umschiffen. In der Realität scheint es also immer noch ein klarer Vorteil für beide Mercedes.

McLaren in Japan wieder nicht im Kampf ums Podium?
Beim Thema Hybrid-Erfahrung im Rennen hat dafür McLaren nur einen weiteren Nachteil. Die Weltmeister haben 2026 bislang eine Grand-Prix-Distanz über die Runden gebracht, durch Lando Norris in Australien. Oscar Piastri fuhr überhaupt nur einen Sprint. So ist ihm vor Japan bewusst, dass auch von Platz drei aus eine steile Lernkurve auf ihm wartet.
Piastri kennt verglichen mit den Mercedes und den Ferrari um ihn herum die neuen 2026er-Regeln unter echten Rennbedingungen kaum: "Ich habe versucht, die Rennen zu schauen und darüber so viel als möglich zu lernen, und auch im Training. Da gab es ein paar interessante Momente mit Autos bei unterschiedlichen Speeds an verschiedenen Stellen. Gestern habe ich jemanden in Degner 1 überholt, das war neu."
"Aber letztendlich wird die Pace das Rennen entscheiden", kündigt Piastri an. Und hier fühlt sich McLaren sowieso nicht sattelfest. Die Rennpace sah 2026 noch an keinem Punkt gut genug aus, um Ferrari zu fordern, und das galt auch für die Longruns am Freitag in Japan. "Wir werden im Rennen denke ich sehen, dass Ferrari einen Vorteil gegenüber uns hat, und Mercedes davonfährt", kündigt McLaren-Teamchef Andrea Stella an.
Für den von P5 startenden Lando Norris hilft es auch nicht, dass er an diesem Wochenende wegen wiederholter Technik-Gebrechen sowieso gar keine Longruns fahren konnte. Daher hat sich McLaren schon mit der Vorstellung abgefunden, klar hinter Mercedes und Ferrari ins Ziel zu kommen. Abgesehen davon gibt es keine nennenswerten Kandidaten an der Spitze.
Ab P7 beginnt mit Pierre Gasly das Mittelfeld. In Japan ist dieses erneut eng, und inkludiert neben Alpine, Audi, den Racing Bulls und Haas zum zweiten Mal in Folge Red Bull. Was ein frustrierter Max Verstappen nach der nächsten Qualifying-Enttäuschung zu sagen hatte, gibt es hier:



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