Der WM-Titel in der Formel 1 2026 geht nur über Kimi Antonelli. Mit 59 Punkten Vorsprung fährt er zu seinem Heimrennen in Italien. Noch ist die Messe aber nicht gelesen, denn mit elf geplanten Rennwochenenden liegt noch beinahe die halbe Saison vor ihm. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Fahrer im Angesicht seiner ersten Titelchance plötzlich einbricht - man denke nur an Oscar Piastri im Vorjahr.
Was Antonelli aktuell nicht hat, ist ein einzelner Gegner, auf den sich alles fokussiert. Stattdessen kristallisieren sich drei F1-Fahrer heraus, die sich gegenseitig Punkte wegnehmen. Wir nehmen das Trio an Briten unter die Lupe und schauen uns an, was Antonellis WM-Lauf noch gefährden kann.
Was kann Kimi Antonelli die WM kosten?
Zunächst einmal die Ausgangslage bei Andrea Kimi Antonelli, der zwar stabil die WM anführt, aber nach wie vor nicht fehlerlos agiert. Zuletzt in Zandvoort, wo er sich den Sprint schon in der ersten Runde des Sprint-Qualifyings vermasselte. Oder Ungarn, wo er durch eine Strafe im Qualifying seine Siegchancen schmälerte. Von den mehrfachen Track-Limit-Vergehen einmal abgesehen.
Die Fehler von Antonelli kamen in diesem Jahr meist zu Zeitpunkten, an denen sie ihm nicht so teuer zu stehen kamen. Das kann man ihm nun als Qualität anrechnen, dass er in den entscheidenden Momenten seine Abgebrühtheit bewahrt, oder als Glück - die Interpretation dazu steht jedem frei. Dazu kommen noch die regelmäßigen technischen Probleme an seinem Mercedes und an der Power Unit, die ihn nicht für Monza zu einem Motortausch zwingen und immer auch eine potenzielle Gefahrenquelle für weitere Nullnummern darstellen.
In Kombination damit, dass Mercedes aktuell in Antonellis Augen nicht mehr das beste Auto hat, kann das Polster da schnell schmelzen. Die schlechten Starts sind ein Problempunkt, den er zuletzt etwas abstellen konnte. Mit dem Premierentitel vor Augen wäre er aber nicht der erste Fahrer, der seine Coolness im Endspurt verliert.
- Kimi Antonelli
Gesamt: 242 Punkte
Erfolge: 6 Siege
Letzte 5 GPs: 86 Punkte
George Russell: Gibt es noch Hoffnung für den Favoriten?
Vor diesem Jahr ging George Russell als der klare Favorit ins Titelrennen der Formel 1 und untermauerte diese Stellung mit dem Sieg in Australien. Aber dann ging es plötzlich rapide bergab. Dafür bemühte er zunächst Pech als Erklärung, später blieb auch ihm nichts anderes mehr übrig als einzugestehen, dass er einfach auf einem niedrigeren Niveau performt als Antonelli.
Der letzte Strohhalm, an den sich Russell klammern kann, ist die Sommerpause. In dieser glaubt er sein Mindset und seinen Fahrstil richtig kalibriert zu haben, um nun die Pace seines Teamkollegen mindestens mitgehen zu können. Mit dem Sprint-Sieg und dem Sieg im Mercedes-Duell im Qualifying ist ihm das in Zandvoort gelungen. Aber es kam in diesem Jahr schon vor, dass Russell mit einer potenziellen Lösung für sein Tief aufwartet, dann aber wieder in sein übliches Muster zurückfällt - man denke an Barcelona.
Doch selbst wenn seine Annahme zutrifft, ist es nochmal ein ganz anderes Stück Arbeit, mit Antonelli mitzuhalten und fast 60 Punkte gegen ihn aufzuholen. Dazu kommen noch die aktuell fehlenden Mercedes-Updates. Das betrifft natürlich nicht nur ihn, aber wenn die ganz großen Punkteergebnisse schwieriger werden, wird es ganz automatisch auch schwieriger, viel auf einen Schlag aufzuholen.
- George Russell
Gesamt: 183 Punkte (59 Rückstand)
Erfolge: 2 Siege
Letzte 5 GPs: 77 Punkte
Lewis Hamilton: Zu viele Fehler für den Rekordtitel im Ferrari?
Nach seinem Sieg in Barcelona wurde Lewis Hamilton als heißes Eisen im Formel-1-Titelrennen gehandelt. Doch aufgrund einer wahren Litanei von persönlichen Fehlern und Missgeschicken von Ferrari stellten sich in den folgenden Monaten punktemäßig keinerlei Fortschritte ein. Silverstone hätte er gewinnen können, in Ungarn aus der ersten Reihe starten, in Belgien mindestens auf dem Podium stehen und vielleicht in Zandvoort oder in Österreich auch… Die gesamte Abhandlung über die verlorenen Hamilton-Punkte im Sommer könnt ihr hier nachlesen:
Noch ist aber nicht aller Tage Abend. Für Hoffnung unter den Tifosi sorgt, dass in Monza am Ferrari-Motor nach dem ADUO-Reglement am Ferrari-Motor nachgebessert werden wird. Seit Saisonbeginn hält sich ja im Paddock die Meinung, dass der SF-26 eigentlich das beste Chassis im Feld ist, eine Ansicht, die sich bei vielen Rennen auch auf Daten stützen kann. Zudem ist Ferrari weit weniger defektanfällig als die mercedes-motorisierte Konkurrenz.
Wenn der Motor tatsächlich in den Sphären des Mercedes-Antriebs operieren kann und die Scuderia ihre Umsetzung in den Griff bekommt, ist es nicht ausgeschlossen, dass Hamilton zu einem Erfolgslauf ansetzt. Zumal in den nächsten Monaten auch mit den Straßenstrecken von Madrid, Baku und Singapur einige Kurse im Kalender stehen, deren Kurvenprofile der roten Göttin liegen sollten.
- Lewis Hamilton
Gesamt: 183 Punkte (59 Rückstand)
Erfolge: 1 Sieg
Letzte 5 GPs: 68 Punkte
Lando Norris: Nur ein Detail vom Durchmarsch entfernt?
Nach seinen beiden Siegen in Budapest und Zandvoort ist Lando Norris aktuell natürlich der Mann der Stunde. Vor allem die Dominanz der beiden Rennen mit dem neuesten Upgrade-Paket des MCL40 sorgte für Staunen. Gegen Norris spricht natürlich sein Punkterückstand, immerhin liegt der amtierende Champion nach wie vor fast einen kompletten Rennsieg hinter den anderen beiden Verfolgern und in Summe 83 Punkte hinter Antonelli. Das ist eine Menge Holz. Im letzten Jahr konnte Verstappen zwar noch mehr aufholen, aber eben auch nur dank freundlicher Mithilfe von McLaren.
Ungarn und Zandvoort waren zwei Strecken, die dem Boliden des Titelverteidigers mit ihrem Fokus auf flüssige schnelle und mittelschnelle Kurven auf den Leib geschneidert zu sein scheinen. Gleichzeitig befinden sich auf diesen keine batteriezehrenden Vollgas-Abschnitte, was die Schwachstelle an der Getriebe-Übersetzung des Formel-1-Wagens aus Woking etwas abfedert.
- Lando Norris
Gesamt: 159 Punkte (83 Rückstand)
Erfolge: 2 Siege
Letzte 5 GPs: 68 Punkte
In langsamen Kurven war das Fahrzeug von Norris in den letzten beiden Rennen nach wie vor schwach. Fakt ist aber, dass wir den geupdateten McLaren in seiner aktuellen Form nur auf Strecken mit eben jenen flüssigen Charakteristiken gesehen haben und er auch dementsprechend abgestimmt war. Falls er also von Haus aus auf kurze Lowspeed-Kurven abgestimmt wird, kann das bevorzugte Kurvenprofil schon ein komplett anderes sein.
Der mit Selbstvertrauen vollgepumpte aktuellen WM-Vierte glaubt, dass ihn nur diese Hürde an einem WM-Angriff hindert. "Wenn wir in den langsamen Ecken besser werden, dann bin ich zuversichtlich, dass ich dieses Jahr jedes Rennen gewinnen kann", sagte er nach dem Niederlande-GP. Es wäre nicht das erste Mal, dass man durch Setup-Anpassungen vermeintliche Schwachstellen ins Gegenteil wenden kann. In Zandvoort zeigte sich das Team nach dem Qualifying noch skeptisch, ob man die schwache Longrun-Pace ihres Boliden aus dem Sprint in den Griff bekommen hat. Man hatte - und das mit Bravour.
Was ist mit Charles Leclerc oder Max Verstappen?
Erwähnenswert sind an dieser Stelle natürlich noch der zweite Ferrari-Hoffnungsträger und der vierfache Weltmeister. Anhand der Punktesituation würde Charles Leclerc durchaus noch in die Liste oberhalb passen, schließlich liegt er nur vier Punkte hinter Lando Norris und der Rennkalender der nächsten zwei Monate spricht für den Stadtkurs-Spezialisten im Ferrari. Mit dem Verstappen-Endspurt der Vorsaison im Hinterkopf wäre es also zu früh, ihn komplett abzuschreiben.
Allerdings wurde er vor allem in Bezug auf seine Rennpace in dieser Saison von Hamilton in den Schatten gestellt, war im Qualifying auch im Schnitt langsamer und wirkt nicht konstant genug, als dass er jetzt plötzlich zu einer Siegesserie ansetzen könnte. Die 28 zusätzlichen Punkte Defizit zu seinem Teamkollegen machen es erst recht schwierig.
- Charles Leclerc
Gesamt: 155 Punkte (87 Rückstand)
Erfolge: 1 Sieg
Letzte 5 GPs: 80 Punkte
Max Verstappen lässt sich schneller abhandeln. Der Red Bull ist nach wie vor nur punktuell in der Lage, aus eigener Kraft um das Podium mitzukämpfen - geschweige denn um Siege. Da kann selbst der 'Max-Faktor' nicht viel ausrichten. Und mal ganz abgesehen davon wären 137 Punkte Rückstand wohl selbst dann zu viel, wenn das nicht der Fall wäre. Verstappen kann aber eine wichtige Rolle spielen, indem er bei einzelnen Rennen den Titelanwärtern Punkte abnimmt, vor allem falls Red Bull seine Probleme besser in den Griff kriegt.



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