Maro Engel, Kevin Estre, Max Verstappen… Bei der Frage nach den Favoriten auf die Pole Position beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring wurden im Vorfeld des Rennwochenendes viele große Namen genannt, doch den tatsächlichen Polesetter hatten wohl die wenigsten auf der Rechnung. Luca Engstler fuhr am Samstag im Lamborghini Huracan GT3 EVO 2 für Red Bull Team Abt auf Startplatz 1 und sicherte sich damit die James-Glickenhaus-Trophäe.

Dass die erste Startposition in einem 24-Stunden-Rennen auch im Jahr 2026 mit seiner extrem kompetitiven GT3-Klasse keine übertrieben große Bedeutung hat, ist jedem klar. Aber dennoch ist mit der Pole sehr viel Prestige verbunden. Mit sehr viel Prestige und mit sehr vielen Emotionen, wie der gebürtige Bayer nach dem Qualifying gegenüber Motorsport-Magazin.com erklärte. "Ich kann es noch nicht ganz glauben", sagte Engstler.

"Es waren zwei Runden voller Emotionen und die Energie, die du hier hast, ist einfach der Hammer", freute er sich. Dass der inzwischen schon in die Jahre gekommene - damit aber auch bestens aussortierte - Huracan pole-fähig ist, zeigte sich schon in den vorherigen Runs des Top-Qualifyings. Allerdings sah es nach dem ersten Run in der Qualifying-Entscheidung noch so aus, als ob Abt-Teamkollege Marco Mapelli oder Konrad-Lambo-Fahrer Maximilian Paul bessere Karten hatten. Für Engstler reichte es zu diesem Zeitpunkt nur zu P5.

"Habe meinen Mut gefunden" - So erklärt Engstler seine Nürburgring-Pole

Doch dann drehte der gebürtige Bayer auf. "Ich habe etwas gefunden: Meinen Mut", sagte er lachend, und führte dann ernster aus: "Auf der ersten Runde, auf einer trockenen Strecke, wenn man weiß, dass man zwei Runden hat, dann geht man nicht 'All in'. Ich habe schon den Ticken versucht, auf die zweite [Runde] zu setzen."

Keine risikofreie Herangehensweise, denn im Falle eines Unfalls eines Konkurrenten kann diese sehr schnell schiefgehen. Doch es kam dazu, dass die Streckenverhältnisse zu Beginn von TQ3 ihm ein "komisches" Gefühl vermittelten. Die Strecke habe sich auf der Outlap noch "sandig" angefühlt, so Engstler. "Es war nicht enorm viel Grip. Und dann waren natürlich die üblichen Stellen - wie etwa Bergwerk -, die immer noch leicht feucht waren, wo der Schatten ist."

Deshalb war die Entscheidung, alles auf Runde 2 zu setzen und zu "hoffen, dass keiner einplankt", bald getroffen. Und es war offensichtlich auch die richtige. Denn nicht nur verunfallte keiner der vier Piloten, die sich bei dem Einzel-Zeitfahren vor ihm auf den Weg gemacht hatten, sondern die 25-Kilometer-Runde ging auch fahrerisch perfekt auf. "Es war wirklich eine super Runde von A bis Z. Ich glaube, eine der besten, die ich je gefahren bin", freute sich der Sohn des ehemaligen Tourenwagen-Experten Franz Engstler über die Pole Position.

Luca Engstler: Aus der Formel 4 über Tourenwagen bis zur Nürburgring-Pole

Luca Engstler ist seit Jahren ein Dauerbrenner im Sportwagen-Geschäft, dabei hatte er den Durchbruch in seiner Karriere eigentlich noch in den Fußstapfen seines Vaters im Tourenwagen-Sport geschafft. Nach ersten mäßig erfolgreichen Gehversuchen in der damals hochkompetitiven ADAC Formel 4 war er zwischen 2017 und 2021 in zahlreichen TCR-Meisterschaften an den Start gegangen. Dort ging sein Stern auf. Mit Siegen und einigen Meistertiteln in diversen Championaten.

Im Zuge der nachlassenden Bedeutung dieser Tourenwagen-Einheitsklasse, vor allem auf globaler Ebene, kam 2022 der Wechsel in den GT-Sport. Dort sind seine größten Erfolge bislang zwei Rennsiege in der DTM, der Titel im Gold-Cup der GTWCE-Sprintmeisterschaft 2024 und vor allem der Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Spa mit Grasser Racing im Vorjahr.

Beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gab es für Engstler bislang noch wenig zu holen - erst recht nicht in der GT3-Klasse. Wenn es nach seinem Geschmack geht, soll sich das am Samstag und Sonntag ändern. "Ich muss wirklich sagen, es ist das beste Auto, das ich hier oben je gefahren bin", zeigt er sich optimistisch. Der Plan: Die Nacht und vor allem das prognostizierte schlechte Wetter am Samstag überstehen, und dann am Sonntag "mit einem geraden Lenkrad angasen".

Ob dieser Plan aufgeht, könnt ihr im Livestream mitverfolgen. Hier findet ihr den gesamten Zeitplan für das restliche Wochenende bei den 24h Nürburgring: