Lewis Hamilton ist ein großer Afrika-Fan. Nicht nur weil seine Vorfahren väterlicherseits aus jenem Kontinent stammen und er damit eine direkte Verbindung hat, sondern auch weil es seiner Meinung nach der schönste Teil der Welt ist. Kaum jemand in der Königsklasse und erst recht kein Fahrer macht sich deshalb so sehr für einen Grand Prix auf dem 'schwarzen Kontinent' stark wie der Rekord-Weltmeister persönlich.
"In den letzten sechs oder sieben Jahren habe ich im Hintergrund dafür gekämpft, einen Grand Prix [nach Afrika] zu bekommen. Vielleicht sogar schon länger", erklärte Hamilton im Rahmen des Saisonauftaktes der Formel 1 in Australien. Bewerber für ein Rennen in Afrika gibt es mehrere, und auch die Königsklasse würde nach über 30 Jahren gerne wieder dorthin, aber trotzdem scheitert der Vorstoß Jahr für Jahr.
Lewis Hamilton fordert Afrika-Rennen: Davor will ich nicht aufhören
"Ich setzte mich mit den Stakeholdern zusammen und stellte die Frage: 'Wir sind auf jedem anderen Kontinent, warum nicht in Afrika?' Ich weiß, dass sie es wirklich versuchen", wollte Hamilton die Schuld nicht den Verantwortungsträgern zuschieben. Allerdings kamen die Versuche der letzten Jahre nie zu einem goldenen Abschluss in Form eines Vertrages.
Die Antrittsgebühr für einen Formel-1-Promoter im mittleren zweistelligen Millionenbereich ist eine hohe Schranke für afrikanische Länder, die finanziell selten gut ausgestattet sind. Außerdem leiden zahlreiche Staaten auf dem Kontinent an wirtschaftlicher und politischer Instabilität, wodurch ohnehin nur wenige überhaupt für ein Rennen realistisch in Frage kommen.
Der ehemalige Mercedes-Erfolgsgarant befindet sich dabei in einem Rennen gegen die Uhr. Der 41-Jährige hat den Traum, unbedingt eines Tages auf dem Kontinent seiner Vorfahren noch ein F1-Rennen bestreiten zu können, nur ewig wird seine Karriere keineswegs weitergehen. "Ich will den Sport nicht verlassen, ohne einen Grand Prix dort fahren zu können", betont er und macht Druck auf die Verantwortlichen: "Ich frage immer wieder, wann es so weit sein könnte. Und wenn ich dann einen konkreten Zeitrahmen genannt bekomme, realisiere ich: 'Verdammt, mir könnte die Zeit ausgehen.'"
Der einzige Antrieb, seine Formel-1-Karriere weiter zu verlängern, wird ein Grand Prix in Afrika wohl kaum sein, aber offenbar ist es jedenfalls einer. "Ich werde deshalb noch eine Weile hier [in der Formel 1] sein", meint der Ferrari-Pilot nämlich in diesem Zusammenhang.
Formel 1 in Afrika: Drei Länder zeigen Interesse
Derzeit ist es noch nicht abzusehen, ob ein Rennen in Afrika in den nächsten Jahren zustande kommen wird, und wenn ja, wann. Konkrete Vorschläge für den Austragungsort gibt es aber gleich mehrere. Rund um die FIA-Hauptversammlung 2025 machten Südafrika und Ruanda Ambitionen für ein F1-Rennen offiziell.
Im Falle von Ruanda wird schon eine Strecke entworfen, die in der Nähe des im Bau befindlichen neuen Flughafens der Hauptstadt Kigali entstehen soll. Ex-Formel-1-Fahrer und Streckenarchitekt Alexander Wurz wurde mit dem Projekt beauftragt. Die Umsetzung dieses Projekts bis die finale Strecke steht, würde mit Sicherheit mehrere Jahre dauern.
In Südafrika liegen mehrere Vorschläge auf den Tisch. Die zwei wahrscheinlichsten Varianten umschließen einen Stadtkurs in Kapstadt, dessen Layout noch unbekannt ist, oder ein Rennen auf der ikonischen Strecke in Kyalami, die sich im Landesinneren zwischen der Hauptstadt Pretoria und der Millionenmetropole Johannesburg befindet. Der Kurs kündigte 2025 Modernisierungsmaßnahmen an, die auch Maßnahmen umfassen, die Strecke auf die für Formel 1 notwendige Grade-1-Einstufung der FIA zu bringen.
In Kyalami gastierte die Formel 1 bereits 20-mal, zum letzten Mal 1993. Insgesamt gab es in der Geschichte der Königsklasse 24 Grands Prix in Afrika. Neben Kyalami wurde der Südafrika-GP der Formel 1 auch dreimal in East London ausgetragen. Zudem gab es im Jahr 1958 einen offiziell zur WM-zählenden Marokko-GP auf einem Kurs in der Nähe von Casablanca.
Formel 1 in Afrika: Alle Strecken und Grands Prix
| Strecke | GP von… | von… | bis… | Anzahl Rennen |
|---|---|---|---|---|
| Ain-Diab | Marokko | 1958 | 1958 | 1 |
| East London | Südafrika | 1962 | 1965 | 3 |
| Kyalami | Südafrika | 1967 | 1993 | 20 |
Aufgelistet sind nur offizielle zur Formel-1-Weltmeisterschaft zählende Rennen. Grands Prix, die zwar nach dem technischen F1-Reglement ausgetragen wurden, aber für die keine Punkte vergeben wurden, wurden nicht berücksichtigt.
Der nordafrikanische Staat wurde im Übrigen auch in den vergangenen Jahren mit der Königsklasse in Verbindung gebracht. Konkret lautet dort die Idee, einen Kurs südlich der Hafenstadt Tangier zu erbauen, der den modernsten Standards und damit auch den Grade-1-Vorgaben entsprechen soll. Wie es derzeit um das Projekt steht, ist allerdings unklar. Das Land wurde im Herbst von einer Protestwelle erfasst, die unter anderem teure Prestigeprojekte ins Visier genommen hatte.
In Südafrika und in Ruanda ist die Finanzierung des Events ein großes Problem. Südafrika befindet sich in einer wirtschaftlich angespannten Lage, weshalb eine Finanzierung über den Staat schwierig zu vermitteln ist. Ruanda ist in den Bürgerkrieg im Ostkongo involviert und sieht sich zahlreichen Vorwürfen über die Finanzierung der separatistischen M23-Miliz ausgesetzt, über die Ruanda auch in den Raubbau von Rohstoffen im Nachbarland involviert sein soll. Für die um ein positives Image bemühte Formel 1 macht das den Staat zu einem heiklen Pflaster.



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