In seinem siebten Jahr mit McLaren gelang Lando Norris 2025 das Meisterstück: Er krönte sich im Finale zum Formel 1-Weltmeister. Obwohl Norris gegen Saisonende hin nicht mehr das absolut stärkste Auto im Feld hatte und durch Rückschläge wie die Disqualifikation in Las Vegas unter Druck geriet, bewies er in Abu Dhabi im entscheidenden Moment die Härte eines Champions. Trotzdem blieb aufgrund der wiederkehrenden Frage, ob Lando Norris ein würdiger F1-Weltmeister ein fader Beigeschmack.

Kurioserweise hat er ausgerechnet 2026 - in einer Saison, in der McLaren als Team hinter den Erwartungen zurückblieb – den letzten Zweiflern die passende Antwort geliefert. Und das trotz der Tatsache, dass er vor seinen beeindruckenden Siegen in Ungarn und Zandvoort bei den zehn zuvor ausgetragenen Grands Prix nur zweimal den Sprung auf das Podium schaffte. "Lando fährt aktuell auf dem absoluten Niveau eines Weltmeisters", lobte McLaren-Teamchef Andrea Stella. "Was mir an Landos Weg in der Formel 1 am meisten gefällt, ist, dass er sich kontinuierlich weiterverbessert. Es ist fast so, als würde ich zusehen, wie Lando von Rennen zu Rennen stärker wird."

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Norris: Comeback der Quali-Stärke

Vor allem im Qualifying hat Norris 2026 wieder zu seiner alten Stärke zurückgefunden. Der Brite galt jahrelang als einer der besten Qualifyer im Feld im gesamten Feld - was aufgrund des unterlegenen Mittelfeld-Materials zumeist unbeachtet blieb. Zwischen 2019 und 2024 war er in insgesamt 138 (Sprint-)Qualifyings 98-mal schneller als sein jeweiliger Teamkollege. Mit acht Pole Positions war er 2024 sogar Max Verstappen ebenbürtig und mit einem durchschnittlichen Startplatz von 3,5 der zweitbeste Pilot im Feld.

Jahrvs.StandVorsprung
2019Carlos Sainz11 zu 10- 0,069
2020Carlos Sainz9 zu 8- 0,000
2021Daniel Ricciardo15 zu 6- 0,425
2022Daniel Ricciardo20 zu 1- 0,479
2023Oscar Piastri19 zu 9- 0,192
2024Oscar Piastri24 zu 6- 0,213

Doch zu Beginn des Jahres 2025 kippte seine Qualifying-Stärke. "Wenn wir an den Beginn der Saison 2025 denken, war das Qualifying zu einem gewissen Grad zu einer Sorge geworden, die er erst überwinden musste", erinnert sich Stella an die ersten sechs Qualifyings (fünf GPs, ein Sprint), in denen Oscar Piastri im Schnitt 0,185 Sekunden schneller war. In der aktuellen Saison 2026 drehte Norris dieses Kräfteverhältnis wieder zu seinen Gunsten. "Wenn die Bedingungen so sind, dass das Auto im Rennen rutscht – wenn also wenig Grip vorhanden ist –, dann ist Lando der absolute Meister unter diesen Bedingungen", betont Stella. Der aktuelle teaminterne Vergleich unterstreicht das:

Qualifyingduell 2026: Lando Norris vs. Oscar Piastri

QualifyingNORPIA
Duell134
Ø Durchschnitt. Rückstand-0,09%0,09%
Ø Platz45,41
Q3-Teilnahmen17 von 1717 von 17
Q2-Teilnahmen17 von 1717 von 17

In Zandvoort konnte Norris den entscheidenden Unterschied machen, indem er im Rennen mehr aus der harten Reifenmischung herausholte als die Konkurrenz. Mit zwei bärenstarken Stints auf dem Hard zwang er Kimi Antonelli zu einem verfrühten Boxenstopp, baute danach einen Reifenvorteil auf und zog beim Anbremsen von Kurve 1 (Tarzanbocht) außen am aktuellen WM-Leader vorbei.

Norris gilt traditionell in Bedingungen stark, in denen die Strecke wenig Grip bietet oder Reifen im Spiel sind, die nur schwer in ihr optimales Arbeitsfenster zu bringen sind. "Das ist sein natürliches Terrain – Bedingungen, unter denen er seinen natürlichen Fahrstil perfekt zum Ausdruck bringen kann", analysierte Stella.

Wandel vom zweifelnden F1-Piloten zum souveränen Weltmeister

Darüber hinaus zeigt sich bei Norris ein gewachsenes Selbstbewusstsein, das mit für ihn völlig ungewohnten Aussagen einhergeht: "Ich bin keiner, der sich selbst auf ein Podest stellen will – normalerweise bin ich das komplette Gegenteil. Aber ich habe aktuell das Gefühl, dass ich einen besseren Job mache als alle anderen", tönte der Brite nach seinem Zandvoort-Triumph. Mit diesem Sieg schloss er in der ewigen F1-Siegerliste zu Ferrari-Legende Alberto Ascari und David Coulthard auf. Ein weiterer Erfolg hebt ihn in die Riege von Ikonen wie Graham Hill, Jack Brabham und Emerson Fittipaldi.

Wie bei vielen seiner Vorgänger scheint der WM-Titel 2025 die Last von den Schultern des Briten genommen zu haben. Andrea Stella erklärt, wo er bei Norris die größte Veränderung festgestellt hat: "Ich würde sagen, dass er beim Fahren definitiv ein höheres Maß an Entschlossenheit zeigt."

"Lando strahlt mehr inneres Selbstvertrauen aus." Für ihn zeigt sich dieses Selbstvertrauen keineswegs durch eine überaggressive Fahrweise – ganz im Gegenteil: "Manchmal zeigt sich wahres Selbstvertrauen darin, dass man denkt: 'Weißt du was, ich gehe diesen Zweikampf jetzt in Runde 1 nicht mit aller Gewalt ein, weil ich dabei das Auto beschädigen könnte. Das Rennen ist noch lang. Wir sehen uns im Ziel wieder.' Es geht um dieses tiefe Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – genau das gefällt mir."

Norris Erfolge in Budapest und Zandvoort waren dafür der beste Beweis: In beiden Rennen verlor der McLaren-Pilot am Start zunächst seine Pole Position und lag nach der ersten Runde nur auf Rang zwei. "Aber ich habe keinerlei Rückgang seines Selbstvertrauens wahrgenommen. Er blieb ruhig, vertraute auf seine Renn-Pace und hat seine Gelegenheit vorbereitet, um später seine Überlegenheit auszuspielen", lobt Stella. "Entschlossenheit und Reife sind die beiden Eigenschaften, die er seit seinem Titelgewinn am stärksten weiterentwickelt hat."

F1-Saison 2026: Lando Norris vs. Oscar Piastri

RennenNORPIA
Duell65
Ø Platz3,895,78
Podien42
Top-575
Top-1097
DNF33
Punkte12783