Die Schlagzeilen bestimmte am Sonntag Rennsieger Marco Bezzecchi, doch die Fahrt von Aprilia-Kollege Raul Fernandez war eigentlich fast noch beeindruckender. Vom vierten Startplatz aus in den Valencia-Grand-Prix gegangen, stürmte der Trackhouse-Pilot bis auf Rang zwei nach vorne, schloss die zwischenzeitlich schon anderthalb Sekunden große Lücke zu Bezzecchi nochmal vollständig und schien in der Schlussphase sogar der besser aufgelegte Aprilia-Pilot zu sein. Eine beeindruckende Leistung von Fernandez - speziell deshalb, weil er vor einer Woche noch im Krankenbett lag.

Verletzt in Portimao, Podium in Valencia: Raul Fernandez' kuriose Woche

Im 1. Freien Training zum Portugal-GP heftig in Kurve eins abgeflogen, hatte sich die Startnummer 25 an der linken Schulter verletzt und musste sich nach dem FP2 am Samstagvormittag vom restlichen Rennwochenende in Portimao zurückziehen. Ob Fernandez in Valencia nochmal zurückkehren können würde? Zum damaligen Zeitpunkt völlig ungewiss. "Nach dem Portugal-Crash hätte ich niemals gedacht, dass ich die Möglichkeit hätte, hierher zu kommen und um den Sieg zu kämpfen", gestand er auch selbst.

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Eine ausgiebige Physiotherapie mit Akupunktur brachte den 25-Jährigen aus Madrid jedoch rechtzeitig wieder in die Spur. "Nach dem Sturz konnte ich meinen Arm gar nicht bewegen. Dank all der guten Arbeit haben wir die Entzündung aber in den Griff bekommen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich wirklich in einem guten Zustand nach Valencia gekommen bin", dankte Fernandez seinem Ärzte- und Trainerteam und verriet: "Ich hatte nur im letzten Teil des Rennens nochmal etwas Schmerzen in der Schulter, aber das konnte keine Ausrede sein."

Partystimmung bei den Fernandez': Podium für Raul, Sieg für Adrian

Zu motiviert war Fernandez, vor Heimpublikum vielleicht doch noch den zweiten MotoGP-Sieg seiner Karriere einzufahren - zumal es ihm Bruder Adrian drei Stunden zuvor im Moto3-Rennen vorgemacht hatte. Der jüngere Fernandez-Bruder sicherte sich dort seinen ersten Grand-Prix-Sieg und legte die Messlatte für Raul somit hoch. "Ich habe alles versucht, glaubt mir", machte der Trackhouse-Pilot keinen Hehl daraus, es seinem vier Jahre jüngeren Bruder unbedingt nachmachen gewollt zu haben. Doch "Marco [Bezzecchi] hatte einfach etwas mehr drauf. Ich konnte diese kleine Restlücke von drei bis vier Zehnteln einfach nicht zufahren und so war es unmöglich, über einen Überholversuch nachzudenken."

Raul Fernandez kam nie ganz ans Heck von Marco Bezzecchi heran, Foto: MotoGP Press
Raul Fernandez kam nie ganz ans Heck von Marco Bezzecchi heran, Foto: MotoGP Press

Auch mit Platz zwei aber ein "wunderbarer Tag" für die Fernandez-Familie. "Das ist fantastisch, ein Traum. Wir müssen das so sehr genießen, wie wir können", prognostizierte Raul eine feuchtfröhliche Nacht. Und diese hat sich der Moto2-Vizechampion von 2021 auch redlich verdient, gelang ihm nach schwachem Saisonstart im Verlauf des MotoGP-Jahres 2025 doch endlich der Sprung vom vermeintlich gescheiterten Toptalent zum Spitzenfahrer.

"Es war sehr wichtig, die Saison so zu beenden", meinte Fernandez selbst. Ob es ihm nicht sogar lieber wäre, die Saison 2025 mit Blick auf seine aktuelle Form noch einige Zeit weiterlaufen zu lassen? "Nein, nein. Ich will schon, dass die Saison jetzt endet. Sie war lang, ich brauche etwas Ruhe", winkte der 25-Jährige lachend ab. Allzu lange soll die Winterpause aber auch nicht ausfallen, denn die Motivation für das kommende Jahr ist bereits groß: "Wir sind bereit für 2026 und haben dort eine große Chance. Ich glaube nicht, dass wir um den Titel kämpfen können, dazu muss ich noch zu viel lernen. Aber mir macht es aktuell viel Spaß und wenn du Spaß hast, bist du konkurrenzfähig."

88 Punkte hat Raul Fernandez trotz zwei Doppelnullern in den letzten sechs Rennwochenenden 2025 noch geholt. Mehr sammelten in diesem Zeitraum nur Alex Marquez, Marco Bezzecchi und Pedro Acosta. Was meint ihr: Kann Fernandez diesen Trend 2026 bestätigen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren! Der Valencia-Test könnte einen ersten Vorgeschmack geben. Wie ihr diesen am Dienstag verfolgen könnt, erfahrt ihr hier: