Max Verstappen geht die neue Formel 1 gegen den Strich. Wie eine Reihe von Fahrern findet er keinen Gefallen an der aktuellen Fahrzeug-Generation mit mehr Elektro-Power und einem höheren Maß an Energiemanagement. Die Drohung über einen Rücktritt aus der Königsklasse hallt noch immer aus den F1-Testfahrten nach. Vor allem auch, weil die Alternative ohnehin schon bereitstehen würde.

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Mit seinem am Montag bekanntgegebenen Start bei den Nürburgring 24h wagt Verstappen den für einen F1-Fahrer seltenen Schritt, auch abseits der Königsklasse an den Start zu gehen und das bei einem der berüchtigtsten Rennen der Welt. Es ist nach den NLS-Starts im Vorjahr der zweite Schritt abseits der Königsklasse, soll aber beileibe nicht der letzte sein. "Ich will die großen Langstrecken-Rennen fahren. Das wollte ich schon seit ich ein Kind bin und mein Vater sie fuhr", bekräftigte Verstappen im Vorfeld des China-GPs. Und der 28-Jährige fügte hinzu: "Ich will das nicht machen, wenn ich 40 bin. Jetzt befinde ich mich im perfekten Alter dafür."

Max Verstappen: "Ich will die Formel 1 nicht verlassen, aber…"

Das ließe sich natürlich einfacher einrichten, wenn er der für ihn unspaßigen Formel 1 den Rücken kehren würde. Allerdings muss er sich ja nicht zwangsläufig zwischen den beiden Kategorien entscheiden. Obwohl er meinte: "Ich wünschte, dass ich hier im Moment ein bisschen mehr Spaß hätte", entschärfte der Niederländer in Shanghai anschließend die daran geknüpfte Rücktrittsdrohung.

"Es ist ein bisschen widersprüchlich. Ich mag es nicht wirklich dieses Auto zu fahren, aber ich mag es, mit all den Leuten in meinem Team und in der Motorabteilung zusammenzuarbeiten", sagte er.

Wie gut die Zusammenarbeit mit den Red-Bull-Teammitgliedern funktioniert, erklärt Verstappen seit letzten Sommer immer wieder. Nicht zufällig wohl, nachdem damals Langzeit-Teamchef Christian Horner vor die Tür gesetzt wurde, dessen Verhältnis zu den Verstappens als angespannt galt.

Für das Racing auf der Strecke geht der vierfache Champion davon aus, dass Besserung in Sicht ist: "Ich will [die Formel 1] nicht verlassen, aber ich hoffe auch, dass es besser wird. Wir hatten Diskussionen mit der FOM und der FIA und ich denke, wir arbeiten auf etwas zu, das hoffentlich alles verbessern wird."

F1-Chef Stefano Domenicali bestätigte die Gespräche mit Max Verstappen. Er geht anhand dieser davon aus, dass der Red-Bull-Star der Formel 1 erhalten bleiben wird. Mehr dazu hier:

Gespräche über etwaige Anpassungen am aktuellen Reglement sind bereits für die nächsten Tage anberaumt. Kurzfristig könnte es bereits nach dem Rennen in China zu Änderungen kommen, weitreichendere technische Umstellungen sollen für die spätere Zukunft diskutiert werden. Der Zankapfel ist dabei vor allem das extreme Energiesparen, welches zahlreiche schnelle Kurven zu reinen Rekuperationsabschnitten macht. Verstappen hofft auf 2027: "Ich hoffe, dass wir schon nächstes Jahr eine ordentliche Verbesserung haben können. Es gibt ein paar Optionen, die wir diskutieren."

Nürburgring 24h und Co: Positive Ablenkung von der Formel 1

Bis dahin kann sich Verstappen ja noch abseits der Formel 1 bei Laune halten, was natürlich auch im Sinne von Red Bull Racing ist, die dadurch die Gefahr abschwächen, ihren Spitzenfahrer zu verlieren und deshalb keine Einwände gegen dessen andere Rennsport-Abenteuer einlegen. "Ich bin sehr glücklich mit dem Team, dass sie mich all diese Dinge tun lassen", so Verstappen.

"Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren [die 24-Stunden von] Spa fahren kann, hoffentlich Le Mans. Ich kombiniere das, um andere Sachen zu finden, die mir auch Spaß machen", sagte Verstappen. "Außerdem habe ich mein eigenes Team, also habe ich gleichzeitig viele Ablenkungen. Positive Ablenkungen, wie ich sie nennen würde."

Von diesen Ablenkungen könnte er in den nächsten Monaten sogar noch mehr bekommen. Fix ist, dass Verstappen in der kommenden Woche am 21. März schon ein NLS-Rennen als Vorbereitung auf das Nürburgring 24h in Angriff nehmen wird. Das ist eine Voraussetzung, die er sich selbst für sein 24-Stunden-Abenteuer in der Eifel auferlegt hatte. Allerdings könnte sich kurzfristig nun sogar die Möglichkeit bieten, noch weitere NLS-Läufe zu bestreiten. Denn die beiden Formel-1-Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien im April wackeln aufgrund des Nahost-Krieges gewaltig.

Stand jetzt lautet die wahrscheinlichste Variante, dass sie ersatzlos gestrichen werden. Das würde Verstappen plötzlich die Termine für NLS3 am 11. April und den 24h-Qualifiern am 18. bis 19. April freischaufeln. "Falls etwas mit dem Kalender passiert, dann werde ich schauen, was möglich ist", hielt sich der 71-fache Grand-Prix-Sieger dahingehend alle Optionen offen.

Verstappen zynisch: Trainiere mit Mario Kart anstatt im Simulator

Die Hoffnung ist also für den größten Gegner der aktuellen F1-Regeln da, dass deren negative Auswüchse gebremst werden. Ob es so kommt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Bis dahin flüchtet sich der erfolgreichste Fahrer der letzten Jahre in Zynismus, wenn er auf die neue Fahrzeug-Generation angesprochen wird.

Etwa bei einer Frage in der Pressekonferenz vor Shanghai auf die Bedeutung der Simulator-Arbeit mit der 2026er-Generation: "Ich habe eine billigere Lösung gefunden. Ich habe den Simulator mit meiner Nintendo Switch ausgetauscht und trainiere ein bisschen Mario Kart. Mit den Pilzen funktioniert es schon ganz gut. Mit der blauen Muschel ist es ein bisschen schwieriger, aber ich arbeite daran. Rakete habe ich noch keine, aber sie wird kommen."