Kaum ein Team im Sport würde es gut finden, nichts gerissen zu haben. Im Falle von KTM wäre das an diesem MotoGP-Wochenende aber der Wunsch gewesen. In Misano erlitten die Motorräder des Werksteams der Mattighofener gleich dreimal denselben Defekt. Die Antriebsketten wurden abgerissen. Was war da los?

Zweimal Binder, einmal Acosta: KTM fliegen die Ketten weg

"Ich habe mein Pech schon früher aufgebraucht", kommentierte Brad Binder sarkastisch den 'Erfolg' der Zielankunft am Sonntag. Zuvor hatte es dem Südafrikaner schon im Training und Sprint die Kette weggerissen. Im Grand Prix kam er hingegen als einziger KTM-Pilot ins Ziel. Das Debakel der Österreicher und natürlich das weitere Renngeschehen haben wir in unserem neuesten Video analysiert:

Marc Marquez mit Messi-Jubel: Botschaft an Misano-MotoGP-Fans (07:05 Min.)

Während die beiden Tech3-Piloten durch Stürze ausfielen, erwischte der Kettenfluch auch noch Speerspitze Pedro Acosta. "Es ist, was es ist. Das ist ein mechanischer Sport. Das können diese Dinge passieren. Sie sollten es nicht, aber sie können", kommentierte der Spanier seinen Ausfall überraschend nüchtern in seiner Medienrunde.

KTM-Piloten erstaunt: In Jahren nie eine einzige Kette gerissen

Nachdem er auf Rang vier liegend ohne Vortrieb ausgerollt war, sah das noch ganz anders aus. Er hämmerte fuchsteufelswild auf sein Motorrad ein. Als einziger KTM-Pilot zeigte er sich konkurrenzfähig. Wo die Reise hingehen hätte können, deutete der 'Hai' vorsichtig an: "Es war ehrlicherweise ein wirklich gutes Rennen. Ich möchte nicht behaupten, dass wir es auf das Podium geschafft hätten, aber wir hätten vielleicht da in die Nähe von Alex [Marquez, am Ende Dritter, Anm. d. Red.] gelangen können. Ich sah mir das Rennen an und am Ende ist er leicht eingebrochen. Versteht mich nicht falsch, aber es gab schon Potential für mehr."

Pedro Acosta in Misano
Pedro Acosta schielte auf das Podium, Foto: IMAGO / NurPhoto

Aber wie kann dreimal ein zuvor zuverlässiges Bauteil versagen? "Sowas passiert normalerweise nie. In eineinhalb Jahren MotoGP ist es zuvor nie passiert. Und da ist es natürlich besonders enttäuschend, dass es am Renntag passiert", zeigte sich Acosta ratlos. Binder bestätigte seinen Teamkollegen: "Um ehrlich zu sein, haben wir zuvor noch nie eine Kette verloren. Niemals ist das je passiert." Der Südafrikaner ist bekannterweise schon seit 2020 im Werksteam. Es handelte sich also um eine absolute Anomalie.

Brad Binder hat Misano-Theorie: Entwarnung für die weiteren MotoGP-Rennen?

Brad Binder beschleunigt aus Kurve 6 in Misano
Der Kerb ausgangs Kurve 6 war wohl der Übeltäter, Foto: IMAGO / DeFodi Images

Stellt sich die Frage, was Misano im Vergleich zu den bisherigen Rennen in Sachen Kettenbelastung so anders machte. Während Acosta keine Erklärung liefern konnte, hatte sein Teamkollege eine Theorie: "Bei der Ausfahrt aus Kurve 6 gibt es diesen hohen Doppel-Kerb, über den du mit viel Schräglage fährst. Ich denke also, es ist wahrscheinlich eine Kombination aus dem Timing bei der Aktivierung des Ride-Height-Devices, dem Gangwechsel und diesen wirklich hohen Kerbs. Wenn du genau draufkommst, dann fängt das irgendwie zu vibrieren an und löst die Kette ab."

Kurve 6 fungierte demnach als der Kettenreißer in Misano. Dementsprechend hofft Binder auch auf einen Einzelfall: "Ich glaube nicht, dass wir dieses Problem an anderen Orten haben werden, aber natürlich ist es ziemlich scheiße, dass das hier jetzt gleich dreimal passiert ist." Außerdem sollte festgehalten werden: Bei keinem anderen Hersteller gab es einen Kettenriss. Pedro Acosta hat also nicht unrecht, wenn er fordert: "Wir müssen das Motorrad da verbessern."

Zumindest bis nächstes Jahr in Misano sollten die KTM-Ingenieure eine Lösung parat haben, denn auf dem World Circuit Marco Simoncelli wird die MotoGP noch lange fahren. Mehr zur Verlängerung gibt es hier: