"Ich bin noch kein Motorrad gefahren, nur den Scooter hier im Paddock", gab Jorge Martin am Donnerstag an. Vor seinem abermaligen MotoGP-Comeback in der an diesem Wochenende zu Ende gehenden Saison 2025 schwebten also dicke Fragezeichen über der Leistungsfähigkeit des enttrohten Weltmeisters. Würde er im Valencia-GP überhaupt durchhalten? "Falls ich Schmerzen spüre, werde ich sofort aufhören", lautete jedenfalls die klare Ansage. Sorgenfalten waren also berechtigt, nach den Trainings am Freitag kann aber Entwarnung gegeben werden.
"Ich habe mich gleich in den ersten Runden sehr wohl auf dem Motorrad gefühlt, das ist gut", berichtete Martin am Abend in seiner Medienrunde. Die frohe Kunde, auf die alle gehofft hatten. Ein Rückzug vom Rennwochenende ist also kein Thema mehr, sofern an Samstag und Sonntag nichts Unvorhergesehenes passiert. Mit 1,164 Sekunden Rückstand auf den Tagesschnellsten Pedro Acosta präsentierte sich Martin im Training sogar überraschend konkurrenzfähig. "Ich bin nicht weit weg", erkannte der Aprilia-Pilot auch selbst.
Jorge Martin verrät: Stürzen ist im Valencia-GP keinesfalls erlaubt
Kurioserweise machte Martin genau diese Erkenntnis am Freitag aber auch zu schaffen. "Auf der einen Seite ist das gut, weil ich mich gut fühle und die Reha offensichtlich perfekt verlief. Aber auf der anderen Seite will ich jetzt auch mehr", begründete er. Genau das ist in Valencia aber schlicht nicht drin, denn der 27-Jährige aus Madrid weiß: "Ich bin vielleicht bei 60 oder 70 Prozent meines vollen [körperlichen] Potenzials. Wenn ich nochmal stürze, könnte das schwerwiegende Auswirkungen auf meine Zukunft haben. Wenn ich mich nochmal verletzte, macht das mein Körper vielleicht nicht mehr mit, haben mich meine Ärzte gewarnt."
Absolutes Sturzverbot also für den 'Martinator', womit sich eine 'Timeattack' im Qualifying oder echtes Rennfahren in Sprint und Grand Prix einfach nicht vereinbaren lassen. "Ich kann natürlich nicht versichern, dass ich nicht stürzen werde, weil das schlicht unmöglich ist, aber ich werde keine Risiken eingehen. Ich bleibe im Sicherheitsmodus", verkündete Martin daher. "Wir fahren dieses Wochenende mit einer anderen Philosophie. Das als Test zu nehmen, ist nicht leicht. Wenn du mit anderen Fahrern auf der Strecke bist und die Zeitenliste hast, willst du mehr pushen. Aber ich muss einfach akzeptieren, dass mein Zustand schlecht ist und es wichtig ist, nicht zu stürzen. Der Test am Dienstag hat Priorität, dort muss ich bereit sein."

Jorge Martin mit spezieller MotoGP-Taktik, um bloß keinen Sturz zu riskieren
Um sich nicht doch zu einer schnellen Runde verlocken zu lassen, setzte Martin am Freitag daher auf eine besondere Taktik. Er verriet: "Wenn ich angefangen habe, mehr zu pushen als ich sollte, bin ich einfach wieder an die Box gefahren und habe mich dort ein paar Minuten ausgeruht, bevor ich wieder rausgefahren bin. So werde ich jetzt auch weitermachen. Ich werde keine Timeattacks fahren, einfach nur Runden abspulen." Selbst im Qualifying sind also keine schnellen Runden vom Aprilia-Piloten zu erwarten, das Risiko ist schlicht zu groß. "Wenn ich versuche, Q2 zu erreichen und dabei stürze, wäre das ein Desaster. Ich muss ruhig bleiben und mein Ziel im Hinterkopf behalten. Ich vergleiche mit keinem der anderen Jungs, ich schaue nur auf mich."
Nach dem Freitag kann Martin in dieser Hinsicht jedenfalls ein positives Fazit ziehen. "Ich gewöhne mich langsam an die Aprilia, ich brauche nur noch mehr Unterstützung vom Motorrad selbst", gab der 18-malige Grand-Prix-Sieger an. "Das ist der Hauptaspekt, auf den wir uns jetzt konzentrieren. Das müssen wir jetzt verstehen, wie wir das schaffen."
Ganz anders als Jorge Martin dürfte sich Landsmann Pedro Acosta für das Saisonfinale sehr wohl große Ziele gesetzt haben. Am Freitag war er Schnellster, kann also auf den ersten MotoGP-Sieg hoffen. Doch es gibt noch einige Hindernisse zu überwinden:



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