Es sollte der Härtetest werden. Nach der Feuertaufe in Misano stand am vergangenen Wochenende beim Malaysia-GP der zweite von drei geplanten Wildcard-Auftritten von Yamahas brandneuem V4-Motorrad auf dem Programm. Die heißen und fordernden Bedingungen auf einer der komplettesten Rennstrecken im aktuellen MotoGP-Kalender wurden als perfekter Gradmesser erkannt, um herauszufinden, wo das V4-Projekt aus Iwata kurz vor Saisonende 2025 wirklich steht. Also: Wo steht Yamaha mit dem neuen Motorrad nach Sepang?
Die simple Antwort: Nicht da, wo man eigentlich gerne wäre. Das hatte sich bereits am Freitag abgezeichnet. Testfahrer Augusto Fernandez präsentierte sich in seiner Medienrunde schon dort ziemlich schlecht gelaunt und Starpilot Fabio Quartararo hatte es nicht einmal für nötig gehalten, nach dem aktuellen Zwischenstand beim V4 zu fragen. "Ich sehe ja, wie es läuft. Ich kann es an den Ergebnissen und seinem Gesicht ablesen", erklärte 'El Diablo' mehr als vielsagend. Fernandez hatte den Trainingstag auf dem letzten Platz beendet, deutlich hinter den restlichen vier Yamahas mit Reihenmotor - und daran sollte sich im Verlauf des weiteren Wochenendes auch nichts mehr ändern.
Kein Fortschritt bei Yamaha: Gleiche V4-Probleme wie in Misano
Im Sprint verlor Fernandez 25,412 Sekunden auf Sieger Francesco Bagnaia und im Grand Prix am Sonntag bei doppelter Distanz dann 47,060 Sekunden auf Alex Marquez. Damit gelang nur eine kleine Verbesserung gegenüber dem V4-Renndebüt in Misano. "Das war ein schwieriges Wochenende für uns", gab der 28-jährige Spanier daher auch wenig überraschend am Sonntagabend zu Protokoll. Sichtlich niedergeschlagen und enttäuscht musste er festhalten: "Wir sind noch schlechter als in Misano in das Wochenende gestartet, mussten die Basis nochmal von Neuem suchen. Das einzig Gute ist, dass wir jetzt wieder am gleichen Punkt wie in Misano sind. Wir straucheln mit den gleichen Dingen, haben die gleichen Probleme. Also haben wir jetzt zumindest eine Richtung, der wir folgen können."
Vor dem dritten und letzten Wildcard-Auftritt in Valencia (14. - 16. November) steht kommende Woche noch ein letzter Privattest im Motorland Aragon an. Ob es dort dramatisch besser laufen wird? Fernandez zweifelt, denn "es wird das gleiche Motorrad sein. Nur ein kleine Teile, ein paar kleine Details werden sich verändern." Und mehr Leistung wird auch nicht freigeschalten werden, weder in Aragon noch in Valencia, das bestätigte Fernandez kurz und knapp: "Nein."
Weiterhin also ein sehr vorsichtiges Vorgehen der Yamaha-Ingenieure, was der gebürtige Madrilene nicht nachvollziehen kann. Was sich verändern müsse, damit das V4-Motorrad konkurrenzfähiger wird? "Der Motor ist das erste Thema. Sie sagen zwar, dass wir mehr Power zur Verfügung hätten, aber ich will jetzt auch mal damit fahren, um herauszufinden, wie sich das anfühlt", klagte die Startnummer 7 und meinte weiter: "Dann brauchen wir endlich eine Basis. Wir brauchen mehr Balance auf dem Motorrad und ein Chassis, das uns mehr Spielraum ermöglicht."

Yamaha unter Zeitdruck: V4-Motorrad oder doch Reihenmotor?
Das große Problem: Die Zeit drängt. Valencia-Grand-Prix und -Test finden bereits in drei Wochen statt, ehe im Anschluss die Winterpause beginnt. Die ersten Wintertests warten dann schon Ende Januar auf Yamaha. "Wir müssen uns verbessern, aber dazu brauchen wir neue Teile. Wir haben das Maximum mit dem rausgeholt, was wir haben", schlug Fernandez fast schon Alarm. "Wir haben eine Richtung, in die wir gehen wollen. Jetzt liegt es an den Ingenieuren, zu arbeiten und dieser Richtung zu folgen. Vielleicht werden wir für Valencia noch ein paar Teile bekommen, aber ich denke, dass das noch mehr Zeit brauchen wird. Das Ding ist nur, dass wir keine Zeit haben. Wenn wir im nächsten Rennen konkurrenzfähig werden wollen, müssen wir die Entwicklung beschleunigen."
Auch wenn die offizielle Bestätigung weiterhin aussteht, will Yamaha zur Saison 2026 ja eigentlich vollständig auf das V4-Konzept wechseln und den Reihenmotor verwerfen. Doch ist das ob des aktuellen Entwicklungsstands des V4-Motorrads überhaupt die richtige Idee? Fernandez glaubt schon. "Das Potenzial ist da", gab sich der 28-Jährige kämpferisch. "Wir müssen einfach nur die korrekten Nummern finden. Das ist ein Motorrad, das von Grund auf neu gebaut wurde. Die genaue Position der Reifen und alles weitere muss erst gefunden werden. Das dauert. Wir haben nicht mehr viel Zeit, aber etwas Zeit bleibt noch. Ich glaube schon, dass dieses Motorrad am Ende besser sein wird."
Stimmt ihr Fernandez da zu oder findet ihr, dass Yamaha 2026 vielleicht doch mit dem Reihenmotor weitermachen sollte? Sagt uns eure Meinung zum aktuellen Stand des V4-Projekts der Japaner in den Kommentaren!



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