"Ich glaube, da ist mehr im Argen, als man auf den ersten Blick sieht", äußert Formel-1-Experte Christian Danner seine Bedenken zur aktuellen Performance von Williams in der neuesten Ausgabe des AvD-Motorsport-Magazins. Mit mageren elf Punkten rangiert das Traditionsteam derzeit nur auf Platz neun der Konstrukteurswertung. Carlos Sainz fuhr bislang dreimal in die Punkte, Alex Albon sogar nur zweimal. Einzig Aston Martin und der Neueinsteiger Cadillac schnitten bisher noch schlechter ab als die Mannschaft aus Grove.
Der Grundstein für das Debakel wurde bereits im Winter gelegt: Williams startete mit einem spürbar übergewichtigen Auto in die neue Formel-1-Saison, speckte aber Update für Update ab. Eine Verbesserung der Performance blieb dennoch aus. "Irgendetwas stimmt da nicht. Es kann nicht sein, dass die ums Verrecken nicht aufholen. Die fahren immer am vorletzten Platz rum, gerade so vor unseren Freunden von Cadillac", meint der F1-Experte.
Danner kritisiert Williams-Duo nach peinlichem Zwischenfall in Zandvoort
Neben der fehlenden Performance erschweren hausgemachte Konflikte und Strafen den harten Kampf um Punkte. Vor allem Carlos Sainz sorgte in den letzten Rennen immer wieder für Zwischenfälle. Nachdem er in Ungarn bereits den herannahenden McLaren von Oscar Piastri bei dessen Überrundung touchierte, gipfelte die Williams-Fehlerkette in Zandvoort im nächsten Tiefpunkt: dem Duell mit seinem Teamkollegen Alex Albon.
Im Kampf um die goldene Ananas lieferten sich die beiden Williams-Fahrer ein Teamduell der Extraklasse. Sainz verteidigte sich in Kurve 1 gegen Albon, verschätzte sich am Bremspunkt und fuhr Albon nach einem wilden Verbremser in die Seite. Sainz entschuldigte sich zwar unmittelbar danach per Funk bei seinem Team, der Schaden war aber bereits angerichtet. In rekordverdächtiger Geschwindigkeit wurde dem Spanier eine 10-Sekunden-Strafe auferlegt. Sainz beendete den Grand Prix auf dem letzten Platz. Albon landete auf dem 17. Platz.
"Was die zwei auf der Strecke gemacht haben, war ausgesprochen amüsant, wenn auch nicht sehr professionell", rügt Danner die beiden Williams-Piloten. "Wie der Sainz den Albon abgeräumt hat, das darf nicht passieren. Und schon gar nicht unter Teamkollegen. Er hat die Situation einfach völlig falsch eingeschätzt."
Williams hat nicht nur auf der Strecke seine Baustellen
Da Williams die Verträge beider Fahrer erst kürzlich erneuert hat, bleiben drastische personelle Konsequenzen erst einmal aus. Die Teamführung muss solche Situationen also künftig intern regeln, doch ausgerechnet dort offenbart sich laut Danner die nächste Baustelle. Während Albons Vertrag bis Ende 2027 klar geregelt ist, herrschte bei Sainz' Verlängerung Verwirrung.
"Jetzt sagt der Sainz, er hat keinen Multi-Year-Deal, sondern nur um ein Jahr verlängert", erzählt Danner. "Daraufhin hat sich der James Vowles das angeschaut und gesagt: 'Nein, wir haben ein mehrjähriges Agreement.' Also entweder ist der Sainz ein bisschen fantasievoll oder man hat bei Williams einen großen Fehler gemacht."
Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt dem Krisenteam dennoch: Das Highspeed-Layout im Autodromo Nazionale di Monza galt historisch immer als eines, das dem Williams-Boliden lag. Spätestens aber mit dem angekündigten großen Update-Paket beim nachfolgenden Rennen in Baku wird sich zeigen, ob die Mannschaft die Kurve kriegt oder weiter im sportlichen Niemandsland herumdümpelt.



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