Andrea Kimi Antonelli wird bei seinem Formel-1-Heimrennen in Monza mit einer massiven Hypothek ins Rennen gehen. Wie bereits seit Wochen bekannt ist, zieht Mercedes beim Italien-GP eine notwendige Motorstrafe. Die WM-Führenden sind davon überzeugt, dass das aufgrund der Überholfreundlichkeit der Strecke der beste Ort ist, um diese Bürde aus dem Weg zu räumen.
Für Antonelli bedeutet das, dass am Rennsonntag Schadensbegrenzung auf dem Programm steht und gleichzeitig das Qualifying-Ergebnis für ihn bedeutungslos ist. Das gibt dem Team aber eine interessante strategische Möglichkeit. Denn nicht wenige gehen davon aus, dass der Windschatten im Königlichen Park mit der neuen Regelgeneration eine noch wichtigere Rolle spielen wird als in den letzten Jahren ohnehin schon - vor allem auf eine Runde.
Windschatten-Hilfe für Russell? Kimi Antonelli: "Ich werde es tun"
Für Mercedes wäre es also die wohl beste Variante, wenn Antonelli seinem Teamkollegen George Russell Windschattenunterstützung geben könnte. Gleichzeitig ist Russell aber nach wie vor der erste Verfolger von Antonelli in der WM. Der Italiener würde in diesem Szenario also seinem eigenen Titelrivalen zu einem Vorteil verhelfen.
Allen Überlegungen zum Titelrennen zum Trotz stellt der Lokalamatador aber vor dem Formel-1-Rennen in Monza klar, dass er dazu bereit ist und ließ in der Pressekonferenz durchklingen, dass genau das der Plan sein könnte. "Es wurde mit dem Team diskutiert und wir haben ein paar Dinge vereinbart", bestätigte er etwas vage. "Wir werden sehen, wie sich die Session entwickelt, aber wenn das Team mich darum fragt, es zu tun, dann werde ich es tun", so Antonelli.
"Ich starte natürlich ganz hinten", ist ihm klar, dass es im Qualifying für ihn praktisch um nichts geht, "aber falls ich irgendwas tun kann, um dem Team zu helfen, dann werde ich es tun", betonte er die Priorisierung der Teaminteressen. Die Ausgangslage wird natürlich durch die aktuellen Rahmenbedingungen in der Fahrer-WM etwas entschärft. Dort liegt Russell zwar auf Platz 2, das aber mit 59 Punkten Rückstand doch klar abgeschlagen. Damit ist der Brite punktegleich mit Lewis Hamilton im Ferrari. Lando Norris, der mit zwei Siegen aktuell das Momentum auf seiner Seite hat, folgt nur 24 weitere Punkte dahinter.
Hamilton & Norris lauern: Ist George Russell überhaupt Antonellis größter Gegner?
Die etwas unorthodox anmutende Unterstützung des Formel-1-Tabellenführers für seinen ersten Verfolger könnte sich also gleichzeitig je nach dem weiteren Saisonverlauf auch für den Fahrertitel noch als günstig erweisen. Zumal Antonelli zum wiederholten Male auf die Gefahr verwies, die von McLaren und Ferrari ausgeht.
"Wir haben in den letzten beiden Rennen gesehen, wie stark McLaren ist. Ferrari wird definitiv vorne dabei sein, vor allem mit dem neuen Motor", sagte Antonelli. "Ich denke, obwohl wir seit Kanada keine Upgrades hatten, haben wir nach wie vor ein starkes Auto und ich denke, dass uns diese Strecke gut liegt. Aber man muss damit kalkulieren, dass Ferrari, McLaren und auch Red Bull an diesem Wochenende schnell sein könnten", prognostizierte der sechsfache Saisonsieger.
George Russell begrüßte wenig überraschend die Aussicht, dass ihm Antonelli im Monza-Qualifying etwas unter die Arme greifen könnte. "Ich denke, das zeigt einfach das Level an Teamwork, das wir im Moment haben und wie Toto dieses Team führen will. Das ist eine sehr einzigartige Gelegenheit für uns", so Russell. Beim Niederlande-GP in Zandvoort war es noch er gewesen, der aufgrund einer Teamanweisung seine Position gegen Antonelli hergab. "Letztes Rennen hat es funktioniert und wenn die Rolle umgedreht gewesen wären, wäre dasselbe passiert", so Russell.
Zur Auffrischung: Hier könnt ihr nachlesen, wie die Teamorder in Zandvoort zustandekam:
Aufholjagd des WM-Führenden: "Top-5 wäre ein gutes Resultat"
Daran hängen natürlich auch seine eigenen Chancen für die Schadensbegrenzung am Sonntag beim Italien-GP. Praktisch sollte es mehr als realistisch sein, dass Antonelli es bis mindestens ans Ende des Spitzenfeldes schafft. Red Bull schwächelte in den letzten Monaten, sodass P7 oder sogar P6 auch in Reichweite scheinen.
Vielleicht geht aber sogar noch mehr… Denn viele gehen davon aus, dass in Monza das Batterie-Management absurde Ausmaße annehmen wird und dadurch Überholvorgänge besonders einfach und billig ausfallen könnten. Gepaart mit dem potenziellen Chaos von Jojo-Racing an der Spitze, muss der letzte Startplatz also noch lange nicht das Ende vom Lied sein.
"Natürlich würde ich gerne gewinnen", lachte Antonelli über diesen Gedanken. "Aber unser Ziel ist immer dasselbe, nämlich, dass wir das Ergebnis maximieren. In einer idealen Welt ist realistisch gesehen Top-5 ein gutes Resultat. Aber es kommt alles auf die Pace an und wie groß die Unterschiede sind."



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