Ein letztes Mal rückte Jorge Martin dann doch noch mit der Startnummer 1 aus. Mit der Spitze hatte der entthronte MotoGP-Weltmeister aber nichts zu tun, das war von vornherein klar. Seine Reha-Fahrt nach der Verletzung in Japan stand unter dem Motto: 'Bloß kein Risiko!' Genau diesen Auftrag hat der Spanier in Valencia entgegen aller Rennfahrerinstinkte erfüllt. Beim nächsten Grand Prix in der Saison 2026 soll das aber wieder ganz anders werden.

Jorge Martin am Start zur Seite: Wollte nicht, dass mir etwas passiert

Aufgrund des Zustandes seiner Schulter herrschte beim 'Martinator' striktes Sturz- und Unfallverbot. Was macht man da in einem MotoGP-Rennen? Die Antwort ist simpel, aber gar nicht so leicht umzusetzen: "Es ist schwierig, sich da eine Strategie zurechtzulegen, weil du nie weißt, was bei einem Start passieren wird. Aber ich sah dann den perfekten Platz, um zur Seite zu fahren. Das machte für mich heute keinen Sinn, im Feld zu fahren. Ihr habt ja gesehen was mit Zarco und Pecco (Bagnaia) passiert ist. Ich wollte nicht, dass mir so etwas passiert. Ich bin also zur Seite, habe dann meine zwei Longlaps absolviert und wollte dann noch ein paar Dinge am Motorrad verstehen lernen."

MotoGP-Fail: Franco Morbidelli stürzt im Grid - verletzt! (05:03 Min.)

Die beiden Longlaps für den Startcrash in Japan waren sogar doppelt wichtig. Zum einen muss er sie nun nicht mehr zum Saisonauftakt 2026 absitzen, zum anderen wurde somit der Abstand zum Feld hergestellt. Martin fuhr allein auf weiter Flur, genau wie er es wollte. Nach 15 von 27 Runden war dann aber Schluss. Auch das war geplant: "Ich war sehr müde vom gesamten Wochenende. Schon vor dem Rennen war mit dem Team abgesprochen, dass ich anhalten würde. Es war die klügste Entscheidung, nach ein paar Runden aufzuhören. Immerhin habe ich 15 Runden geschafft, also ein paar mehr als gestern [im Sprint, Anm. d. Red.], das ist ein gutes Zeichen. Am Ende war ich aber müde und hatte auch Schmerzen, also machte es keinen Sinn, da weiterzumachen."

Aprilia schreibt Vorsicht vor: MotoGP-Comeback trotz Aufgabe ein Erfolg

Nur für ein Anliegen widersetze er sich Aprilia für einen Umlauf: "Das Team hat mich mit der Boxentafel darauf hingewiesen [das Rennen zu beenden, Anm. d. Red.]. Sobald sie es mir mitteilten, habe ich noch eine Runde gefahren. Ich wollte noch meinen Fanclub grüßen." Seine Anhänger hatten im Verletzungsjahr 2025 wahrlich wenig zu jubeln. Das Comeback in Valencia bewertete der Spanier angesichts der Umstände aber als Erfolg: "Es sind nur sechs Wochen seit meiner Operation [am Schlüsselbein, Anm. d. Red.]. Ich konnte ein MotoGP-Bike fahren und habe dieses Wochenende insgesamt mehr als 100 Runden absolviert. Das ist viel besser, als ich es mir erwarten konnte."

Der Weg zum 'richtigen' Comeback steht nun bevor. Aprilia will angesichts der Erfahrungen der Saison 2025, dass weiterhin Vorsicht die Maßgabe darstellt. "Als Weltmeister erwarten alle sogar noch mehr von ihm. Aber er muss sich selbst Zeit geben, denn er braucht uns nicht zu beweisen, dass er schnell ist. Jeder weiß, dass er sehr schnell ist. Manchmal willst du zu viel, aber es gibt einen Weg, den du da bestreiten musst", formuliert es Massimo Rivola.

Jorge Martin in der Boxengasse in Valencia
Jorge Martins Blick geht in Richtung 2026, Foto: IMAGO / PsnewZ

Im Malaysia-Test durchstarten: MotoGP-Titelkampf 2026 ist das Ziel

Der Test in Valencia ist demnach auch noch kein Zeitpunkt, um durchzustarten. "Das Wichtige am Dienstag ist, ein paar Bauteile als Vorbereitung für den Februar auszuprobieren", gibt Martin an. Im Februar folgen dann die nächsten Testfahrten in Malaysia. Dort soll dann der Speed aufgebaut werden. "Der Schlüssel wird es sein, dass Jorge drei gute [Test-]Tage in Sepang haben kann", weiß auch Rivola. Das Handicap der gefährdeten Schulter sollte dann verschwunden sein. "Ich durfte nicht stürzen. Wenn du ein Wochenende so fährst, dass du nicht stürzt, dann verlierst du sicher Rundenzeit, weil du nichts riskiert. Im Februar wird das kein Problem mehr sein", kündigt der 27-Jährige an.

Wo die Ziele für 2026 liegen, kann nach den letzten Siegen durch Marco Bezzecchi und Raul Fernandez nicht mehr klein geredet werden. "Seht euch die Resultate an. Die sprechen für sich. Es ist fantastisch in einem Werk zu sein, dass nächstes Jahr um die Meisterschaft kämpfen kann. Das ist das Ziel", spricht es Martin direkt aus. Vielleicht kann er sein Unglück zusammen mit der Startnummer abgeben. Nun prangt da wieder die 89 auf der RS-GP.

Auch wenn Martin dort nur 'ein paar Teile' ausprobieren möchte, so ist der Valencia-Test für die gesamte MotoGP natürlich ein wichtiges Ereignis zur Standortbestimmung für die Saison 2026. Alle Informationen und wie ihr den Test verfolgen könnt, erfahrt ihr in unserer Übersicht: