Andrea Kimi Antonelli und George Russell sind nach dem Großen Preis der Niederlande wieder die Top-2 in der Fahrer-Weltmeisterschaft der Formel 1, da der Brite in der Tabelle an Lewis Hamilton vorbeigehen konnte. Dennoch ging die Lücke zwischen den beiden Mercedes-Teamkollegen weiter auf und beträgt nun 59 Punkte.
Das liegt auch daran, dass sich in Zandvoort zwischendurch das Team einschaltete und Antonelli sechs Runden vor Schluss an seinem Teamkollegen vorbeiwinkte. Eine Anweisung, die im ersten Moment bei Russell auf wenig Gegenliebe stieß. Nachdem er diese erhielt, meldete er sich am Funk. "Kämpft er um den Sieg oder plant er, Norris einzuholen?", erwiderte Russell mit einem bissigen Unterton. Denn zu diesem Zeitpunkt war klar, dass der McLaren-Pilot nicht mehr einzuholen war.
Sein Renningenieur Marcus Dudley ignorierte die Anmerkung und wiederholte nur den Ort für den Positionstausch: "Es wird in dieser Runde Kurve 1 sein." Russell gab anschließend artig nach und ließ den WM-Führenden vorbei, nicht allerdings ohne nochmal Kritik an dieser Vorgehensweise anzumelden. "Damit verlieren wir das Podium", war er sich sicher.
Denn direkt hinter Russell stellte sich nach dem Platztausch schon Lewis Hamilton an, um ihn zu attackieren. Doch die pessimistische Prognose erwies sich als falsch, denn Russell konnte seinen ehemaligen Teamkollegen trotz dessen deutlichen Reifenvorteils im restlichen Rennverlauf hinter sich halten und damit P3 absichern. Antonelli landete auf der zweiten Position.
Hier das komplette Ergebnis des Niederlande-GPs:
George Russell rudert zurück: Mercedes-Teamorder die richtige Entscheidung
Der Hintergrund für die Teamorder war, dass Antonelli im Rennen eigentlich ohnehin auf Kurs zu Platz 2 war, sich die Mercedes-Strategieabteilung dann aber für einen Boxenstopp in der VSC-Phase in Runde 57 entschieden. Dadurch war er hinter Russell gefallen, der diese Gelegenheit sofort ergriff, um nicht uneigennützig Werbung für sich zu machen: "Ich glaube, wir sollten als Team zusammenarbeiten, um diese Positionen zu halten." Hinter Antonelli lauerten nämlich die ebenfalls mit frischen Reifen ausgestatteten Ferraris. Die Idee: Wenn Russell P2 halten dürfte, hätte sein Teampartner bessere Chancen, mit den frischeren Pneus P3 gegen die Roten abzuschirmen.
Nach dem Rennen ruderte Russell von seinen kritischen Anmerkungen zurück und brachte sich ganz auf die Teamlinie: "Kimi war sowieso vor mir, also hat er sich verdient, vor mir ins Ziel zu kommen." Der WM-Zweite ist davon überzeugt, dass Widerstand zwecklos gewesen wäre. "Mit den neuen Reifen wären wir ohnehin überholt worden. Es war also die richtige Entscheidung."
Toto Wolff und George Russell erklären die Teamorder-Regeln von Mercedes
Seine Funksprüche während des Rennens verteidigte Russell folgendermaßen: "Wenn man im Rennen ist, kämpft man um jede einzelne Position." Teamchef Toto Wolff zeigte Verständnis dafür: "Teamorders sind natürlich immer hart, ich erwarte nicht, dass ein Fahrer im Auto sitzt und das komplett über sich ergehen lässt."
Dabei habe man aber schon im Vorfeld festgelegt, dass man derartige Situationen mit einer Teamorder regeln würde, wie Russell sagte: "Wir haben immer als Team gesagt, dass wir, wenn wir auf verschiedenen Strategien sind, nicht miteinander kämpfen und die Positionen tauschen. Das waren schon immer unsere Regeln." Wolff präzisierte diese Abmachung: "Wir einigten uns im Strategiemeeting am Sonntagvormittag, dass wir keine Zeit mit uns gegenseitig verlieren, wenn uns Konkurrenz im Nacken sitzt."
Als Negativ-Beispiel dafür führte er das Duell der beiden Ferrari-Piloten beim China-GP in diesem Jahr an. Diese verstrickten sich in einen langen Zweikampf, der zwar spektakulär war, sportlich dem Team aber keinen Gefallen tat. "Da verliert man nur Rennzeit und man verliert Punkte", so Wolff. Bei Mercedes will man dem von Haus aus einen Riegel vorschieben: "Wir wollen proaktiv sein und das Verhindern. Heute war es eine sehr gute Entscheidung, denn Kimi war Zweiter – klar vor George – und das ist praktisch die Reihenfolge, die wir nach dem Stopp wiederherstellten."



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