Man konnte es wohl einen "Start nach Maß" oder einen "Traumstart" nennen. Als die MotoGP Ende Februar in die Saison 2025 startete, legte nicht nur der spätere Weltmeister Marc Marquez wie die Feuerwehr los. Auch Ai Ogura faszinierte beim Thailand-GP, holte an seinem ersten Rennwochenende als MotoGP-Pilot die Plätze vier (Sprint) und fünf (Grand Prix). Besser schnitten bei ihrem Debüt in der gesamten MotoGP-Ära nur Marc Marquez, Jorge Lorenzo, Andrea Dovizioso und Dani Pedrosa ab. Kein Wunder also, dass die Erwartungen an den amtierenden Moto2-Weltmeister fortan groß waren. Doch gerecht werden konnte Ogura diesen im weiteren Jahresverlauf nur noch selten.
"Es gibt nichts im Speziellen über meine erste Saison zu sagen. Ich hatte einige Verletzungen und Stürze. Es war ein hartes Jahr, aber daraus können wir auch einige positive Aspekte ziehen", bilanzierte der 24-Jährige aus Kiyose daher nüchtern beim Saisonfinale in Valencia. Drei Sprints und vier Grands Prix hatte er auslassen müssen, am Jahresende stand mit 89 Punkten WM-Rang 16 zu Buche. Nichts besonderes also, weshalb Ogura auch offen zugab: "Ich bin froh, dass meine Rookie-Saison jetzt vorbei ist."
Verletzungen und Ergebnisflaute: Ai Ogura rutscht in die MotoGP-Krise
Bereits beim zweiten Rennwochenende des Jahres 2025 in Argentinien bekam der Trackhouse-Pilot mit Platz 15 im Sprint aufgezeigt, dass es für ihn wohl nicht immer so gut wie in Thailand laufen würde. Dennoch etablierte er sich in dieser Frühphase der Saison als konstanter Anwärter auf einen Top-10-Platz, lag nach dem Frankreich-GP mit 43 Punkten noch als bester Aprilia-Pilot auf WM-Rang zehn. Doch beginnend mit einem heftigen Sturz in Silverstone wendete sich das Blatt mehr und mehr ins Negative. Erst der Schienbeinbruch, dann eine Ergebnisflaute und dann eine Handgelenksverletzung in Misano, die Ogura unter anderem das Heimrennen in Motegi kostete.
"Ich bin anfangs gut mit dem Motorrad gefahren, aber dann kamen die Verletzungen", blickte der Japaner zurück. An Ergebnisse wie in Thailand war im Herbst 2025 nicht mehr zu denken - und deshalb machten sich beim 24-jährigen Rookie Selbstzweifel breit. "An einem Punkt in dieser Saison habe ich mich gefragt, ob ich vielleicht nicht gut genug bin [um MotoGP zu fahren, Anm.]", gestand er offen und ehrlich. Die Resultate aus Buriram hatten zwar anderes aufgezeigt, waren in diesem Fall aber wohl mehr Hindernis als Hilfe: "Sie haben mich verängstigt. Deine besten Resultate gleich im ersten Rennen zu haben, war speziell. Die Rennen danach haben mir mein wahres Potenzial aufgezeigt und dann habe ich angefangen, nachzudenken."

Glücklicherweise ließ sich Ogura von seinen Selbstzweifeln jedoch nicht unterkriegen und sammelte auf den letzten Metern des Jahres 2025 nochmal Selbstvertrauen. "Die letzten Rennen waren ganz okay. Ich sehe also noch Licht am Ende des Tunnels", scherzte er. In Malaysia hatte es der Trackhouse-Pilot zurück in die Top-10 geschafft, in Portimao das drittbeste Grand-Prix-Resultat nach Buriram und Barcelona (P6) eingefahren. Beim Saisonfinale in Valencia reichte es dann noch zum erst sechsten Mal zu Punkten im Sprint. Die Richtung stimmt also wieder, die Freude am Motorradfahren ist zurück: "Ich kann es nicht abwarten, mein zweites Jahr zu starten."
Trackhouse-Boss sicher: Ai Ogura kann 2026 um MotoGP-Podien fahren
Was man 2026 von Ogura erwarten kann? So einiges, glaubt Davide Brivio. "Ich bin sehr zufrieden mit seiner Saison. Es ging dieses Jahr nur darum, Erfahrungen zu sammeln und zu lernen. Jetzt weiß er, was er verbessern muss. Natürlich haben in der Vergangenheit auch schon Rookies die WM gewonnen, wie Marc Marquez. Aber sein Bruder hat mehrere Jahre gebraucht, um ein Topfahrer zu werden. Jeder Fahrer geht seinen eigenen Weg und ich bin mir sicher, dass Ai das nötige Talent hat, um irgendwann auch ein Topfahrer zu werden", gab der Trackhouse-Teamchef während des Valencia-Tests an. Das Ziel für 2026: "Auf diesem Jahr aufbauen. Wir wollen beide Fahrer konstant in den Top-10 haben. Ai soll auf einem ähnlichen Level wie Raul [Fernandez] fahren, mit ihm kämpfen und dann seine Chancen nutzen, wenn beispielsweise Podien möglich sind." Aprilia-Racing-CEO Massimo Rivola stimmt zu: "Ich bin überzeugt, dass Ai nächstes Jahr vorne mitmischen wird."
Wie viel Schrott Ai Ogura 2025 produziert hat und wo er dabei im Vergleich mit seinen Rookie-Kollegen und dem restlichen MotoGP-Feld landete, erfahrt ihr in diesem Artikel:



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