Dass die Formel 1 im Jahr 2026 anders aussehen wird, dürfte den meisten inzwischen bekannt sein. Mit der Regelrevolution geht nicht nur ein verändertes Aussehen der Autos einher – kleiner, schmaler und leichter –, sondern auch eine veränderte Fahrweise. Auch wenn noch nicht klar ist, wie sich das Qualifying und das Rennen aufgrund des Energiemanagements verändern werden, ist unbestritten, dass sich beide verändern werden.

Pirelli-Motorsportchef Mario Isola, der wie diese Woche bekannt wurde, im Juni 2026 das Unternehmen verlassen wird, beobachtete bereits bei den ersten Ausfahrten eine neue Herangehensweise der Piloten auf einer schnellen Runde. Üblicherweise wird eine Outlap (Aufwärmrunde), eine fliegende Runde und eine Cool-Down-Runde gefahren.

"Bei den Testfahrten sind einige Teams eine Outlap plus eine Vorbereitungsrunde gefahren. Danach waren sie bereit, auf eine schnelle Runde zu gehen", erzählt Isola. Der Grund: Die Anforderungen an die Reifen und die Anforderungen an die Batterie fallen 2026 widersprüchlich aus – vor allem im Qualifying.

Neue Herangehensweise im Qualifying gefragt?

"Um die Reifen auf die Pushlap optimal vorzubereiten, muss die Outlap mit einer bestimmten Geschwindigkeit gefahren werden", erklärt Pirelli-Motorsportchef Mario Isola. Das gilt vor allem auf Strecken mit geringem Grip-Niveau, einem glatteren Asphalt oder bei kühleren Streckentemperaturen. "In diesen Fällen müssen die Fahrer noch mehr pushen, um Temperatur in die Vorderreifen zu bringen", so Isola.

Entsprechend setzten die Piloten vor allem beim Shakedown auf dem 4,657 km langen Circuit de Barcelona-Catalunya mit seinem glatten Asphalt und den kühleren Temperaturen Ende Januar häufiger auf zwei Outlaps als bei den Wintertests in Bahrain.

So wirklich neu ist diese Herangehensweise im Qualifying nicht. Schon 2025 spielte es eine maßgebliche Rolle, die Reifen ins richtige Arbeitsfenster zu bekommen. Doch 2026 kommt erschwerend hinzu, dass die Fahrer mit ihrer Energie haushalten müssen. "Die Fahrer wollen auf der Outlap den elektrischen Teil der Leistung nicht nutzen, weil sie ihn für die Pushlap benötigen", legt Isola die Problematik dar.

Energiefreigabe vs. Energierückgewinnung

Mit einer vollen Batterie stehen den Fahrern 12,5 Megajoule auf einer Runde zur Verfügung, d.h. sie können etwa 36 Sekunden lang die volle Elektro-Leistung abrufen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wer nicht mit voll beladenem Akku auf seine schnelle Runde geht, weil er die Energie schon auf der Outlap verbraucht hat, verschenkt Rundenzeit.

Und als wäre es nicht schon komplex genug, kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: das Streckenlayout. Bestes Beispiel ist der Las Vegas Circuit mit 17 Kurven und einer 1,9 km langen Geraden vom Ausgang der Kurve 12 bis zur Bremszone für Kurve 14. Die Piloten müssen hier sowohl mit der Energiefreigabe als auch mit der Energierückgewinnung taktisch umgehen.

George Russell beschreibt das Dilemma so: "Es gibt Situationen, in denen man in den Kurven zwar schneller ist, dabei aber mehr Energie verbraucht und weniger zurückgewinnt. Am Ende hat man über die gesamte Runde hinweg weniger Energie zur Verfügung. Man gewinnt vielleicht ein paar Zehntel in den Kurven, verliert aber möglicherweise ein paar Zehntel auf der Geraden."

Verändertes Format durch F1-Neueinsteiger Cadillac

Nicht nur die Regel-Revolution führt zu Veränderungen, sondern auch F1-Neueinsteiger Cadillac. Mit dem US-Rennstall stehen 2026 elf Teams am Grid, weshalb das Format im Sprint-Qualifying und im Qualifying angepasst werden musste - wenn auch nur minimal. Das Qualifying ist wie bisher in drei Abschnitte (Q1, Q2 und Q3) unterteilt, die jeweils 18 Minuten, 15 Minuten und 12 Minuten dauern.

Format Sprint-Qualifying 2026:

SessionDauerTeilnehmende AutosEliminierte Autos
SQ1 12 226
SQ2 10 16 6
SQ3 8 10 0

Format Qualifying 2026:

SessionDauerTeilnehmende AutosEliminierte Autos
Q1 18 226
Q2 15 16 6
Q3 12 10 0

Ab dieser Saison scheiden in Q1 und Q2 nicht mehr die fünf, sondern die sechs langsamsten Fahrer aus. Die zehn verbleibenden Fahrer kämpfen in Q3 um die ersten 10 Startplätze, wobei der schnellste Fahrer die Pole Position für den Grand Prix am Sonntag einnimmt. Bei roten Flaggen im Qualifying werden die Zeiten aller angefangenen Runden gestrichen, selbst wenn die Runde noch beendet wird.

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