Die Formel 1 und die MotoGP sind die Königsklassen ihrer jeweiligen Motorsportserien. Ob zwei Räder oder vier, diese Spitzensportler geben alles, um zu gewinnen. Dass sie dabei gelegentlich über die Grenzen hinaus gehen, gehört dazu. Der Unterschied: Crasht ein F1-Pilot mit mehreren G in die Wand, kann er heutzutage meistens ohne Kratzer aus seinem Wrack aussteigen. In der MotoGP ist der Fahrer selbst fast die gesamte Knautschzone.

Fahrer der Zweirad-WM sind daher deutlich bewanderter darin, mit Verletzungen umzugehen. Die meisten Piloten bestehen bereits zu einem Großteil aus Metall. Es ist also nicht verwunderlich, dass Isack Hadjar nach seiner Handverletzung in der Sommerpause bei den MotoGP-Kollegen um Rat fragte - und dabei nicht irgendwen, sondern den amtierenden Weltmeister Marc Marquez.

Marc Marquez spielt Doktor: Das war sein Ratschlag an Isack Hadjar

Hadjar verletzte sich beim Training in der Sommerpause das linke Handgelenk. Wann genau, ist nicht bekannt. Es muss unmittelbar vor dem Niederlande GP gewesen sein, denn Red Bull veröffentlichte im Vorfeld noch Promotionsmaterial mit dem jungen Franzosen. Er plante sogar, einen Helm mit Spezialdesign zu tragen. Hadjar-Ersatz Liam Lawson und Lawson-Ersatz Yuki Tsunoda wurden erst am Dienstag vor dem Zandvoort-Rennen über die Personal-Rochade informiert.

Der verletzte Red-Bull-Junior haderte mit sich, ob er nicht doch am ersten Rennen nach der Sommerpause teilnehmen sollte. Für eine Entscheidungshilfe wandte er sich an Marquez. Die beiden Motorsport-Stars kennen sich über ihren gemeinsamen Physiotherapeuten, Carlos J. Garcia.

"Ich bin natürlich kein Doktor", schiebt der Ducati-Star am Donnerstag des Aragon GP voraus. "Aber er hat mich nach Rat gefragt. Als Fahrer in dieser Situation ist es für dich sehr schwierig. Du hast manchmal das Gefühl: 'Vielleicht kann ich ja doch.' Es ist schwer zu akzeptieren, dass es besser ist, das Rennen auszulassen und sich dafür besser auf das nächste vorzubereiten. Genau das habe ich ihm gesagt."

Marquez spricht aus Erfahrung: "Ein Rennen zu verpassen, ändert nicht dein Leben"

Marquez ist gerade bei diesem Thema ein gebranntes Kind. Es ist keine Seltenheit in der MotoGP, dass Fahrer mit Knochenbrüchen oder anderen Verletzungen starten. Auch der heute neunfache Weltmeister war dessen nicht unschuldig. 2019 flog er beispielsweise beim Training zum Thailand GP heftig per Highsider ab und verbrachte die Mittagspause im Krankenhaus. Zum FP2 war er schon wieder auf dem Bike, das Rennen am Sonntag gewann er.

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Das änderte sich aber mit dem Saisonauftakt 2020. In Jerez verunfallte Marquez schwer und zog sich einen Oberarm-Bruch zu. Zwei Tage nach der Operation, bei der ihm eine Platte mit zwölf Schrauben eingesetzt wurde, saß er schon wieder auf seiner Honda. Ein fataler Fehler: Die Platte wurde beschädigt. Er brauchte noch drei Operationen und mehrere Monate Auszeit, um wieder bei einem Rennen teilzunehmen. Seine Performance erholte sich erst 2024.

"Ich habe in der Vergangenheit gelernt, dass ein Rennen zu verpassen, nicht dein Leben ändert", meint ein veränderter Marquez, der heutzutage nicht mehr verletzt fahren würde. "Deine Verletzung zu verschlimmern, weil du zu früh wieder fährst, kann dein Leben verändern. Meines hat sich seit meiner Jerez-Verletzung sehr geändert. Ich habe versucht, das an Isack weiterzugeben." Der Formel-1-Pilot hat den Rat des MotoGP-Fahrers befolgt und den Niederlande GP ausgesessen. "Ich denke, er hat die richtige Entscheidung getroffen, denn er hat noch eine lange Karriere vor sich."

Wann ist Isack Hadjar wieder zurück im Formel-1-Cockpit?

Nun steht jedoch die Frage im Raum, wie lange Hadjar ausfallen wird. Er war das ganze Wochenende vor Ort in Zandvoort und hat die Geschehnisse aus der Box verfolgt. Dabei trug der junge Franzose eine Stützschiene am linken Arm, keinen Gips. Das Ausmaß der Verletzung dürfte sich also in Grenzen halten. Ein offizielles Update gibt es nicht, aber gegenüber Sky Sports Germany sagte Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies: "Es ist noch zu früh, um etwas Definitives zu sagen. Aber es ist unser Ziel, ihn in Monza wieder zurückzuhaben."