Der MotoGP-Freitag in Barcelona bringt eine weitere Entscheidung auf dem Transfermarkt! Soll zuletzt Fabio Di Giannantonio seinen Wechsel zu KTM unter Dach und Fach gebracht haben, ist es nun Joan Mir, der die Schlagzeilen schreibt. Der Spanier wird Honda mit Saisonende 2026 verlassen und anderenorts versuchen, seine MotoGP-Karriere nach vier äußerst durchwachsenen Jahren in HRC-Farben wiederzubeleben.

MotoGP-Abschied fix: Joan Mir verlässt Honda zur Saison 2027

"Da wir von HRC zuletzt nichts mehr bezüglich einer gemeinsamen Zukunft gehört haben, hat sich Joan in Jerez dazu entschieden, Honda am Ende des Jahres zu verlassen und mich damit beauftragt, ein gutes Projekt für ihn zu finden", verkündete Mirs Manager Paco Sanchez am Freitag gegenüber 'Crash.net'. "Wir machen Fortschritte, haben aber noch nichts finalisiert. Ich hoffe, dass uns das bald gelingt, aber noch kann ich nichts bestätigen. Fest steht nur, dass Joan 2027 kein Honda-Fahrer mehr sein wird."

Marc Marquez aus WM-Kampf? MotoGP-Rivalen warnen vor Aufholjagd (07:55 Min.)

Überraschend kommt diese Meldung nur bedingt, hatte sich in den letzten Wochen vielmehr schon abgezeichnet. Zwar hatte Mir stets betont, am liebsten auch 2027 bei Honda bleiben zu wollen, doch die Japaner haben halt schon vier Fahrer für die kommende Saison unter Vertrag. Zu den LCR-Piloten Johann Zarco und Diogo Moreira gesellen sich Fabio Quartararo und David Alonso neu hinzu. Damit wäre ein Verbleib Mirs nur noch möglich gewesen, wenn Honda Tech3 als zweites Kundenteam hätte gewinnen können. Hier deutet aktuell aber alles auf die Fortsetzung der Partnerschaft mit KTM hin, womit sich auch diese Tür für Mir geschlossen hätte und das erkaltete Interesse HRCs an Vertragsgesprächen zu erklären wäre.

Trackhouse Racing schien dann zunächst die beste Alternative für Mir zu sein, wollte sein ehemaliger Suzuki-Teamchef dort doch unbedingt einen siegfähigen Fahrer anstelle eines Rookies als Nachfolger für Ai Ogura verpflichten. Davide Brivio zieht es jetzt allerdings zu Honda, weshalb die Spur zum US-Rennstall wieder erkaltet sein könnte. Stattdessen soll es für Mir laut Informationen von 'The Race' nun zu Gresini Racing gehen.

2027 auf einer Ducati: Joan Mir vor MotoGP-Wechsel zu Gresini

Das Ducati-Kundenteam braucht aufgrund der Verluste von Alex Marquez an KTM und Fermin Aldeguer an VR46 zur neuen Saison gleich zwei neue Fahrer. Moto2-Shootingstar Daniel Holgado steht bereits seit einigen Wochen als Neuzugang fest, beim zweiten Platz in der Garage konnten bis zuletzt aber keine Fortschritte gemacht werden. Enea Bastianini galt ursprünglich als Wunschkandidat, konnte allerdings nicht fix zusagen, weil KTM seinen auslaufenden Vertrag einseitig verlängern kann. Gresini musste sich deshalb mit Alternativen beschäftigen. Ducati bot Superbike-Star Nicolo Bulega an, doch dieser konnte Nadia Padovani und Co. offenbar nicht überzeugen. Ganz anders Mir, der 2027 wie einst bei Suzuki wieder in Himmelblau fahren wird.

Joan Mir zieht es 2027 auf die Gresini-Ducati von Alex Marquez, Foto: Honda HRC Castrol
Joan Mir zieht es 2027 auf die Gresini-Ducati von Alex Marquez, Foto: Honda HRC Castrol

"Ihr werdet bald mehr über meine Zukunft herausfinden. Mehr kann ich nicht sagen", kommentierte Mir bereits am Donnerstag und rang sich anschließend noch zu folgendem Zusatz durch: "Wir machen gute Fortschritte mit Blick auf meine Zukunft und welche Entscheidung ich auch immer treffen werde, es wird freilich meine Entscheidung sein und etwas, was ich von ganzem Herzen machen will. Ich bin nicht mehr in der Position, in der ich etwas machen will, nur um weiterhin etwas zu machen."

Karriereknick bei Honda: Hofft Joan Mir auf Gresini-Renaissance a la Marc Marquez?

Würde er bei seinem neuen Arbeitgeber keine Chance auf Erfolg sehen, hätte sich Mir also höchstwahrscheinlich gegen einen Verbleib in der MotoGP entschieden. Und in diesem Wissen wirkt ein Wechsel zu Gresini Racing wie die logische Wahl. Denn Mirs Karriereverlauf kannte lange Zeit nur eine Richtung: nach oben. 2017 wurde er mit einer seinerzeit historischen Anzahl an Grand-Prix-Siegen Moto3-Weltmeister, 2019 ging es nach nur einer Moto2-Saison in die Königsklasse und dort gelang 2020 dann der große Wurf: Die Nummer 36 krönte sich zu Suzukis erstem MotoGP-Weltmeister seit Kenny Roberts jr. im Jahr 2000.

Joan Mir sah 2020 wie der nächste MotoGP-Superstar aus, Foto: MotoGP.com
Joan Mir sah 2020 wie der nächste MotoGP-Superstar aus, Foto: MotoGP.com

Auch 2021 legte Mir als WM-Dritter noch eine starke Saison hin, mit der Verkündung des Suzuki-Ausstiegs aus der MotoGP im Frühling 2022 ging es aber mehr und mehr bergab. Auch einer Knöchelverletzung geschuldet, holte der Spanier in den letzten 14 Grands Prix des Jahres nur noch 31 Punkte, während Teamkollege Alex Rins noch zweimal gewinnen konnte. 2023 ging es dann zu Honda weiter, wo die nächsten Horrorjahre warteten. Zahlreiche Stürze und WM-Rang 22 bzw. 21 ließen Mir sogar über ein Karriereende mit nur 26 Jahren nachdenken. Erst 2025 stellten sich sowohl bei Honda als auch bei Mir wieder Verbesserungen ein, die Resultate blieben häufig aber aus. Diverse Abflüge überschatteten einzelne Glanzleistungen wie die Podien in Motegi und Sepang.

Dass sich Honda für 2027 für andere Fahrer entschied, überrascht daher nicht. Dass in Mir noch ordentlich Talent schlummert, ist aber auch klar. Den nötigen Grundspeed zeigte er 2026 immer wieder. Es braucht jetzt schlicht ein Team, das ihn wieder dauerhaft zur alten Suzuki-Topform zurückführen kann - und dafür scheint Gresini wie gemacht. Enea Bastianini, Fabio Di Giannantonio und Aldeguer schafften dort ihren Durchbruch in der MotoGP, vor allem aber konnte kleine Rennstall aus Italien den Karrieren der Marquez-Brüder wieder neues Leben verliehen werden. Während Alex erst im dritten Jahr bei Gresini zum Topfahrer aufstieg, mischte Marc die MotoGP-Elite gleich vom ersten Rennen an wieder auf und verdiente sich damit den Platz im Ducati-Werksteam. Ein Schlüsselmoment in der jüngeren MotoGP-Geschichte, denn ohne Gresini hätte es für Marc Marquez wohl auch keinen neunten WM-Titel mehr gegeben.

Joan Mir wird nun auf eine ähnliche Renaissance hoffen. Was meint ihr: Kann der Weltmeister von 2020 in Gresini-Farben wieder zur alten Hochform zurückfinden? Es könnte dort schließlich auch zur Wiedervereinigung mit Ex-Crewchief Frankie Carchedi aus Suzuki-Tagen kommen. Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!