Jeder fängt mal klein an, so auch KTM. Als der Motorradbauer aus Österreich im Spätsommer 2014 seinen MotoGP-Einstieg zur Saison 2017 angekündigt hatte, war in der Fabrik in Mattighofen noch nichts von einem renntauglichen Motorrad zu sehen. Erst nach vielen Monaten harter Arbeit bis tief in die Nacht hinein konnte im Spätherbst 2015 ein funktionstüchtiges MotoGP-Bike auf die Strecke geschickt werden. Motorsport-Magazin.com blickt genau zehn Jahre später auf den historischen ersten Rollout der KTM RC16 am 29. Oktober 2015 zurück.

KTMs MotoGP-Bike im Oktober 2015 erstmals auf der Strecke

"Die MotoGP ist für jeden Hersteller ein Traum." - Mit diesen Worten bestätigte Motorsportchef Pit Beirer im Spätsommer 2014 den geplanten MotoGP-Einstieg KTMs zur Saison 2017. Schon damals war ihm klar, "dass es ein sehr hartes Projekt für uns wird." Auf Unterstützung durch externe Zulieferer wie Chassisspezialist Kalex verzichtete der Hersteller aus Mattighofen aber dennoch bewusst, denn "wir wollen eine echte KTM bauen". Und genau damit begann KTM im Spätsommer 2014, in der Fabrik wurde fleißig an der Entwicklung eines Prototypen für die MotoGP gearbeitet.

KTM schickte die RC16 im Spätherbst 2015 erstmals auf die Strecke, Foto: KTM Philip Platzer
KTM schickte die RC16 im Spätherbst 2015 erstmals auf die Strecke, Foto: KTM Philip Platzer

Es sollte exakt 15 Monate dauern, ehe die KTM RC16 am 29. Oktober 2015 dann erstmals das Licht der Welt erblickte. Weil die Entwicklung des Motorrads auf dem Prüfstand so positiv verlaufen war, führte KTM den Rollout der RC16 schon viel früher als ursprünglich geplant durch. Hinter verschlossenen Türen testete KTM von Donnerstag bis Samstag insgesamt drei Tage lang, wobei Ex-MotoGP-Pilot Alex Hofmann auf dem Red Bull Ring im herbstlichen Spielberg die ersten Runden mit der Maschine drehte.

Das erfreuliche: Der Rollout wurde zum vollen Erfolg. Knapp 450 Kilometer legte Hofmann an den drei Testtagen zurück, größere Probleme blieben aus. "Was soll ich sagen, schaut euch meine Stiefel und das Bike an, die sehen noch aus wie neu - da habe ich auch schon andere Premieren erlebt", scherzte der Deutsche und lobte anschließend: "Großen Respekt, was KTM in dieser extrem kurzen Zeit schon geleistet hat. Ich glaube, man konnte es nicht nur in meinem Gesicht erkennen, sondern in denen Aller, mit welcher Begeisterung und Professionalität hier gearbeitet wird."

Im Sommer 2016 präsentierte KTM die RC16 dann auch der Weltöffentlichkeit, Foto: Red Bull
Im Sommer 2016 präsentierte KTM die RC16 dann auch der Weltöffentlichkeit, Foto: Red Bull

Nach Rollout 2015: KTM etabliert sich in der MotoGP-Spitze

Der erste und wichtigste Schritt im MotoGP-Projekt der Österreicher war damit gegangen, nun startete die Feinarbeit. Mika Kallio kam als zweiter Testfahrer hinzu, in Valencia folgte nur wenige Wochen später ein zweiter Test. Die Wintermonate nutzte KTM dann, um das Feedback der Piloten auszuwerten und die RC16 intensiv weiterzuentwickeln. Im Jahresverlauf 2016 folgten zahlreiche weitere Tests, unter anderem mit Randy De Puniet und Karel Abraham, ehe Kallio die RC16 beim MotoGP-Saisonfinale 2016 in Valencia erstmals im Rennbetrieb testete.

Seit 2017 tritt KTM wie angekündigt mit einem Einsatzteam in der MotoGP an, seit 2019 stattet man mit Tech3 auch ein Kundenteam aus. Und die Erfolge in neun Jahren Königsklasse können sich durchaus sehen lassen. 2018 gelang mit Pol Espargaro das erste Podium, 2020 holte Brad Binder den ersten Grand-Prix-Sieg für die Orangenen. Seit 2023 mischt man beständig an der Spitze mit, einzig die dominanten Ducatisti sind für KTM nur selten zu schlagen.

Damit sich das spätestens 2027 ändert, arbeitet KTM hinter den Kulissen bereits fleißig an einem Prototypen für die neue Motorrad-Generation. Der neue 850ccm-Motor wurde kürzlich schon das erste Mal angelassen. Lauscht seinem Klang hier selbst: