Für kaum ein Team hat die Vorbereitung auf die Formel-1-Saison so schlecht begonnen wie für Aston Martin. Die hochambitionierte Mannschaft rund um Adrian Newey griff in Barcelona erst kurz vor dem Ende des vorletzten Tages ins Geschehen ein, und auch in Bahrain sammelte die Silverstone-Truppe nach mehreren technischen Problemen an Tag 1 die wenigsten Runden aller Teams.
Lance Stroll ist bereits jetzt der Frust anzumerken. Der Kanadier war bislang der Hauptgeschädigte von Aston Martins Fehlstart, denn in Barcelona ging sein nomineller Tag beinahe zur Gänze für den Zusammenbau des Boliden drauf, und auch in Bahrain war er es, der den gesamten problembehafteten Eröffnungstag im Auto verbringen hätte sollen. Nachdem man eine Anomalie an der Honda-Power-Unit entdeckte, verbrachte er am Nachmittag aber mehr Zeit in der AMR-Hospitality im Paddock anstatt auf der Strecke.
Bei Aston Martin klingeln die Alarmglocken: 400 Runden Rückstand
Entsprechend genervt zeigte sich der Kanadier am Donnerstag. "Wir haben wahrscheinlich 400 Runden weniger als die Konkurrenz, mit Barcelona und allem, das wir verpasst haben", rechnete Stroll vor. Keine Übertreibung! Tatsächlich stand Aston Martin am Ende des Bahrain-Mittwochs bei nur 101 Runden in den bisherigen Testfahrten, während mit Mercedes (585), Ferrari (571) und Haas (506) sogar schon drei Teams die 500er-Marke überschritten haben. An Tag 2 konnte der AMR26 mit Fernando Alonso im Auto bisher immerhin fleißig Runden abspulen. Mehr dazu könnt ihr im Liveticker nachlesen:
Stroll ist mit insgesamt erst 40 gefahrenen Runden in der bisherigen Testsaison mit Abstand der Formel-1-Pilot mit den wenigsten Umläufen. Sogar die beiden Williams-Fahrer, deren Team Barcelona komplett ausgelassen hat, haben jeweils mehr. Aber diese wenigen Runden haben schon gereicht, um einige Problemstellen zu entdecken. "Es ist eine Kombination mehrerer Dinge. Der Motor, die Balance und der Grip", zählte Stroll auf.
Lance Stroll: "Müssen vier Sekunden finden"
Nicht nur in Bezug auf die absolvierten Testkilometer sieht der 27-Jährige derzeit schwarz, sondern auch bei der aktuellen Pace seines Dienstwagens. "Im Moment sieht es so aus, dass wir 4,5 Sekunden hinter der Spitze sind", klagte er. "Natürlich ist es unmöglich zu sagen, mit welcher Benzinmenge und so weiter die anderen fahren. Aber wir müssen trotzdem erst einmal versuchen, vier Sekunden an Performance zu finden", ist er sich sicher, dass der Schein der Testfahrten nicht trügt.
Damit bezieht er sich auf den Rückstand von 4,450 Sekunden auf die Spitze am Mittwochvormittag, da er ja am Nachmittag kaum mehr ins Geschehen eingreifen konnte. Schon in Barcelona hatte Alonso am letzten Tag 4,447 Sekunden auf die Test-Bestzeit verloren. In beiden Fällen gilt aber natürlich, dass Aston aufgrund des Erfahrungsrückstandes mit dem neuen Boliden noch Grundlagen aussortieren musste, während die Konkurrenz schon gezielter nach Leistung suchen konnte.
Galgenhumor bei Aston Martin: Wenigstens das Wetter ist schön
Für den Saisonstart, der in weniger als einem Monat in Australien über die Bühne geht, sieht es für Aston Martin jedenfalls denkbar schlecht aus. Stroll konnte den bisherigen Formel-1-Testfahrten nur wenig Aufmunterndes abgewinnen. "Das Wetter ist schön. Besser als im Vereinigten Königreich", war der einzige Trost. Zum Auto fielen ihm noch weniger positive Worte ein: "Die Lackierung sieht gut aus."
Was die Performance angeht, macht er sich keine Illusionen, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt, ehe das Team, das seinem Vater gehört, um Spitzenplätze mitfahren kann: "[Performance] fällt nicht vom Himmel. Man muss sich verbessern und Performance im Auto und im Motor finden, das sind die üblichen Dinge in der Formel 1. Längerfristig müssen wir Upgrades an der Power Unit und am Chassis bringen."
Nicht nur das Auto von Aston Martin wurde zu spät fertig, auch die offizielle Team-Präsentation am Montag wurde von Pannen begleitet. Mehr dazu hier:



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