Alles oder Nichts. Nach diesem Motto war zuletzt nicht nur Francesco Bagnaia unterwegs, sondern auch ein MotoGP-Rivale, der am Sonntag von Bagnaias spätem Ausfall profitierte. Wer damit gemeint ist? Joan Mir natürlich! Im Malaysia-Grand-Prix holte dieser bereits seine zweite Podestplatzierung der laufenden Saison. Die späte Wiedergutmachung für einen Patzer am Samstag, der Honda im Sprint ein weiteres potenzielles Topresultat gekostet hatte. Und so verkam das Sepang-Wochenende zu einem Spiegelbild der letzten Monate.
"Natürlich hatten wir Glück mit Peccos Problem, aber solche Dinge passieren", kommentierte Mir nach dem Rennen am Sonntag. Man müsse ja schließlich auch erstmal in die Position kommen, um von solchen Ausfällen profitieren zu können - und das gelang dem Honda-Werkspiloten im Malaysia-GP mit Bravour. Von Platz sieben gestartet, kämpfte er sich aus eigener Kraft an Fermin Aldeguer, Franco Morbidelli und Fabio Quartararo vorbei, hatte das Führungstrio um Alex Marquez, Pedro Acosta und Bagnaia lange in Sicht. Bereits im 'Cooldown-Room' scherzte Mir im Gespräch mit Marquez und Acosta daher: "Ein Podium? Nein, das ist ein Sieg für uns!"

Krasse MotoGP-Diskrepanz: Joan Mir jetzt richtig schnell, aber weiter sturzanfällig
Nach dem Premierenpodium in Motegi hatte Mir in den letzten Wochen schließlich auch viel Dreck gefressen. Lediglich fünf WM-Punkte holte er zwischen Japan-Grand-Prix und Sepang-Sprint, stagnierte in der Weltmeisterschaft auf Rang 15. Das starke Sepang-Wochenende war daher eine gerngesehene Trendwende, kam aber auch nicht aus dem Nichts. "Ich hatte schon erwartet, dass wir hier ein ähnliches Potenzial wie in Mandalika haben werden. Ohne den Crash wäre ich dort auch um das Podium gefahren", meinte Mir und gab an: "Wir haben jetzt ein Setup gefunden, mit dem ich besser fahren kann. Ich kann über die Front mehr attackieren und besser in Kurven einlenken. Wir können sehr zufrieden mit der Arbeit der letzten drei Jahre sein und den Moment genießen."
Als der MotoGP-Weltmeister von 2020 zu Saisonbeginn 2023 erstmals auf der Honda RC213V Platz genommen hatte, waren Podien noch völlig undenkbar. Nun scheinen sie aber zur Regel zu werden - wenn Mir denn sitzen bleibt. Die Ergebnisse der letzten fünf Grands Prix sprechen Bände: Ausfall in Misano, P3 in Motegi, Ausfälle in Mandalika und Phillip Island, P3 in Sepang. "Momentan beenden wir die Rennen auf dem Podium oder auf dem Boden", erkannte auch Mir selbst und ärgerte sich: "Das kann eigentlich nicht sein."
Nur Luca Marini stürzt nicht - Honda muss noch konstanter werden
Verwunderlich ist dieses Wechselspiel zwischen Podium und Sturz vor allem deshalb, weil Stallgefährte Luca Marini im Sepang-Sprint überhaupt zum ersten Mal in der laufenden MotoGP-Saison zu Boden ging - und auch das nur aufgrund einer Kollision mit Pol Espargaro. Das Gefühl für Front und Heck habe sich massiv verbessert, Stürze seien viel leichter abzufangen, erklärte der Halbbruder von Valentino Rossi zuletzt. Doch das scheint irgendwie nur für ihn zu gelten. Neben Mir (20 Stürze) landeten nämlich auch die LCR-Piloten Johann Zarco (29) und Somkiat Chantra (8) in diesem Jahr schon häufig genug auf dem Hosenboden.
"Das müssen wir verbessern", hält die Startnummer 36 daher fest. Der Fahrplan ist klar: "Wir müssen unser Motorrad noch stabiler machen und den Grip verbessern, damit es leichter zu fahren wird. Wenn du jede Runde zu 115 Prozent pushen musst, machst du halt leicht einen Fehler. Das müssen wir verbessern, auch wenn das nicht leicht wird. Wann immer du ein neues Level erreichst, wird es noch schwerer, dich weiter zu verbessern. Unser aktuelles Paket zu verbessern, wird also ziemlich schwierig. Aber ich glaube schon, dass wir noch Spielraum haben und ich vertraue unseren Ingenieuren und ihrem Einsatz da vollends. Bevor wir wieder an Siege denken können, müssen wir jetzt aber erstmal noch viel konstanter diese Podiumsplätze einfahren."
Während der Trend bei Honda jedenfalls klar in die richtige Richtung zu gehen scheint, kann man das von Yamaha aktuell nicht behaupten. Der zweite MotoGP-Gigant aus Japan musste in Sepang ein enttäuschendes V4-Zwischenfazit ziehen. Mehr dazu hier:



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