Die Testfahrten der Formel-1-Saison 2026 sind vorbei. Am Wochenende beginnt in Australien eine neue Ära für die Königsklasse. Diese neue Ära hat bereits erste Überraschungen geliefert – sowohl negativ als auch positiv. Formel-1-Experte Christian Danner schätzt das Geschehen ein.

"Audi hat Riesenglück", so Danner. "Erstens, dass der Aston Martin so eine Katastrophe ist und dass wie vorhergesehen der Cadillac schwächelt." Sowohl im Zeitentableau als auch der Fahrtdistanz liegt Audi vor den beiden Teams. Aston Martin fuhr am letzten Testtag sogar kaum noch. "Da ist man schon mal vier Plätze weiter vorne."

Danner von Audi beeindruckt: Sie fahren im Mittelfeld los

"Ich fand es sehr beeindruckend, wie sie sich zurechtgefunden haben", so Danner. Während die Ingolstädter in Barcelona einen Stotter-Start mit der laut Projektleiter Mattia Binotto längsten Problemliste hinlegten, kämpften sie sich in Bahrain nach vorne.

TeamBarcelonaBahrain IBahrain IIGesamt
Audi1.132 km1.916 km1.932 km4.980 km
Cadillac764 km1.732 km1.434 km3.930 km
Aston Martin303 km1.115 km693 km2.110 km

"Nach Anfangsschwierigkeiten war die Zuverlässigkeit okay", sagt Danner. Doch die Frage nach der Performance bleibt, denn die ist bei den Testfahrten schwer einzuschätzen. Welche Programme die Teams fahren, wie viel Sprit sie an Bord haben und wie viel Leistung sie freischalten, wissen nur sie selbst.

"Es ist noch ein großer Abstand nach vorne, aber ich glaube, Audi ist es auf jeden Fall gelungen, im Mittelfeld mal loszufahren", so Danner. "Und das ist schon mal ein großer Erfolg."

Danner: Honda durch Newey-Konzeption zum Scheitern verurteilt?

Und das gelang Audi mit einem komplett neuen Antriebsstrang. Neben Audi nahm das nur Red Bull Powertrains in Angriff. Ganz von Null startete allerdings auch Red Bull nicht. "Die Leute, die dort in Führungspositionen sind, sind alles Mercedes-Leute, die von der Mercedes-Motorenabteilung nach Milton Keynes übergesiedelt sind und daher war ein unglaublich solides Fundament da", so Danner.

[ a id="457" type="topic" linktext="Honda" inline="true"] dagegen, die auch im vergangenen Reglement Motoren entwickelten und zumindest teilweise noch mit Red Bull kooperierten, hat die Neuentwicklung augenscheinlich deutlich schlechter hingekriegt. Aston Martin hatte in Bahrain große Probleme.

Cadillac hat den Namen des ersten eigenen Formel-1-Autos enthüllt. Dieser ist eine Erinnerung an Mario Andretti. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Mit Adrian Newey hat das Team allerdings auch einen Designer, der für ausgefallene und extreme Designs bekannt ist. "Adrian ist bekannt dafür, den Motorenleuten wenig Spielraum zu lassen", so Danner. Doch liegen die Probleme nur an der Konzeption des Star-Ingenieurs? Daran zweifelt Danner.

Danner: Zwischenzeitlicher Honda-Abschied wird zum Problem

Offiziell verließ Honda die Formel 1 nach 2021 als eigener Hersteller und leistete nur noch technische Unterstützung. Allerdings kehrte der Hersteller nach den Erfolgen Red Bulls und dank der neuen Aggregate für das neue Reglement zurück. "Das Problem, das dadurch entsteht, ist, dass man nicht die Leute, die Erfolg hatten, behält, denn die werden bei Honda in die Entwicklungsabteilung abgezogen. Dann rücken neue, junge Ingenieure nach und die müssen wieder von vorn anfangen", erklärt der Experte.

Fahrerkm Insgesamtkm Barcelonakm Bahrain 1km Bahrain 2Beste Zeit
Fernando Alonso13342845305201:36,536
Lance Stroll776195841731:35,974

Dazu hatte Honda bei Red Bull und AlphaTauri (heute Racing Bulls) laut Danner mit Ex-Teamchef Franz Tost den richtigen Ansprechpartner, der Verständnis für die eigene Kultur mitbrachte, nachdem das Projekt McLaren-Honda zu Beginn der Hybrid-Ära scheiterte und nach 2017 beendet wurde.

"Franz hat alle bei der Hand genommen und gesagt: Leute, das müssen wir so machen. Red Bull hatte unglaublich viel Know-how und hat viel Energie verwendet, um den Honda Leuten in Sakura zu ermöglichen, die richtigen Abläufe zu finden", so Danner.

"Ob das bei Aston Martin und bei Lawrence Stroll der Fall ist, wage ich zu bezweifeln, und daher mache ich mir schon relativ große Sorgen", sagt Danner. "Das, was wir bis jetzt gesehen haben, war desolat", so Danner. Aber: "Von desolat zu einigermaßen solide ist durchaus hinzukriegen."

Die Anti-Mercedes-Regel im Motoren-Streit kommt doch schon früher als erwartet. Wir reden darüber im folgenden Video.

Formel-1-Motorenstreit: Anti-Mercedes-Regel kommt früher (13:38 Min.)