368 Punkte brachten Brad Binder, Enea Bastianini, Maverick Vinales und dessen Ersatzmann Pol Espargaro in der MotoGP-Saison 2025 zusammen auf die Waage - und damit nur unwesentlich mehr als Pedro Acosta. Der 21-jährige Spanier sammelte alleine 307 Zähler und verteilte damit speziell an Stallgefährte Binder eine schallende Ohrfeige. War der Südafrikaner in den letzten Jahren stets die unangefochtene Nummer eins bei KTM, hat spätestens in der zurückliegenden Saison ein Zeitenwandel eingesetzt.
Acosta ist die neue Speerspitze in Mattighofen, daran gibt es keine Zweifel mehr und das zeigt auch eine weitere Statistik eindrucksvoll. Während Binder die Nummer 37 zumindest in drei Grands Prix und einem Sprint bezwingen konnte, steht im Qualifying-Duell der beiden KTM-Werkspiloten 2025 ein sauberes 22 zu 0 zu Buche. Nicht einmal qualifizierte sich Acosta in der letzten Saison schlechter als Binder, hatte stets die Oberhand. Einzig in Aragon wurde es mit den Startplätzen fünf (Acosta) und sechs (Binder) eng, ansonsten klafften in der Startaufstellung immer mindestens fünf Positionen Abstand zwischen den beiden Orangenen.

MotoGP-Rekord: Pedro Acosta im Qualifying noch immer unbesiegt
Für Acosta die Fortsetzung einer beeindruckenden Serie, die er bereits 2024 gestartet hatte. Auch in seiner Rookie-Saison in der MotoGP war er im Qualifying-Duell mit dem Teamkollegen stets ungeschlagen geblieben. Damals hatte bei GasGas-Tech3 der heutige Yamaha-Testfahrer Augusto Fernandez in allen 20 Qualifyings des Jahres das Nachsehen gegen Acosta, kam nur in Österreich und Australien bis auf zwei Positionen Differenz an den Moto2-Champion von 2023 heran.
Nach 42 Qualifyings in der MotoGP ist Acosta im direkten Duell mit dem Teamkollegen also immer noch ohne Niederlage - und damit länger, als es jemals zuvor ein anderer Neuling in der MotoGP-Ära seit 2002 geschafft hat. Vormals war Yonny Hernandez Rekordhalter: Der Kolumbianer blieb 2012 in 15 Qualifying-Duellen mit Avintia-Teamkollege Ivan Silva (13x) und dessen Ersatzmann David Salom (2x) ungeschlagen und gewann 2013 dann auch bei Paul Bird die ersten drei Qualifying-Duelle mit Michael Laverty. Erst in Le Mans zog Hernandez im 19. Qualifying seiner MotoGP-Karriere dann erstmals den Kürzeren gegen seinen Stallgefährten. Eine starke Serie, die Acosta inzwischen aber längst mehr als verdoppelt hat.
Die längsten Rookie-Siegesserien im MotoGP-Qualifying gegen den Teamkollegen:
| Position | Fahrer | Ungeschlagene Qualifyings nach MotoGP-Debüt |
|---|---|---|
| 1. | Pedro Acosta | 42 |
| 2. | Yonny Hernandez | 18 |
| 3. | Casey Stoner | 14 |
| Stefan Bradl | 14 | |
| 4. | Augusto Fernandez | 8 |
| Michel Fabrizio | 8 | |
| 6. | Miguel Oliveira | 5 |
| Ai Ogura | 5 |
Platz drei hinter Acosta und Hernandez teilen sich MotoGP-Legende Casey Stoner und der Deutsche Stefan Bradl. Bei beiden gilt aber zu erwähnen, dass sie in ihrer Rookie-Saison jeweils in Ein-Mann-Teams fuhren und bei LCR Honda keinen Teamkollegen hatten. Als sie ihre ersten Qualifying-Duelle mit einem Stallgefährten austrugen, waren beide also schon gestandene MotoGP-Fahrer und - anders als Acosta oder Hernandez - keine Rookies mehr. Stoner verlor 2007 in Motegi erstmals gegen Loris Capirossi, Bradl 2015 auf Phillip Island gegen Alvaro Bautista. Zuvor waren beide jeweils 14 Qualifyings in Serie ungeschlagen geblieben. Danach nimmt die Erfolgsquote schnell ab: Augusto Fernandez und Michel Fabrizio schafften immerhin noch acht Qualifyings ohne Niederlage, Miguel Oliveira und Ai Ogura auf Rang sieben schon nur noch fünf.

Bockstark im Qualifying: Pedro Acosta meilenweit vor Marc Marquez und Co.
Wie verrückt Acostas aktuelle Serie mit 42 Qualifying-Siegen also ist, unterstreicht auch die Tatsache, dass 73 der insgesamt 89 offiziellen Rookies in der MotoGP-Ära [also 82 Prozent, Anm.] bereits im ersten oder zweiten Qualifying ihrer Karriere erstmals gegen den Teamkollegen verloren. Das gilt etwa auch für Francesco Bagnaia, Jorge Martin, Fabio Quartararo, Marco Bezzecchi, Maverick Vinales, Joan Mir, Dani Pedrosa, beide Marquez-Brüder oder die diesjährigen Rookies Fermin Aldeguer und Somkiat Chantra. Von den restlichen 16 Rookies müssen außerdem noch drei abgezogen werden, denn Roberto Rolfo, Yuki Takahashi und Mattia Pasini waren stets Einzelkämpfer und konnten folglich auch nie von einem Teamkollegen geschlagen werden. Somit schafften es genau genommen nur 13 MotoGP-Neulinge [15 Prozent, Anm.], länger als zwei Qualifyings vor dem Stallgefährten zu landen.
Einer von ihnen ist Jorge Lorenzo, der sich an dieser Stelle auch noch eine gesonderte Erwähung verdient hat. Der dreimalige MotoGP-Weltmeister schaffte es zwar auch 'nur', in den ersten drei Qualifyings seiner Königsklassen-Karriere vor dem Stallgefährten zu landen, aber er schaffte das eben auch im Yamaha-Werksteam gegen MotoGP-Superstar Valentino Rossi, der seinerzeit noch auf dem Höhepunkt seines Schaffens unterwegs war. Den 'Doktor' als Rookie gleich dreimal in Folge im Qualifying zu schlagen? Beindruckend! Speziell deshalb, weil Lorenzo in seinen ersten drei MotoGP-Qualifyings auch gleich noch alle drei Pole Positions abräumte.
Das schaffte Acosta nicht, er stand erst im 16. Anlauf in Motegi erstmals ganz vorne. Und bester KTM-Pilot war der junge Spanier übrigens auch erst im dritten Qualifying seiner Karriere, in Katar und Portimao starteten 2024 noch Binder und/oder Jack Miller vor ihm. Im Vergleich mit allen Markenkollegen ist die Weste der Nummer 37 also längst nicht mehr weiß, nur im direkten Duell mit dem Teamkollegen. Doch das soll die Leistung des Spaniers gewiss nicht schmälern. Wer sich nun noch frägt, wie Rossi abschnitt: Der Italiener fuhr 2000 und 2001 in der 500er-Klasse zunächst 31 Rennen ohne Teamkollegen, ehe ihn 2002 in Barcelona Tohru Ukawa im sechsten Anlauf erstmals bezwingen konnte.
Was meint ihr: Wie lange bleibt Pedro Acosta im Qualifying-Duell mit seinem Stallgefährten noch ungeschlagen? Kann er Brad Binder 2026 sogar ein zweites Mal in Serie über die gesamte Saison hinweg in Schach halten? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!
Nicht nur im Qualifying, sondern generell sehr stark präsentierte sich 2025 auch Pol Espargaro bei seinem Ersatzauftritten in der MotoGP. Wieso er dennoch nicht mehr Stammfahrer sein will? Das erfahrt ihr hier:



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