Cadillac war in Melbourne am vergangenen Formel-1-Wochenende trotz der chaotischen Zustände bei Aston Martin das sportliche Schlusslicht. Vor dem zweiten Formel-1-Rennen der Saison 2026 in China hat das neue F1-Team rund um Sergio Perez und Valtteri Bottas die erste Standortbestimmung verdaut. Neben der Ursachenforschung hinsichtlich der in Melbourne aufgetretenen technischen Gebrechen war vor allem eine Erkenntnis verblüffend. Das von vielen Formel-1-Fahrern kritisierte Anti-Rennfahren spürt Bottas so gut wie gar nicht. Perez hingegen lässt kein gutes Haar an den Autos.
"Ich habe mir nach dem Rennen zuhause die Highlights angeschaut und dachte mir, dass das ziemlich gut war", so Bottas, der in Australien im Gegensatz zu Teamkollege Sergio Perez nicht die Zielflagge sah. "Du konntest sehen, wenn jemand den Boost benutzt und wer ihn nicht benutzt. Von außen betrachtet fand ich persönlich es besser als erwartet, und besser als es sich für mich selbst im Rennen anfühlte."
Das Rennen war für Valtteri Bottas mit nur 15 Runden nicht mehr als eine Orientierung beim Debüt des Formel-1-Teams von Cadillac. Doch gerade diese ersten Runden waren es, die für viel Spektakel und im Nachhinein auch Kritik sorgten. Die großen Unterschiede beim Energie-Management sorgten für viele Manöver, gefährliche Situationen und im Nachhinein für reichlich Unmut unter den Fahrern.
Formel-1-Auto von Cadillac für Energie-Management zu langsam
Nur Bottas spürte in dieser Phase des Rennens nichts dergleichen. "Ich bin zwar kein großer Fan des Power-Unit-Managements, aber eigentlich brauchen wir das mit unserem Auto, das weniger Grip hat, nicht so sehr wie die anderen Teams machen", erklärt der Finne. "Im Qualifying mussten wir gar kein Lift and Coast machen und im Rennen machten wir es auch nur für die Reifentemperaturen."
Vor allem Max Verstappen verteufelt diese neue Form des Formel-1-Fahrens, bei der das Energiemanagement der Power Unit selbst die Kurvengeschwindigkeiten diktiert. "Ich wünschte, dass ich hier im Moment ein bisschen mehr Spaß hätte", erneuerte der Red-Bull-Fahrer vor dem Wochenende in Shaghai seine Kritik. Bottas kann es nur erahnen. "Für uns ist es okay, aber sobald wir mehr Anpressdruck generieren und mehr Zeit bei Vollgas verbringen, könnte sich das ändern", sagt er mit Blick auf die Cadillac-Performance. "Daher bin ich im Moment noch zufrieden, aber das wird sich wahrscheinlich ändern."
Sergio Perez beendete den Saisonauftakt als Letzter, mit drei Runden Rückstand auf Sieger George Russell. Er kann der Formel 1 2026 auch als Zuschauer nichts abgewinnen. "Was wir in Melbourne gesehen haben, hat mir als Fan nicht gefallen", so der Mexikaner, der auch als Fahrer im Rennen schon mehr Spaß hatte. "Ich fand es sehr künstlich. Du drückst die ganze Zeit nur Knöpfe, überholst und wirst überholt. Das ist wie Mario Kart."
Cadillac nimmt Formel-1-Punkte zur Saisonhalbzeit ins Visier
Nachdem Cadillac sich in den Trainings anfangs noch vor Aston Martin behauptete, hinkten Bottas und Perez dem Sorgenkind der Formel 1 im weiteren Verlauf des Wochenendes hinterher. Bis zur Saisonhalbzeit soll sich das ändern. "Ich hoffe, dass wir bis zur Sommerpause schon ein paar Punkte geholt haben", gibt Perez ein optimistisches Ziel aus. Nachdem Cadillac den MAC-26 zu einem sehr frühen Zeitpunkt fertiggestellt hatte, erwarten beide Fahrer große Entwicklungsschritte.
"Einige Teile wurden designt, nur damit es sie überhaupt gibt", flachst Bottas. "Ich denke, wir werden in den ersten vier, fünf Rennen jedes Mal neue Aero an die Strecke bringen, um in jedem Rennen mehr Downforce zu generieren. Das Team hat jetzt schon sehr viel mehr Wissen, auch was die anderen Autos angeht. Ich sehe jedenfalls kein großes fundamentales Problem."
Mit dem Ferrari-Motor fühlt sich Bottas optimal aufgestellt. "Wir sehen, wie ihr Deployment aussieht und das könnten wir genauso machen. Das ist also nicht unsere Limitation. Es ist definitiv unser Auto", sagt er. "Uns fehlt noch viel Anpressdruck, vor allem an der Hinterachse. Das schränkt uns beim Setup auf der mechanischen Seite sehr ein, da wir alles tun müssen, um die Hinterreifen zu schonen."
Team geht Problemen vom Rennen in Australien weiter auf den Grund
In Melbourne hatten außerdem beide Fahrer mit der Technik zu kämpfen, auch wenn nur einer vorzeitig aufgeben musste. "Wir hatten während des Rennens viele Vibrationen", erklärt Perez. "Das war seit der ersten Runde so und ich zittere davon jetzt noch. Im ersten und im zweiten Stint war es mehr, im finalen Stint wurde es etwas besser. Im Moment analysieren wir noch, was da los war."
Bei Bottas ist die Ursachenforschung für seinen Ausfall bereits abgeschlossen. "Es waren zwei unterschiedliche Probleme. Das eine war ein Kupplungssensor am Lenkrad. Der zweite trat zufällig gleich danach auf, hatte aber etwas mit dem Benzinsystem zu tun", so der zehnfache Grand-Prix-Sieger. "Wir kennen die Probleme und haben schon eine Lösung dafür."


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