Vor der großen Technik-Revolution des neuen MotoGP-Reglements von 2027 steht einem Hersteller bereits 2026 eine massive Änderung technischer Art bevor. Sportchef Paolo Pavesio betont zwar, dass es noch keine Entscheidung bei Yamaha bezüglich eines Renneinsatzes des in Entwicklung befindlichen V4-Motors gibt, doch die Aussagen seines Testfahrers sind ziemlich eindeutig. Die Ressourcen werden in die Neuentwicklung gesetzt - und die Eindrücke sind gut.

Hat mehr Potential: Yamaha-Testfahrer bestätigt Fokus auf V4-Motor

"Ich verbringe jetzt mehr und mehr Zeit damit, den V4 zu testen. Wir müssen diesen Prozess beschleunigen, wenn wir nächstes Jahr mit dem V4 Rennen fahren wollen. Da liegt immer noch eine Menge Arbeit vor uns. Beim letzten Test war das noch kein Gesamtpaket", berichtet Augusto Fernandez. Was sich erstmal wenig optimistisch anhört, ist es keineswegs. Offenbar ist der japanische Hersteller mittlerweile sehr vom Umstieg des aktuell letzten Reihenmotors im Feld auf das übliche V4-Konzept überzeugt. "Wir sind am Ende des M1-Projektes. Alle bei Yamaha fokussieren sich voll auf den V4", verrät der spanische Testfahrer.

Für 2027 hatte auch sein Boss Pavesio den Wechsel auf das neue Motorenkonzept bereits bestätigt. Für 2026 lautet die Angabe stets: Das V4-Motorrad kommt, wenn es schneller als das aktuelle Modell ist. Aber auch hier ist Fernandez optimistisch: "Es gibt nichts Negatives zu berichten, es geht einfach darum, dass wir irgendwann bessere Rundenzeiten sehen müssen. Yamaha macht einen guten Job. Ich denke, das wird ein gutes Motorrad werden." Obwohl die neue Maschine noch bei Weitem nicht fertig ist, tat er seine volle Überzeugung vom neuen Motorenprojekt kund: "Ich fühle mich sehr wohl auf dem V4. Es fühlt sich sehr anders an als unser [aktuelles] Motorrad. Ich kann sagen, dass es mehr Potential hat."

Auch Fabio Quartararo von V4 überzeugt: Richtige Entscheidung

Offenbar sind diese Einschätzungen mittlerweile auch bei Starpilot Fabio Quartararo angekommen. "Sie legen jetzt viel mehr Wert auf die Entwicklung des V4, ich denke, das ist richtig", revidierte er seine Einschätzung zur Weiterentwicklung bei Yamaha. Zuvor hatte er parallele Projekte für V4 und Reihenmotorrad bevorzugt. Nun scheint auch das sportliche Zugpferd am V4-Karren zu ziehen: "Wenn wir noch etwas für dieses Jahr finden würden, wäre das natürlich willkommen. Es ist ja noch eine halbe Saison zu fahren. Ein Update wäre also schön, aber die Zukunft ist sehr wichtig. Ich verstehe komplett, warum sie viel Energie in das neue Motorrad und nicht in das Aktuelle stecken."

Schritt für Schritt: Neuer MotoGP-Motor noch nicht auf voller Leistung

Da stellt sich natürlich die Frage: Warum sind alle vom V4-Motor überzeugt, wenn er (noch) gar nicht schneller ist? Die Antwort darauf ist denkbar einfach. "Der Motor läuft nicht auf voller Leistung, die wurde aus Japan noch nicht freigegeben", verrät Fernandez und erklärt die Vorgehensweise. "Sie [die Yamaha-Ingenieure, Anm. d. Red.] wollen alles kennenlernen, ohne ihn in die Luft zu jagen. Sie geben uns in kleinen Schritten mehr [Leistung] frei. In Japan gehen sie die Dinge so an."

V4 mit 850 und 1000ccm! Yamaha bläst zum MotoGP-Großangriff (05:26 Min.)

Die japanischen Hersteller waren zuletzt häufig für eine zu konservative Herangehensweise in den technischen Abteilungen kritisiert worden, doch der Testfahrer beschwert sich nicht: "Ich habe nichts dagegen, solange das Motorrad für nächstes Jahr gut ist. Das wird noch ein langer Prozess, aber bisher läuft es gut." Dementsprechend stehen auch die Chancen auf eine Yamaha mit V4-Motor im Renneinsatz der Saison 2026 wohl nicht schlecht. Über den Sommer finden bereits die nächsten Testfahrten statt. Dann bleibt eigentlich nur noch eine Frage: Wie heißt dieses MotoGP-Geschoss dann? "M1-V4", scherzt Fernandez. Doch letztlich gibt er zu: "Wir müssen dafür noch einen Namen finden." Das dürfte aber wohl die geringste Herausforderung der nächsten Monate werden.

Was meint ihr? Kann der V4-Motor Yamaha wieder zurück an die Spitze verhelfen? Sagt es uns in den Kommentaren.