Fabio Quartararos Karriere ist derzeit in der Yamaha-Sackgasse. Egal, wie sehr sich der Ausnahmekönner aus Frankreich auch streckt, ganz vorn kann er nur im Qualifying mitmischen. Die mageren Jahre auf der M1 waren aber auch lehrreich. Seine Leistungsfähigkeit als MotoGP-Fahrer nimmt er selbst nach der Saison 2025 auf dem Höhepunkt wahr. Doch wie lange muss er sich noch unter Wert verkaufen?
Fabio Quartararo weiß: "Mein Potential ist viel größer"
"Das Wichtigste ist mir momentan, dass ich mit meiner Leistung zufrieden bin. Alles andere ist sekundär", meint 'El Diablo'. Der Vergleich mit seinen drei Markenkollegen Jack Miller, Alex Rins und Miguel Oliveira ist für diese eigentlich etablierten Fahrer vernichtend. Zusammengerechnet haben sie 15 MotoGP-Rennen gewonnen, aber sie können Quartararo auch zu dritt nicht in der Punktewertung abfangen. 201 Punkte hat der Ausnahmefahrer aus Frankreich gesammelt, der Rest (inklusive Wildcard- und Ersatzfahrer Augusto Fernandez) im Hause Yamaha kommt zusammengerechnet auf 198 Zähler.

Fünfmal zauberte er die M1 auf Pole-Position und fuhr als einziger Fahrer in Sprint (Sachsenring und Barcelona) und Grand Prix (Jerez) auf das Podium. Doch es blieben vereinzelte Highlights. Der Alltag bestand aus der zweiten Hälfte der ersten Zehn. Das ist nicht das Revier eines Spitzenpiloten: "Das fühlt sich nicht großartig an. Natürlich bin ich ein Fahrer, der gewinnen möchte. Ich glaube, dass ich da um viel mitkämpfen könnte. Leider war die beste Position, um die ich kämpfen konnte, zuletzt eher Platz sechs. Natürlich ist mein Potential viel größer als das, aber du musst auch akzeptieren, dass unser Bike einfach nicht so konkurrenzfähig wie die anderen ist."
Yamahas MotoGP-Krise als Lehrmeister: "Bin viel besserer Fahrer"
Quartararo ist ein Meister auf eine Runde und mit frischen Reifen bestückt traten die Schwächen der nun abgelösten Yamaha mit Reihenmotor im Qualifying noch nicht so stark hervor. Dass der 26-Jährige sich stets weit vor der eigentlichen Position des wohl langsamsten Motorrads im Feld qualifizierte, sorgte dann aber auch für frustrierende Erfahrungen in Sprint und Grand Prix: "Ich attackiere nie, ich muss mich immer verteidigen. Das ist die Folge unseres geringen Grips und unserer mangelnden Motorleistung. Wir waren nie in der Lage, jemanden anzugreifen. In diesen Jahren habe ich gelernt, wie man sich verteidigt."

Die Defensive ist nicht die einzige Disziplin, in der er sich durch harte Jahre gestählt sieht. Auf die Frage, ob er nun besser als je zuvor fahre, gab der Franzose eine klare Antwort: "Ja! Ganz eindeutig besser, denn ich habe nun auch gelernt, mit schwierigen Momenten umzugehen. 2021 oder 2022, aber auch in den letzten beiden Jahren, wenn ich da Schwierigkeiten auf dem Motorrad hatte, dann beschäftigten sie mich und ich fuhr mit ihnen. Jetzt habe ich immer noch Probleme, aber ich stehe darüber und kann sie umfahren. Ich bin immer in der Lage, zu pushen. Das habe ich in all diesen Jahren gelernt. Ich fühle mich dabei nicht wohl auf dem Motorrad, aber ich kann trotzdem pushen. Ich bin mir sicher, dass ich ein viel besserer Fahrer als in der Vergangenheit bin."
Vertrauen auf den V4-Motor, oder Flucht? Quartararos wichtige Entscheidung für 2027
Da stellt sich aber auch die Frage, wie lange sich einer der ohne Zweifel besten Fahrer im Feld noch diese Mittelmäßigkeit antun möchte? Quartararo steckt in einer Zwickmühle. Yamaha hat mit dem V4-Motor einen Wandel eingeleitet, wird mit der Entwicklung dieses neuen technischen Pakets aber sicherlich Zeit brauchen. Auf dem MotoGP-Fahrermarkt laufen aber so gut wie alle Verträge mit Ende 2026 aus. Viele Piloten werden sich früh in Stellung bringen und ihre Zukunft fixieren wollen. Dabei ist 'El Diablo' sicherlich einer der begehrtesten Namen, aber eben nicht der einzige. Die Wahl muss also vielleicht getroffen werden, bevor klar wird, wo die Reise mit dem V4-Motor wirklich hingehen kann. Momentan ist stets nur von 'Potential' die Rede, wie zuletzt nach dem Valencia-Test:
Über den Winter wird es daher noch zu keiner Entscheidung kommen. Die angepeilten Fortschritte beim V4 stehen im Vordergrund: "Ich weiß nicht, ob ich da schon zum ersten Rennen etwas entschieden habe, oder nicht. Ich spreche viel mit Tom [Maubant, langjähriger Freund und sein Manager, Anm. d. Red.], denn es geht darum, dass meine Entscheidung wirklich aus dem Innersten kommt. Momentan liegt meine volle Aufmerksamkeit darauf, das Motorrad zu verbessern." Eine Türe zum Wechsel macht er sich trotz aller Loyalität zu seinem bisher einzigen Arbeitgeber in der MotoGP trotzdem auf: "Yamaha ist eine Familie und wir geben unser Bestes, aber natürlich darf ich nur an mich selbst denken, wenn es Zeit ist, eine Entscheidung für 2027 zu treffen."
Yamaha könnte also der Abgang des Aushängeschilds drohen. Dafür haben sie sich mit Toprak Razgatlioglu den Ausnahmepiloten der Superbike-WM gesichert. Die ersten Eindrücke des Türken bei MotoGP-Testfahren stimmten Manager Kenan Sofuoglu äußerst positiv:



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