Herr Haupt, ein GT3-Team ist immer auch ein Wirtschaftsunternehmen und muss auf die Zahlen schauen. Wie ist HRT da aufgestellt?
Hubert Haupt: Sehr gut. Ohne ins Detail zu gehen, kann ich sagen, dass das Team 2026 sowohl sportlich als auch wirtschaftlich besser dasteht als im Vorjahr. Wie Sie wissen, ist Ulrich Fritz seit April 2026 auch Gesellschafter. Er hat das Team in den vergangenen Jahren gezielt weiterentwickelt: vom Ausbau des professionellen Rennbetriebs, über die Etablierung der HRT RACE BASE am Nürburgring, bis hin zur strategischen Partnerschaft mit Ford Racing.

Warum hat sich das Team Ende 2024 nach jahrelangen Kundensporteinsätzen von Mercedes-AMG getrennt und ist zu Ford gewechselt?
Hubert Haupt: Unser Ziel war es, kontinuierlich zu wachsen und uns stärker in Richtung Werksteam statt Kundenteam zu entwickeln. Die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung im damaligen Umfeld waren für uns begrenzt. Deshalb haben wir uns bewusst für diesen strategischen Schritt mit Ford Racing entschieden.

HRT-Gründer Hubert Haupt beim 24h-Rennen Nürburgring
HRT-Gründer und Namensgeber Hubert Haupt beim 24h-Rennen Nürburgring, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

Zuletzt machten Gerüchte die Runde, dass mehrere Ingenieure, die für HRT auch in der DTM tätig sind, gekündigt haben und das Team zum Saisonende verlassen. Darunter der langjährige Technische Direktor Laurent Fedacou. Können sie das bestätigen?
Hubert Haupt: Ich bin seit 30 Jahren Unternehmer. In den Unternehmen, die ich geführt habe, haben mehrere hundert Menschen gearbeitet. Da gibt es immer einen gewissen Grad an Fluktuation. Mitarbeiter kommen und gehen. Das ist Teil des normalen Geschäftsalltags.

Gerüchten zufolge stand ihr HRT-Team Ende 2024 vor dem DTM-Aus. Was war dran an diesen Spekulationen?
Hubert Haupt: Das angebliche "HRT-Aus" stand zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion. Wenn man mehr als zehn Millionen Euro in ein Unternehmen investiert hat, gibt man dieses nicht einfach auf. Unser Ziel war und ist es vielmehr, HRT wirtschaftlich effizienter und erfolgreicher aufzustellen. Mit der langfristigen Partnerschaft mit Ford Racing sehen wir dafür sehr gute Perspektiven. Und mein Immobilienunternehmen ist finanziell solide aufgestellt. Wir sind eines der wenigen Projektentwicklungsunternehmen, das 2026 drei Großprojekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 200 Millionen Euro realisiert. Dabei setzen wir gezielt auf krisenresistente Immobilienkonzepte, unter anderem im Bereich der Nahversorgung und bei Kleinappartements im Münchner Stadtteil Schwabing.

Arjuni Maini und Finn Wiebelhaus bei der DTM
HRT tritt mit Finn Wiebelhaus und Arjun Maini in der DTM 2026 an, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

Im Motorsport hängt vieles vom finanziellen Engagement der Partner ab. Wie ist hier die Philosophie von HRT?
Hubert Haupt: Neben der bereits erwähnten, engen Kooperation mit Ford Racing arbeitet HRT mit mehr als 15 Partnern zusammen. Es gibt jedoch bewusst keinen dominanten Partner oder Sponsor. Als Unternehmer habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass gemischte Strukturen sehr viel flexibler und resilienter sind. Bei HRT hat kein einzelner Partnerschaftsvertrag eine Größenordnung, die für das Unternehmen kritisch wäre. Diese Unabhängigkeit ist für uns seit jeher sehr wichtig.

Die Finanzierung eines Teams ist wichtig für den Erfolg, ein mindestens ebenso entscheidender Faktor ist das technische Know-how. Wie krisenfest ist HRT hier aufgestellt?
Hubert Haupt: Es gibt Teams, die sehr stark von einzelnen Personen abhängig sind. Das ist so, weil das Wissen dort kaum geteilt wird und es auch keine strukturierte Sicherung des Know-hows gibt. Bei HRT ist das anders! Uns war es schon immer wichtig, dass das Wissen im Unternehmen verfügbar ist und nicht nur in einzelnen Köpfen steckt. In den vergangenen zwei Jahren ist mit dem Ford Mustang GT3 eine sehr belastbare Datenbasis entstanden. Jeder Kilometer aus Tests, Rennen und Simulationen fließt in zentrale Systeme ein. Diese Daten, dieses Wissen gehört dem Unternehmen und bleibt auch im Unternehmen. Das ist ein großer struktureller Unterschied zu vielen anderen Teams.

HRT-Gründer Hubert Haupt und Uli Fritz
HRT-Gründer Hubert Haupt mit Geschäftsführer/Gesellschafter Uli Fritz, Foto: Gruppe C Photography

Wie ist generell der strukturelle Aufbau von HRT?
Hubert Haupt: Es gibt drei Säulen. Erstens: Die werkseitige Unterstützung durch Ford. Das ist ein wichtiges Fundament, weil technische Entwicklung dadurch planbarer wird. Zweitens: Ein umfangreiches Kundenprogramm über mehrere Serien hinweg. Das trägt das Team wirtschaftlich und sorgt gleichzeitig für Kilometer, Daten und Erfahrung. Drittens: Unser Nachwuchsbereich. Wir fördern junge Fahrer, bereits aus dem Kartsport heraus, und bauen sie Schritt für Schritt auf - mit dem Ziel, dass sie später für HRT in internationalen Serien fahren können.

Wie stellt sich das Team für die Zukunft auf?
Hubert Haupt: Auf der technisch-operativen Ebene werden wir noch mehr im Bereich der KI-gestützten Prozessoptimierung aktiv sein und verstärkt Simulationen nutzen, um mehr Performance aus den Fahrzeugen zu holen. Auf der personellen Ebene werden wir uns weiter verstärken. Genau das passiert gerade. Wir betrachten Veränderungen dieser Art immer als Chance. Zugegeben, es ist nicht leicht, gute Leute zu bekommen. Aber die Performance des Teams und des Fahrzeugs war 2026 sehr gut sichtbar, weshalb wir zahlreiche Anfragen erhalten - sowohl von Menschen, die für HRT arbeiten wollen, als auch von Fahrern, die in der kommenden Saison für HRT fahren möchten. Das ist der beste Indikator dafür, wie ein Team am Markt wahrgenommen wird.

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Wie sieht das sportliche Programm 2027 aus?
Hubert Haupt: Der Kurs bleibt klar auf Wachstum ausgerichtet. Geplant sind Einsätze in der DTM, im GT Masters, beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, inklusive der entsprechenden Vorbereitungsrennen, sowie im Endurance Cup der GT World Challenge. Darüber hinaus sind Einsätze in der GT Summer und Winter Series vorgesehen. Weitere internationale Serien werden geprüft. HRT ist mittlerweile sportlich sehr breit aufgestellt. Genau diese Breite erlaubt es dem Team, im Interesse der Mitarbeitenden und aller Partner langfristig zu planen.

Der ADAC möchte die DTM weiterentwickeln. Wie könnte HRT dazu beitragen und wäre damit auch ein möglicher Return on Investment verbunden?
Hubert Haupt: Ein wichtiger Schritt wäre aus unserer Sicht die Vergabe langfristiger Lizenzen an etablierte und loyale Teams, wie dies in anderen Rennserien bereits erfolgreich praktiziert wird. Eine limitierte Anzahl von Teams schafft zusätzliche Exklusivität und damit einen höheren wirtschaftlichen Wert. Langfristig sollte das Ziel sein, die Einsatzkosten durch Sponsoren, Preisgelder und neue Erlösquellen möglichst vollständig abzudecken. Gleichzeitig würde der Wert der Teams steigen und damit auch Investitionen attraktiver machen.

HRT-Gründer Hubert Haupt beim 24h-Rennen Nürburgring
Haupt mit seinen 24h-Teamkollegen David Schumacher, Vincent Kolb und Colin Caresani, Foto: Gruppe C Photography

Werden Sie selbst im kommenden Jahr auch wieder bei Rennen wie den 24 Stunden vom Nürburgring an den Start gehen?
Hubert Haupt: Selbstverständlich werde ich weiterhin an Rennen teilnehmen und 2027 auch wieder bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring antreten.

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