Nach den ersten drei Formel-1-Rennen 2026 stand das neue Reglement unter massiver Kritik von den Fans als auch von den Fahrern. Max Verstappen spekulierte sogar über einen Rücktritt. Die FIA und Formel 1 haben mit Veränderungen in der durch den Iran-Krieg entstandenen April-Pause reagiert. Im Zentrum stehen Anpassungen im Energie-Management-Bereich. Lösen die bereits alle Probleme? Christian Danner ist skeptisch, aber findet die Richtung gut. "Ich war positiv überrascht, dass überhaupt etwas passiert ist", so Danner.
Christian Danner: Ich war positiv überrascht
Tagelang berieten Formel 1, Teamchefs, Hersteller und FIA bezüglich der Anpassungen des Reglements, ehe es am 20.04. so weit war. "Wir dürfen nicht vergessen, das ist nicht üblich, denn man braucht viele, die da mitspielen", so Danner im AvD Motorsport-Magazin.
Unter besonders großer Kritik stand das Qualifying. Selbst auf einer schnellen Runde mussten die Autos teils verheerend lange rekuperieren. Auf dem offiziellen Formel-1-YouTube-Kanal schnitt die Formel 1 auf der Pole-Runde Kimi Antonellis in Japan während dieser Superclipping-Phase sogar weg.
Nun wurde das Limit beim Rekuperieren der Energie pro Runde speziell im Qualifying weiter herabgesetzt. Am Saisonbeginn waren es noch neun Megajoule, ab Miami nur noch sieben. Das soll den Vollgas-Anteil erhöhen, weil insgesamt weniger Energie pro Runde aufgeladen werden muss.
"Das Rekuperieren ist genau das, was so störend ist. Man macht das nicht nur mit der Bremsanlage, sondern eben auch mit dem Verbrennungsmotor über Lift & Coast und über Super Clipping. Je weniger Energie man also rekuperieren darf, desto kürzer ist die Zeit, wo ich rekuperieren muss oder kann. Und das ist schon ein Schritt in die richtige Richtung", findet Danner.
Doch wie groß der Unterschied nun in der Praxis ausfällt, weiß auch Danner nicht zu beurteilen. "Wie schwerwiegend das jetzt eigentlich ist, kann ich beim besten Willen nicht sagen." In der Theorie sollte das niedrigere Limit rund zwei bis vier Sekunden weniger Superclipping pro Runde, je nach Strecke.
Dazu kommt: Sowohl im Rennen als auch im Qualifying dürfen die Fahrer nun mit 350 KW superclippen. Das sollte den Ladeeffekt in der Praxis verstärken und so insgesamt die Ladezeit reduzieren.
F1-Experte Danner: Die Grundsituation ist ein Desaster!
Die erhöhte Supper-Clipping Leistung dürfte den Fahrern daher auch das Leben im Rennen etwas leichter machen. Aus Sicherheitsgründen wurde zudem die Boost-Power der Autos auf 150 KW beschränkt. Oder auf die Leistung des Autos zum Zeitpunkt der Aktivierung angepasst, wenn diese höher ist. So sollen Unfälle wie der von Oliver Bearman und Franco Colapinto beim Japan GP verhindert werden, da keine so eklatanten Leistungsunterschiede entstehen.

Die Leistung der MGU-K wiederum darf nur in gewissen Beschleunigungszonen mit 350 KW voll genutzt werden. Auf der restlichen Strecke wird sie auf 250 KW beschränkt. So wird der Energieverbrauch niedriger, während die Rekuperation mit 350 KW erhöht wurde. "Wir haben immer wieder dasselbe Problem. Der Elektromotor braucht mehr Energie, als er zur Verfügung hat. Deshalb hat man den Verbrauch an bestimmten Punkten der Strecke reduziert. Ich darf nur noch mit 250 Kilowatt Leistung aus der Elektromaschine fahren", so Danner.
"Das geht schon in die richtige Richtung," findet Danner, bleibt aber skeptisch. "Ob das genug war, wird Miami zeigen." Sein Problem mit den neuen Änderungen ist ein anderes. "Dass wir darüber jetzt so kompliziert reden müssen, zeigt natürlich, dass das Verständnis beim Fan und beim Publikum überhaupt nicht existiert. Für die meisten, die sich noch nie mit Mega-Joules befasst haben, ist das nicht richtig nachzuvollziehen", so Danner.
"Die Grundsituation ist ein Desaster. Aber man kann damit einen Umgang finden. Genau das hinzukriegen ist die Herausforderung, der wir uns stellen und der sich die FIA und alle Teams und so weiter auch stellen. Das ist finde ich die richtige Herangehensweise."
Danner: Neue Start-Änderungen sind begrüßenswert
Die letzten relevanten Änderungen betreffen das Start-Prozedere. Diese sollen in Miami erstmals getestet werden. Die FIA und Formel 1 versuchen mit einem neu entwickelten Sicherheitssystem, genannt "Low Power Start Detection", Startschwierigkeiten entgegenzusteuern. Durch die ausbleibende Hilfe der Elektro-Energie blieben Autos am Start teils fast stehen, was zu brenzligen Situationen führte.
Das neue System soll erkennen, wenn ein Auto nach dem Lösen der Kupplung deutlich zu langsam ist. Daraufhin wird automatisch die MGU-K aktiviert. Diese stellt in der Folge Elektro-Energie zur Verfügung, wodurch das Auto anfährt. Die letzte Änderung betrifft die Energie-Messung zu Beginn der Formationsrunde. Diese wird nun zurückgesetzt, nachdem man es in den ersten drei Rennen wiederholt Autos gab, die am Start mit leerer Batterie standen.
"Das ist natürlich sinnvoll. die sollten die Batterie schon mit Energie geladen haben, damit sie dann auch ab 50 Kilometer pro Stunde ordentlich beschleunigen können", so Danner. "Das andere habe ich noch nicht verstanden. Auf den ersten Blick habe ich gedacht, das ist so wie wenn ein Kind Radfahren lernen soll: Es fällt immer wieder vom Rad. Dann soll es halt mit Stützrädern Radfahren lernen, dann dauert es noch länger, bis er richtig Radfahren kann", sagt Danner.
"Im Sinne der Sicherheit ist es auf jeden Fall begrüßenswert, ein Startprozedere hinzukriegen, was jeder der Piloten, auch wenn es mal nicht perfekt funktioniert, hinkriegt. Das basiert sicher auch auf dem Feedback der Fahrer."
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