"Von Champions erbaut. Für die Champions von morgen." In großen, leuchtenden Buchstaben prangt dieser Slogan auf der Website des neuen Nachwuchsrennstalls LN4 Fusion. Mitbegründer des Teams ist kein Geringerer als der amtierende Formel 1-Weltmeister Lando Norris. Die Idee dazu schlummerte schon länger in seinem Kopf – doch die Umsetzung erfolgte schneller als gedacht, wie er im Vorfeld des Italien GP verriet.

"Dieses Projekt schwirrte schon lange in den Köpfen meines Teams und mir umher. Wir hatten nie konkret darüber gesprochen, dachten aber immer, dass es eine großartige Sache wäre, die man eines Tages anpacken könnte. Schließlich fügten sich die Puzzleteile zusammen, verschiedene Parteien fanden zueinander und es ergaben sich die passenden Möglichkeiten", so Lando Norris. Erst kürzlich verlängerte der Brite seinen Vertrag bei McLaren langfristig bis mindestens 2030.

Entsprechend wichtig war es ihm klarzustellen, dass sein Fokus weiterhin primär auf der Königsklasse liegt: "Ein Großteil des Projekts läuft im Hintergrund ab, sodass ich mich voll auf meinen Hauptjob konzentrieren kann – darauf, schnell Auto zu fahren. Ich bin froh, dass das Team extrem unabhängig von mir funktioniert und wir hervorragende Leute an Bord haben, die das operative Geschäft leiten. Gleichzeitig kann ich mich einbringen, wann immer es mir möglich ist."

Start in der Formel 3 ab 2027

LN4 Fusion wird 2027 in der italienischen Formel 4, der Formula Regional European Championship (FRECA) sowie der Formel 3 an den Start gehen. Auch der Einstieg in die Formel 2 ist geplant. Die Serie schreibt ihre teilnehmenden Teams für die Jahre 2027 bis 2029 erst neu aus, der entsprechende Bewerbungsprozess wurde bereits eingeleitet.

Als Teamchef fungiert René Rosin, Sohn des Prema-Gründers Angelo Rosin. Das Traditionsteam Prema gilt seit Jahrzehnten als Talentschmiede. Rosin bringt rund 40 Jahre Erfahrung im Motorsport mit. Ihm zur Seite steht der ehemalige technische Leiter von Prema, Guillaume Capietto, der als Renndirektor fungiert. Dan Hazlewood, der die Geschäfte in Großbritannien übernimmt, führte in den vergangenen Jahren das erfahrene Team Fusion Motorsport zu zahlreichen Erfolgen im Kartsport.

Präsentation des neuen LN4 Fusion Teams
Teamsitz ist im italienischen Venetien, Foto: LN4 Fusion Team
LN4 Fusion Team von Lando Norris
Bei LN4 Fusion geht es darum, ein Rennteam aufzubauen, das mit den Besten im Nachwuchsmotorsport konkurrieren kann, Foto: LN4 Fusion Team
Das von Lando Norris gegründete LN4 Fusion Team
Für den Einstieg in die F2 und F3 hat LN4 Fusion bereits einige Vermögenswerte des AIX-Teams übernommen, Foto: LN4 Fusion Team

"Wir wollten eine Führungsmannschaft aufstellen, die über immense Erfahrung verfügt und genau weiß, wie man einen Rennstall leitet. Uns ging es nicht nur darum, ein kurzfristig erfolgreiches Team mit zwei oder drei Autos an den Start zu bringen, sondern ein nachhaltiges Projekt aufzubauen", erklärt Norris. Insbesondere die Verpflichtung von René Rosin als Teamchef bewertet der F1-Champion als Glücksfall.

"In den letzten sieben Jahren habe ich gelernt, worauf es bei einem starken Team und einem hervorragenden Teamchef ankommt. Vieles steht und fällt mit der Führungsperson. René ist genau der Richtige." Norris kennt Rosin bereits aus seiner eigenen Zeit in der Formel 4: "Er lebt für das, was er tut: Siege einfahren, ein erfolgreiches Team formen, Synergien schaffen und das Maximum herausholen. Er war schlicht die logische Wahl."

Lando Norris und McLaren in der Favoritenrolle? Christian Danner sieht das komplett anders! Seine Analyse des Titelkampfs im Video:

Danner warnt: Angst vor Norris? Antonellis Hauptgegner ist Russell! (03:08 Min.)

Norris prangert Kosten für Nachwuchsserien an

Parallel zum Rennstall hat Norris das LN4 Legacy Programme ins Leben gerufen – eine Initiative, die strukturell unabhängig von LN4 Fusion agiert. "Beim Legacy-Programm geht es darum, gezielt einzelne Ausnahmetalente zu fördern – Piloten, denen wir den Sprung in die Formel 1 zutrauen. Sie wollen wir auf ihrem Weg individuell unterstützen", erklärte der McLaren-Pilot.

Ein Unterfangen, das immenses Kapital verschlingt. Ein Cockpit in den Nachwuchsklassen wie der Formel 2 – gefahren mit Einheits-Chassis von Dallara und Einheits-Motoren von Mecachrome – kostet pro Saison Millionenbeträge. Geht es nach Norris, muss in der Motorsport-Industrie dringend ein Umdenken stattfinden.

"Motorsport ist schlicht zu teuer geworden. Man kann nicht darauf bauen, dass private Förderer immer höhere Summen für einzelne Fahrer aufbringen. Wir müssen Wege finden, den Einstieg in den Rennsport breiter und finanziell zugänglicher zu machen. Das gelingt jedoch nur als Kollektiv. Es braucht ein viel stärkeres Engagement der Formel 1, der FIA und der Kart-Hersteller", forderte Norris.