Marc Marquez ist zurück auf dem Thron der MotoGP. Trotz einer Verletzung in der Schlussphase der Vorsaison geht der amtierende Weltmeister auch 2026 wieder als Titelfavorit an den Start. Seine Verlängerung bei Ducati ist zwar längst nicht in trockenen Tüchern, zumindest von den Verantwortlichen der Roten aber fest geplant. Und genau damit ist Marquez den anderen vier MotoGP-Weltmeistern im Starterfeld neben der Strecke etwas voraus. Aus unterschiedlichen Gründen wird 2026 für sie zum Schicksalsjahr für ihre Zukunft in der Königsklasse werden. Motorsport-Magazin.com blickt auf die schwierige Lage der Champions.
Francesco Bagnaia: Der Traumehe mit Ducati droht die Scheidung
Beginnen wir mit dem Teamkollegen des Dominators. Francesco Bagnaia sollte 2025 eigentlich der große Herausforderer des Marc Marquez werden, entwickelte sich aber zum fahrenden Rätsel. Mit der Ankunft der Desmosedici GP25 verlor 'Pecco' das Vertrauen in die Front seiner Maschine. Die alte Stärke des Spätbremsers kam seither nurmehr bei vereinzelten Highlights zurück. Es entwickelte sich ein Teufelskreis für den MotoGP-Weltmeister von 2022 und 2023. Zum Ende der Saison gab er mit zahlreichen Ausfällen ein klägliches Bild ab, dass seinem Können nicht mehr ansatzweise gerecht wurde.

Aus dieser Misere 2026 auszubrechen, ist nicht nur eine Frage der Ansprüche eines Spitzenpiloten, sondern auch für die Zukunft des Italieners. Gigi Dall'Igna und seine Mannschaft haben ihn stets unterstützt. Die Dankbarkeit und Verbundenheit für die ersten Fahrertitel nach 15 Jahren Flaute - 2007 hatte Casey Stoner triumphiert - sind weiterhin groß. Dennoch gilt: Wenn die Krise auch mit der GP26 in dieser Form weitergeht, so sind die Roten fast zur Wahl einer Alternative gezwungen.
Fermin Aldeguer wäre die erste von mehreren Optionen aus dem eigenen Lager, doch auch Spitzenfahrer von Extern könnten auf dem Radar landen. "Wir wollen zunächst mit dem Weltmeister verlängern, dann schauen wir weiter", offenbarte zuletzt auch Teammanager Davide Tardozzi, dass die Personalie Bagnaia in Borgo Panigale aktuell keine Priorität genießt. Beim Saisonfinale 2025 in Valencia hatte Bagnaia selbst noch den klaren Wunsch geäußert, 2027 bei seinem Team bleiben zu wollen. Während des Ducati-Launches klang auch das aber schon deutlich distanzierter. Er wolle sich zunächst auf das Rennfahren konzentrieren. Vielleicht gar keine schlechte Idee, denn mit verbesserten Leistungen würde er sich wieder attraktiv machen. Für Ducati, aber auch für andere Hersteller. Wie ihm das gelingen soll, erfahrt ihr hier:
Jorge Martin: Aprilia sitzt nun am längeren Hebel
Die Saison 2025 für Jorge Martin zusammenzufassen, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Mehrere grauenhafte Verletzungen und ein selbst vom Zaun gerissener Vertragsstreit sorgten für ein verlorenes Jahr. Der 'Martinator' steht 2026 vor großen Herausforderungen. Für den Weltmeister von 2024 gilt es zu beweisen, dass er körperlich und mental in der Lage ist, auch auf der Aprilia die Top-Leistungen vergangener Tage zu liefern. Der Mangel an Erfahrungswerten auf Bike und im Team bedeuten dabei ein zusätzliches Handicap.

Zum grundlegenden Fragezeichen des eigenen Zustandes als Fahrer gesellt sich dann auch noch die Marktsituation für 2027. Martin hat sich mit seinem gescheiterten Fluchtversuch inmitten der Saison 2025 definitiv keine Freunde bei Aprilia gemacht. In Noale wurde er dennoch unterstützt, weil die Alternativen für 2026 fehlten. Marco Bezzecchi hat seither großartig abgeliefert und die RS-GP ist als konkurrenzfähiges Paket deutlich attraktiver geworden. Kurzgesagt: Für 2027 sind Massimo Rivola & Co. nicht mehr unbedingt auf Martin angewiesen. Es ist der Spanier, der nun seinen Wert beweisen muss. Dabei gilt es auch, zwischenmenschliche Wogen zu glätten. Ansonsten steht wohl der nächste Wechsel ins Haus.
Joan Mir: Honda beweisen, dass der Spitzenpilot bereits da ist
Gefühlt müssen wir das nach den letzten Jahren noch einmal in Erinnerung rufen: Ja, Joan Mir ist wirklich der MotoGP-Weltmeister von 2020. Seit seinem - durch das Suzuki-Aus erzwungenen - Wechsel zu Honda lautet seine WM-Bilanz jedoch: Platz 22, Platz 21 und Platz 15. Nur durch Stürze fiel der Spanier auf der RC213V wirklich auf. Zwischenzeitlich hatte er davon sogar mehr als Punkte auf dem Konto. Ein Fahrer ohne Weltmeistertitel in der Vita wäre vermutlich gar nicht mehr in der Königsklasse bei einer solch desaströsen Bilanz. Mir selbst hatte angesichts der Misere offen mit einem frühen Karriereende kokettiert.

Mit dem zweiten Halbjahr der Saison 2025 scheint dieser Gedanke aber verflogen. Der Spanier beging immer noch ein paar Fehler, aber im Zuge einer deutlich verbesserten Honda hat auch er wieder Blut geleckt. Die zwei Podestplätze in Japan und Malaysia waren Balsam auf die Rennfahrerseele. Dennoch gilt es jetzt einen weiteren Beweis anzutreten: Ist Joan Mir mit gehöriger Verspätung in der Lage, auch bei Honda ein konstanter Spitzenfahrer zu sein? Die Motorrad-Giganten sondieren bereits den Markt auf der Suche nach Top-Piloten. Mir will seinem Arbeitgeber doch noch beweisen, dass er genau ein solcher ist. Ansonsten wird seine Karriere wohl endgültig als 'One-Hit-Wonder' gelten.
Fabio Quartararo: Yamaha verlassen? Jede Zukunftsentscheidung birgt ein Risiko
Beim letzten unserer vier MotoGP-Weltmeister geht es nicht um die eigene Leistungsfähigkeit. Fabio Quartararo fährt seinen Teamkollegen bei Yamaha seit Jahren so dermaßen um die Ohren, dass im Paddock niemand an seiner Stellung als Ausnahmekönner zweifelt. Aber genau hier liegt das Problem: Der Champion von 2021 sollte um den Titel kämpfen und davon ist der Franzose seit mittlerweile drei Saisons weit entfernt. Auf dem Fahrermarkt dürften ihm trotz mangelndem Erfolg fast alle Türen offenstehen.

Und so steht 'El Diablo' vor der vielleicht wichtigsten Entscheidung seiner Karriere. Die Gemengelage macht diese aber nicht gerade einfacher. Die Loyalität zu Yamaha hat in den letzten Jahren außer einem prall gefüllten Geldbeutel nichts eingebracht. Nun wagen die Japaner den großen technischen Umbruch mit dem V4-Motor. Wann ist abzusehen, ob dieser zu Erfolg führen wird? Ist es dann vielleicht schon zu spät für einen Wechsel in eines der anderen Werksteams? Auch bei einem Abgang gibt es keine Garantie, wer unter dem neuen Reglement von 2027 die Nase vorn haben wird. Am Ende ist jede Variante mit dem Risiko verbunden, weiter unter Wert fahren zu müssen.
Nicht nur für diese vier Weltmeister wird das Jahr 2026 spannend. In unserer Saisonvorschau sprechen wir unter anderem über Jorge Lorenzos Mentorenrolle für Maverick Vinales und über Debütant Toprak Razgatlioglu:



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