Dass er für seine meisterhafte Fahrt von Platz 21 auf Platz sechs nicht den Titel "Fahrer des Tages" bekam, sehen viele Formel-1-Fans als große Ungerechtigkeit. Dennoch bestätigte Isack Hadjar in Belgien, dass er bereits jetzt zu den besten Teamkollegen von Max Verstappen zählt. Dass er es als Nummer zwei neben Red Bulls Goldjungen nicht leicht haben würde und dass schon viele vor ihm an dieser Rolle gescheitert sind, hatte Hadjar erwartet.
"Natürlich kommst du ins Team und weißt, wo du gelandet bist. Ich hatte definitiv Zweifel und Druck", macht er in Ungarn kein Geheimnis aus der Anspannung vor dem Teamduell. Er war sich bewusst, wer sein Gegner war. "Es ist Max. Er ist unglaublich. Das kann man nicht schönreden. Das war in meinem Kopf."
Hadjar ließ sich von Verstappens Vormachtstellung bei Red Bull aber nicht einschüchtern. Er schaffte es in seiner ersten Saison beim Top-Team bereits zweimal (Suzuka und Silverstone), seinen Teamkollegen aufgrund von reiner Pace auszuqualifizieren. Das gelang zuletzt Sergio Perez im Jahr 2022. Hadjar zieht ein gutes Saisonfazit: "Ich bin nicht überrascht von mir selbst, um ehrlich zu sein. Ich fahre auf einem höheren Level als letztes Jahr. Das ist normal. Es ist meine zweite Saison. Ich habe nicht viel Erfahrung, aber ich verbessere mich."
Hadjar auf Punkteserie: Endlich Konstanz gefunden
Nach einem Motorschaden in Australien und einem Ausfall nach einem Fahrfehler in Miami ist Hadjar seit dem Kanada GP auf einer starken Punkteserie. Das einzige Rennen, bei dem er außerhalb der Punkteränge über die Ziellinie kam, war der Japan Grand Prix. Damit platziert er sich in der WM-Wertung auf Platz acht, 31 Punkte hinter Verstappen.
"Die ersten Runden waren schwierig. Ich habe das Gefühl, dass ich die leichten Sachen falsch gemacht habe und die schweren – schnell sein, in den Rhythmus kommen und nicht zu weit weg von Max zu sein – habe ich gut gemacht", beschreibt der junge Franzose. Mit "leichten Sachen" meint er das Handling des Boost-Systems und das komplexe Energiemanagement, das die Teams selbst noch nicht wirklich verstehen.
"In den letzten Rennen habe ich etwas Konstanz gefunden und das Team hat einige Probleme gelöst, um uns das Leben leichter zu machen", freut sich Hadjar über den Performance-Aufschwung. "Es ist viel einfacher, wenn das Auto zuverlässig ist, wenn es performt. Dann holt man leichter Resultate."
Red Bull hat Aufholbedarf: Diese Punkte fehlen Hadjar noch
Trotz der allgemeinen Zufriedenheit fehlt ihm für seine erste Saison beim A-Team noch ein Haken auf seiner Liste: "Ich würde gerne ein Rennen haben, bei dem ich um ein echtes Podium kämpfen kann." In Monaco war Hadjar ursprünglich Dritter und holte seinen ersten Podestplatz mit Red Bull. Doch die Strafe von Pierre Gasly wurde nachträglich zurückgenommen und er musste den Pokal an seinen Landsmann übergeben.
Ermutigend ist, dass Hadjar gut mit dem schwer zu bändigenden RB22 auskommt: "Es ist ein Auto, das ich gut im Griff habe. Es ist nicht leicht zu fahren, aber es ist zuverlässig. Ich konnte in den letzten Runden das Maximum herausholen." Plötzliche Abflüge wegen des 'Macarena'-Heckflügels wie Verstappen hatte er nicht.
Ganz zufrieden ist er aber auch nicht: "In einigen Bereichen fehlt uns die Konkurrenzfähigkeit im Gegensatz zu Ferrari und Mercedes. Wir haben schon einen guten Schritt vorwärts gemacht, aber wir müssen noch tiefer graben."

Für den letzten Sprung kommt die Sommerpause nach dem Ungarn GP wie gerufen. "Es gibt viele Dinge, die wir an unserem Auto nicht verstehen. Fast jedes Wochenende ein Rennen zu fahren, ist da wenig hilfreich. Hoffentlich können wir in Zandvoort mit mehr Antworten zurückkommen", wünscht sich Hadjar.
Persönlich will er an seiner Renn-Pace arbeiten: "Max ist an Sonntagen immer beeindruckend. Seine Pace auf eine Runde ist sehr gut, aber wie er die Rennen managt, ist ein komplett anderes Level. Darin will ich mich noch verbessern." Dafür wird er sich im Sommer für einige Runden an seinen Simulator zuhause setzen. Nachdem er etwas entspannt hat, natürlich, denn: "Es wird eine harte zweite Saisonhälfte."



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