Charles Leclerc war einer der Hauptakteure beim Saisonstart der Formel 1 am vergangenen Wochenende in Australien, indem er in der Startphase in einem direkten Zweikampf George Russell die Stirn bot. Auf die Renndauer hatte der Ferrari-Pilot schließlich keine Chance mehr, was unter anderem an der Strategie seines Teams lag, aber bis zu jenem Zeitpunkt hatte er in jenem Duell viel Spaß.
"Ich war tatsächlich positiv überrascht von den ersten Runden mit George, denn mir gefiel dieser Zweikampf", vermeldete Leclerc vor dem zweiten Formel-1-Rennen in China. "Mir gefiel es mehr, als ich gedacht hätte." Das ist durchaus erstaunlich, denn in den vergangenen Jahren und auch im Vorlauf zu dieser Saison zählte der Monegasse zu den Kritikern der neuen Regeln.
Charles Leclerc: Zweikämpfe sind strategischer als in der Vergangenheit
Durch den turbulenten Start in den Grand Prix scheint er aber eines Besseren belehrt worden zu sein. Auch wenn in dem Zweikampf unter merklich anderen Paradigmen gefahren wurde als noch in den letzten Jahren: "Es ist ein bisschen strategischer, als wir es aus der Vergangenheit gewohnt sind, als es mehr darum ging, wer später auf die Bremse trat."
Das liegt nicht daran, dass diese Form des Überholens ausgestorben wäre, sondern dass der Fahrer bewusster die Folgen seiner Manöver einkalkulieren muss. "In der Vergangenheit konnte man viel mehr Risiko nehmen, um ein Überholmanöver hinzubekommen. Jetzt ist immer der Gedanke, wenn ich nun überhole, dann bezahle ich den Preis in ein oder zwei Geraden", so Leclerc.
Ähnliches Feedback hatte es auch schon nach Melbourne von verschiedenen Fahrern gegeben, allerdings nicht immer mit derselben Tonalität. Einige bezeichneten diese Art des Racings als 'künstlich'. Leclerc betrachtet das differenzierter. "Ich erinnere mich an einen Kampf mit Max 2022 in Jeddah als wir beide komisch auf die Bremse gestiegen sind, um am DRS-Messpunkt dahinter zu sein. Das ist also eine Art von Spielchen, die man auch in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen gespielt hat", so Leclerc.
Formel-1-Auftakt: Charles Leclerc erkannte nur wenige künstliche Manöver
Wirklich künstliche Manöver, bei denen einzig dank des massiven Power-Überschusses ein Fahrer schon früh auf der Geraden vorbeiflog, erkannte er in seinem persönlichen Rennverlauf kaum: "Ich denke nicht, dass da irgendwelches künstliches Überholen war. Abgesehen vielleicht von George in Kurve 3 an einem Punkt, als er viel mehr [Energie] eingesetzt hat. Aber der Rest war eigentlich alles spaßiges Racing. "
Das gilt für sein Rennen. In Bezug auf den Rest des Feldes gibt Leclerc aber zu: "Ich habe gesehen, weiter hinten war es manchmal nicht so spaßig und es war ein bisschen künstlich. Also ich denke, dass wir vielleicht schon etwas mehr künstliches Überholen haben werden, aber ich denke wir werden alle trotzdem dieselbe Menge an guten Überholmanövern haben, die wir schon zuvor gewohnt sind zu sehen. Es wird nur allgemein ein bisschen mehr Überholmanöver geben."
In Australien gab es auf jeden Fall schon mehr Platzwechsel als noch in der Vergangenheit. Beim Formel-1-Rennen in Melbourne wurden 39 Überholmanöver statistisch erfasst. So viele wie in der gesamten Hybrid-Ära seit 2014 nicht. Die Formel 1 kam in ihrer eigenen Zählung sogar auf 120 Überholmanöver.
Die meisten davon kamen auf dem Albert Park Circuit auf den ersten Runden zustande, die bedingt durch den Neuheitseffekt der Formel-1-Autos, leere Batterien und eine früh erloschene Startampel ziemlich chaotisch verliefen. Leclerc geht davon aus, dass sich dieses Chaos in den nächsten Grands Prix dank der Erfahrungswerte aus dem Auftaktrennen etwas legen wird. "Ich denke wir haben einen guten Job erledigt, aber ich denke die anderen Teams werden es auch ein bisschen optimieren, wie sie die ersten Runden anlegen", so seine Einschätzung.
Wir diskutieren in einem Talk-Video unseren ersten Eindrücke vom Racing der neuen Formel-1-Generation. Hier unsere Meinungen:



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