Passend zum ersten Advent liefert Motorsport-Magazin.com den ersten Teil unseres MotoGP-Jahreszeugnisses. In jeder Ausgabe widmen wir uns einem der fünf Hersteller der Königklasse. In umgekehrter Reihenfolge der Konstrukteurswertung vorgehend, beginnen wir heute mit der größten Baustelle: Yamaha.
Die Yamaha M1 steht endgültig an: V4-Motorenrevolution unausweichlich
Die Bilanz des Jahres 2025 ist nicht schönzureden. Yamaha belegt mit 247 Punkten den letzten Rang aller Hersteller und hat die wenigsten Podestplätze (zwei im Sprint, einer im Grand Prix) eingefahren. Dazu kamen diese nur durch einen herausragenden Fahrer zustande, auf seine Leistungen kommen wir später zu sprechen. Kurzum: Das einst so glorreiche Werk hat sich kein Stück aus seiner Krise bewegen können. Zwar wurden Punktzahl und Abstand zur Spitze im Vergleich zu 2024 besser, aber alle anderen Ducati-Jäger haben sich noch deutlicher gesteigert. Das Resultat war die erste rote Laterne in der MotoGP-Ära.
Die Entwicklung der M1 schien in einer Sackgasse angekommen. Grip und Motorleistung hingen der Konkurrenz durchgehend hinterher. Konventionelles Denken half nicht mehr weiter: Die Entscheidung zur Entwicklung eines Motorrads mit V4-Motor, um das letzte Reihenmotormodell im Feld abzulösen, war die Technik-Schlagzeile des Jahres. Die ersten Wildcard-Einsätze mit Augusto Fernandez verliefen aber eher noch verhalten. Dennoch setzt Yamaha nun voll auf diese Karte. Der Wechsel auf das V4-Motorrad ab 2026 ist das Ende einer großen Ära, die nicht mehr weiterzuführen war. Das letzte Überbleibsel der goldenen Zeiten sitzt aber noch auf dem Bike.
Fabio Quartararo viel besser als sein Motorrad: Wie soll Yamaha ihn halten?
Mit diesem beginnen wir unsere Fahrerbilanz. An einem liegt es bei Yamaha definitiv nicht: Fabio Quartararo. Der Franzose ist weiterhin ein Ausnahmefahrer und zeigt Spitzenleistungen am Fließband. Wie er diese M1 fünfmal auf Pole-Position stellen konnte, grenzt an schwarze Magie. Durchweg war 'El Diablo' seinen Markenkollegen weit voraus. 201 Punkte stehen in der Bilanz und damit drei mehr als die kombinierten Wertungen der drei anderen Yamahas plus Wildcards.

Beim Franzosen stellt sich nur eine Frage: Wie lange möchte er sich diesen Kampf noch antun? Das gesamte Paddock ist sich einig, dass Duelle mit Marc Marquez und Co. auf dem Plan stehen sollten, doch stattdessen fristet er ein Mittelfelddasein. Die Interessenten für seine Fahrkunst ab 2027 dürften Schlange stehen.
Alex Rins: Die Gesundheit als schwerer Rucksack
Bei Quartararos Teamkollegen scheint sich leider immer weiter eine traurige Gewissheit herauszukristallisieren. Alex Rins ist seit seiner schweren Beinverletzung in Mugello 2023 immer noch nicht wieder der Alte. Das enorme Talent des Spaniers stand nie in Frage, für seine Leistungsfähigkeit muss dies aber langsam gelten. Nur einmal punktete er im Sprint. Im Rennen gab es regelmäßig Zählbares, aber auch nur ein einziges Mal eine einstellige Platzierung. Ausreißer nach oben in einzelnen Sessions mündeten nie in einen dauerhaft positiven Trend. Das ist für einen Werksfahrer schlichtweg nicht genug. Rins fährt 2026 nicht nur um seinen Verbleib im Team, sondern um seine Zukunft in der Königsklasse.

Jack Miller: MotoGP-Wechsel verhindert Verfall in alte Muster nicht
Ein Teamwechsel bringt normalerweise einiges an Veränderung mit, aber Jack Miller bleibt am Ende einfach Jack Miller. Egal, welches Fabrikat er fährt, es kommt am Ende im Prinzip das Gleiche heraus. Der Australier ist von Beginn an schnell im Qualifying, sorgt für Highlights, stürzt aber zu oft und nimmt die Reifen zu hart ran. Dieses Gesamtpaket reicht dem Pramac-Rückkehrer mit 79 Punkten immerhin zum zweitbesten Yamaha-Piloten, weitab der Quartararo-Sphären. Ob Millers übliches Repertoire auch gegen Toprak Razgatlioglu reicht? Die Zukunft des beliebten 'Showmans' der Königsklasse ist damit alles andere als sicher, besonders wenn vielversprechende Moto2-Junioren verpflichtet werden könnten.

Miguel Oliveiras MotoGP-Aus: Hat er das verdient?
Eigentlich hatte nicht Miller den Vertrag für 2026 in der Tasche, sondern Miguel Oliveira. Doch leider aktivierte der Portugiese seine eigene Rauswurfklausel mit indiskutablen Leistungen. Sechs Punkte an den ersten neun Rennwochenenden seiner Saison ließen Yamaha fast keine andere Wahl.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Portugiese erneut das Pech wie ein Magnet angezogen hatte. Seine Verletzung in Argentinien samt Zwangspause für drei Rennen wurde von Fermin Aldeguer verursacht. Als sein Aus feststand, machte er es mit dem zweibesten Yamaha-Punkteschnitt in den letzten neun Rennen nochmal besser. Allerdings klingt das ehrlicherweise schöner, als es war. 4,1 Punkte pro Wochenende entspricht nicht einmal der Hälfte von Quartararos Saisonschnitt (9,1). Mit Toprak Razgatlioglu war ein reizvoller Ersatz vorhanden. Oliveira stellte nicht mehr die Zukunft dar.
Fazit: Ein 'weiter so' konnte es bei Yamaha nicht geben

Blicken wir auf die Gesamtbilanz von Yamaha, so ist die Entscheidung zum Wechsel auf V4-Motor und die Verpflichtung von Toprak Razgatlioglu vollkommen nachvollziehbar. Fabio Quartararos Genie ist das Einzige, was beim einstiegen MotoGP-Giganten noch für Erfolgserlebnisse sorgen kann. Der Reihenmotor war ein Auslaufmodell und der Rest des Fahrerkaders wirkt trotz beachtlicher Karriereleistungen leider auch wie eines. Miguel Oliveira hat es nun bereits erwischt, Rins und Miller stehen stark unter Druck. Der technische Umbruch könnte ein noch schwierigeres Jahr 2026 bedeuten, aber ein Anfang musste gemacht werden. Selbst wenn sie dadurch auch noch Quartararo verlieren, so darf konstatiert werden: Mit einem 'weiter so' hätten sie den Franzosen mit Sicherheit verjagt und Stagnation akzeptiert.
Wie bewertet ihr die Saison Yamahas? Seht ihr die Dinge anders als wir? Teilt gerne eure Einschätzung in den Kommentaren.



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