Lando Norris schwimmt in der Formel 1 aktuell auf einer Welle des Erfolgs und des Selbstvertrauens. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und dieser liegt aktuell bei McLaren auf der Garagenseite von Oscar Piastri. Der WM-Dritte des Vorjahres wartet seit mittlerweile einem Jahr auf einen Rennsieg und kann gegen Norris keinen Stich setzen.
Das Zandvoort-Wochenende illustrierte den bisherigen Saisonverlauf dahingehend recht gut. Dort war Piastri im Qualifying zwar hinter Norris, aber mit weniger als eineinhalb Zehntelsekunden fiel die Differenz nicht dramatisch aus. Im Rennen musste er allerdings vollkommen abreißen lassen und wurde letztendlich mit 32 Sekunden Rückstand nur Sechster. Ein Abstand, der sich nicht nur auf einen langsamen Boxenstopp und den dadurch verursachten Positionsverlust gegen George Russell zurückführen lässt.
Zum Vergleich dazu die bisherige Saison: Piastri liegt im Qualifying-Duell mit 4:13 klar zurück, verlor dabei aber im Schnitt nur 0,09 Prozent pro Runde auf Norris. Auf eine durchschnittliche Runde sind das grob umgerechnet 0,07 Sekunden. In der Punktetabelle ist Norris seinem Teamkollegen 55 Zähler voraus, und das, obwohl der Brite einmal öfter technisch bedingt ausgefallen ist. Besonders dramatisch fällt das Bild mit Blick auf die Europa-Saison aus. Abgesehen von Monaco war Piastri bei keiner einzigen Qualifikation vorne. 101 Punkte von Norris stehen in dieser Zeit 56 von Piastri gegenüber.
Lando Norris vs. Oscar Piastri: Qualifying-Statistiken
| Qualifying | NOR | PIA |
|---|---|---|
| Duell | 13 | 4 |
| Ø Durchschnittl. Vorsprung/Rückstand | -0,09% | 0,09% |
| Ø Platz | 4,0 | 5,4 |
Andrea Stella: Piastris Probleme eine Frage des Fahrstils
Wieso muss der Titelkandidat und langzeitige Tabellenführer des Vorjahres so abreißen lassen? Manche Beobachter vermuten, dass er psychologisch immer noch vom verlorenen WM-Kampf gezeichnet ist. Teamchef Andrea Stella glaubt nicht an diese Theorie. Er denkt, dass es keineswegs eine mentale Angelegenheit ist, sondern eine Sache des Fahrstils. "Es ist einer jener Fälle, wo man seinen natürlichen Fahrstil an die Anforderungen des Autos anpassen muss. Ich denke deshalb, dass es im Bereich des Fahrerischen und der Technik liegt. Ich denke nicht, dass es etwas mit den psychologischen Aspekten zu tun hat", ist Stella überzeugt.
Schon 2025 hatte es einzelne Rennwochenenden gegeben, an denen Piastri nicht so richtig in Fahrt kam und weit hinter Lando Norris herhinkte. Vor allem Mexiko oder Austin machten Probleme - zwei Strecken, die eine Gemeinsamkeit aufweisen, nämlich ein niedriges Gripniveau. Die neue Fahrzeug-Generation 2026 geht in genau diese Richtung: Weniger mechanischer Abtrieb und damit auch weniger Haftung. Das betont die Schwachstelle des Australiers.
"Wenn das Auto wenig Grip hat, so wie wir es etwa letztes Jahr in Mexiko oder in Austin gesehen haben, dann muss er seinen Fahrstil anpassen, sein Denken anpassen und seine Erwartungen anpassen", so Stella über Piastri, "und das erfordert etwas mentalen Aufwand, durch den er dann ein paar Zehntelsekunden verliert, weil man das verarbeiten muss, anstatt nach purem Instinkt zu fahren."
Oscar Piastri vs. Lando Norris – Die Renn-Statistiken
| Rennen | NOR | PIA |
|---|---|---|
| Duell | 6 | 5 |
| Ø Platz | 3,9 | 5,8 |
| Siege | 2 | 0 |
| Podien | 4 | 2 |
| Top-5 | 7 | 6 |
| DNS/DNF | 3 | 3 |
| Punkte | 127 | 83 |
| Sprint | NOR | PIA |
| Siege | 1 | 0 |
| Ø Platz | 2,6 | 4,8 |
| Punkte | 32 | 21 |
Kann Oscar Piastri das Ruder herumreißen?
Piastri befindet sich aktuell in seinem vierten Jahr in der Formel 1. Bei Lando Norris dauerte es bis zur zweiten Hälfte seiner siebten F1-Saison, ehe er einige fundamentale Veränderungen vornahm, die den späteren Formel-1-Weltmeister fahrerisch auf ein neues Level hoben. Dementsprechend wundert es nicht, dass Stella nach wie vor daran glaubt, dass Piastri das Ruder herumreißen kann: "Es ist aus seiner Sicht sehr brutal. Wir müssen einfach mit Oscar an allen Möglichkeiten arbeiten."
Zandvoort sei schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, nachdem in Ungarn der Abstand auf eine Runde noch deutlich größer ausgefallen war. "Ich bin glücklich mit den Verbesserungen, die wir an diesem Wochenende gesehen haben und ich bin mir sicher, dass in der restlichen Saison noch mehr kommen wird", gab sich der Italiener optimistisch.



diese Formel 1 Nachricht