Red-Bull-Junior Nikola Tsolov gilt aktuell als eines der vielversprechendsten Nachwuchstalente im Formelsport. Nach vier Rennsiegen führt er derzeit die Fahrermeisterschaft der Formel 2 mit 20 Punkten Vorsprung an. Am Donnerstag folgte nun der nächste Karriereschritt. Im Rahmen eines TPC-Tests (Testing of Previous Cars) mit den Racing Bulls spulte der Bulgare auf dem Autodromo Internazionale Enzo e Dino Ferrari in Imola seine allerersten 690 Kilometer in einem Formel-1-Boliden ab.
Zum Einsatz kam dabei der VCARB 02 aus der vergangenen Formel-1-Saison. "Ich bin superglücklich, wie der heutige Tag gelaufen ist. Ich habe jede Runde genossen und ich kann es kaum in Worte fassen, was dieser Tag und diese Chance für mich bedeutet hat", freut sich Tsolov.
"Ein riesiges Dankeschön an VCARB und das Red Bull Junior Team dafür, dass sie an mich glauben und mir diese Gelegenheit geben", kam Tsolov gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. "Das ist etwas, worauf ich mein ganzes Leben lang hingearbeitet habe. Ich glaube, ich habe noch gar nicht richtig begriffen, was wir heute erreicht haben - aber hoffentlich bekomme ich bald die Chance, noch mehr Kilometer nachzulegen."

Red Bull bringt nächste Nachwuchshoffnung in Stellung
Diese Testfahrten sind ein zentraler Baustein des fortlaufenden Entwicklungsprogramms des Red Bull Junior Programmes, das auch schon F1-Weltmeister wie Max Verstappen oder Sebastian Vettel durchlaufen haben. "Unser Ziel ist es, den Junioren das nötige Werkzeug, die Fahrpraxis und das passende Umfeld für ihren Weg zu geben", erklärt Racing-Bulls-Teamchef Alan Permane die Zugangsweise des Teams.
"Wir haben gesehen, was dieser Weg hervorbringen kann, und für Nikola war der heutige Tag ein positiver Schritt nach vorne", betont Permane. "Er hat sich schnell an das Auto gewöhnt und eine gewisse Gelassenheit gezeigt. Das will man von einem Fahrer sehen, der zum ersten Mal ein Formel-1-Auto fährt."



Denn mit seinem TPC-Test in Imola hat Tsolov nun alle Voraussetzungen des internationalen FIA Sporting Codes erfüllt, um eine Lizenz für einen FP1-Einsatz in der Formel 1 zu beantragen. Dadurch eröffnet sich für das Red-Bull-Lager eine spannende Option: Die Regularien verpflichten alle Teams dazu, jedes der beiden Autos pro Saison mindestens bei zwei freien Freitagstrainings an einen Nachwuchsfahrer abzutreten. Da Tsolov beim kommenden Rennwochenende in Monza im Rahmen der Formel 2 ohnehin vor Ort ist, wäre ein spontanes FP1-Debüt möglich.
Bislang griff das Red-Bull-Imperium für diese Pflichteinsätze primär auf Ayumu Iwasa zurück. Der Japaner absolvierte in dieser Saison bereits einen Einsatz für Red Bull in Barcelona sowie einen für die Racing Bulls in Österreich. Durch Arvid Lindblads Debüt im FP1 in Australien hat das Team um Alan Permane damit schon beide Rookie-Einsätze erledigt. Bei Red Bull ist derzeit jedoch noch ein FP1-Einsatz offen und mit Tsolov steht nun eine zweite Alternative neben Iwasa in den Startlöchern.
Für Iwasa spricht, dass Red Bull den ehemaligen Motorenpartner Honda auch in Zeiten von Red Bull Powertrains bei Laune halten muss. Schließlich benötigen beide Red-Bull-Teams für solche TPC-Tests wie jetzt von Tsolov noch immer alte Honda-Power-Units.



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