Keine Spur von einem weiteren Fortschritt bei Aston Martin mit dem mit Spannung erwarteten großen Honda-Update am Freitag in Zandvoort. Im Gegenteil, nach dem Aufflackern von Ungarn fielen Lance Stroll und Fernando Alonso mit P19 und P22 wieder ganz ans Ende der Formel 1 in den Kampf mit Cadillac zurück. Dabei ging allerdings einiges schief.

Alonsos desolater letzter Platz mit einer halben Sekunde Rückstand auf die Cadillacs war zuerst einmal überhaupt nicht aussagekräftig. Das zeigt sich schon daran, dass die 1:16,014 ganze eineinhalb Sekunden langsamer war als das, was Alonso ein paar Stunden davor im 1. Freien Training zustande gebracht hatte. Dort war er auf einem respektablen zwölften Platz gelandet.

Doch im Sprint-Qualifying machte aus noch unbekannten Gründen der Straight-Mode-Mechanismus an seinem Heckflügel schlapp. Nur sein Frontflügel klappte auf den Geraden nach unten, der Heckflügel blieb steilgestellt. Der zusätzliche Luftwiderstand kostete in den beiden Straight-Mode-Zonen massiv Topspeed. Alonso war auf der Zielgerade bis zu 25 km/h langsamer als Stroll, und hin zur Schikane fast 20 km/h.

Neuer Honda-Motor macht Probleme bei der Fahrbarkeit

Das war aber wiederum nur ein Teil der Probleme. Tatsächlich lief auch der erste Tag mit Hondas neuer "Spec 2"-Power-Unit, welche große Änderungen vor allem im Bereich der Brennkammer des Verbrennungsmotors mit sich bringt und damit deutlich mehr Leistung liefern sollte, alles andere als gut.

"Das Training war mehr oder weniger okay, aber im Qualifying hatten wir Probleme mit dem Motor, mit der Fahrbarkeit, es hat auf der Bremse angeschoben", erklärt Alonso. "Es war manchmal schwierig, das Auto zu verzögern, weil der Motor zu viel geliefert hat." Entsprechend verbremste sich Alonso auch auf seinem ersten Versuch gleich einmal ordentlich in der ersten Kurve und fuhr bis ins Kiesbett.

Mit den aktuellen Power Units der Formel 1 ist der Wechsel von Vollgas auf die Bremszone eine delikate Angelegenheit. Hier gilt es das Aufladen der Batterie über die kinetische Energie-Rückgewinnung zu managen, welche über die Hinterachse läuft, und das wiederum im Einklang mit der Motorbremswirkung zu bringen, und mit der normalen Bremswirkung - deren Balance sich generell wegen der Rückgewinnung an der Hinterachse unverhältnismäßig stark auf die Vorderachse verschiebt.

"Das Training fühlte sich okay an, wie ein Schritt vorwärts, und wir stecken noch in den Kinderschuhen", will Alonso Probleme hier nicht überbewerten. "Die ganzen Systeme sind etwas unreif, und es ist ein Sprint-Wochenende. An einem normalen Wochenende hätten wir drei Trainings, um es auf den Punkt zu bekommen."

Verstappen sieglos? Weltmeister Antonelli? 9 explosive F1-Prognosen für 2026 (15:49 Min.)

Honda schickt Daten zurück nach Japan: Fortschritt noch in Zandvoort?

Tatsächlich klangen bei Honda schon am Vortag noch Fragen bezüglich der Fahrbarkeit durch. Der neue Motor war in der Woche nach Ungarn bei einem 200 Kilometer kurzen Filmtag für Funktionschecks im Auto gewesen. Dabei habe man, meinte Chefingenieur Shintaro Orihara am Donnerstag, bereits ein paar Auffälligkeiten in Sachen Fahrbarkeit entdeckt und die dann auf den Prüfständen im Werk in Sakura evaluiert.

Das Thema ist am ersten wirklichen Einsatztag daher wenig überraschend weiterhin eine Baustelle. "Im Sprint-Qualifying haben wir ein paar Bereiche für Verbesserungen gefunden, besonders bei Daten-Einstellungen für die Fahrbarkeit", sagt Orihara am Freitagabend. "HRC Sakura wird die Daten über Nacht analysieren und Tests auf den Prüfständen absolvieren, um diese Parameter für das restliche Wochenende zu optimieren."

Positiv hingegen stimmt die reine Performance der Spec 2: "Wir haben verglichen mit der alten Version einen Fortschritt gesehen. In beiden Sessions waren wir in der Lage, die komplette Distanz ohne Zuverlässigkeitsprobleme zu absolvieren, und wir haben bestätigt, wie die Power Unit sich ins Aston-Martin-Chassis integriert."

Das Ergebnis von Sprint-Qualifying und Sprint wird also kaum ein wirklicher Gratmesser für das Honda-Update sein. Spannend wir es dann am Samstagnachmittag, wenn Alonso und Stroll nach Öffnung des Parc ferme mit angepassten Motoreinstellungen ins Qualifying gehen können. Alonsos FP1-Leistung suggeriert definitiv, dass ein Q2-Auftritt möglich sein sollte.