Monza ist für die Formel 1 grundsätzlich schon eine legendäre Strecke. Für einen Ferrari-Fahrer ist es ein regelrecht heiliger Ort. Lewis Hamilton bemüht sich am Donnerstag vor dem Italien-GP 2026, dem gerecht zu werden. Es ist ein Auftritt, der seinesgleichen sucht, inklusive Ferrari F40, vielen Emotionen und Rückblick auf Michael Schumacher.

"Ferrari ist Ferrari, für Italiener ist es, soweit ich weiß, der Papst und Ferrari, und Pasta, Pizza und Familie", erklärt Hamilton. Halb im Scherz, halb im Ernst. "Ich meine, für mich persönlich - ich nehme es ernst. Es ist so eine phänomenale Erfahrung, Teil dieser Marke zu sein, und zu sehen, wie sie über den Sport hinausreicht und Leute auf der ganzen Welt berührt."

Lewis Hamilton kommt mit seinem Ferrari F40 am Donnerstag in Monza an der Strecke an
Lewis Hamilton fährt in seinem Ferrari F40 in Monza vor, Foto: IMAGO / PsnewZ
Lewis Hamilton kommt mit seinem Ferrari F40 am Donnerstag in Monza an der Strecke an
Hamilton steigt aus dem Ferrari, Foto: IMAGO / PsnewZ
Lewis Hamilton kommt mit seinem Ferrari F40 am Donnerstag in Monza an der Strecke an
Hamilton präsentierte sich auch standesgemäß in Anzug und Mantel, Foto: IMAGO / NurPhoto

Dem Ferrari-Stil gerecht werden heißt für Hamilton, dass er sich kurz vor seinem zweiten Auftritt als Pilot der Scuderia bei ihrem Heimrennen in Monza endlich einen Kindheitstraum erfüllt hat. Er hat sich einen Ferrari F40 gekauft. Ein in den 1980ern designter Supersportwagen, der bis heute eines der ikonischsten Autos des italienischen Herstellers ist. "Ich erinnere mich, als Kind hatte ich alle diese Autos, und der rote F40 war darunter. Es schien so abwegig, dass ich je eine Chance haben würde, einen zu bekommen."

Für Hamilton war das daher schon immer eine ernste Angelegenheit. Lange behielt er den Markt im Auge: "Viele wurden über die Jahre versteigert, manche auch mit wenig Kilometern, aber ohne besondere Story, oder sie wurden neu lackiert, oder so etwas." Das wollte er nicht. Dieses Jahr war es endlich so weit. "Ich fand einen, den der Eigentümer gekauft hat, 69 Kilometer damit von Maranello zu seinem Haus gefahren ist, ihn dort abgestellt und nie wieder gestartet hat."

Hamilton kauft verstaubten Schicksals-F40 mit Motor Nummer 44

Hamilton holte den verstaubten F40 aus der Garage. Überlegte erst, ihn so zu belassen, quasi als Kunstobjekt: "Dann habe ich ihn restaurieren lassen, weil ich ihn fahren wollte. Weil ich realisiert habe - und das ist ziemlich verrückt, ich könnte falsch liegen, aber ich glaube, es stimmt -, dass kein Ferrari-Fahrer je in einem der coolsten Autos hier angekommen ist, diese Ikonen, GTO, F40. Und ich dachte mir: Das muss sein."

Lewis Hamilton kommt mit seinem Ferrari F40 am Donnerstag in Monza an der Strecke an
Hamiltons F40 mit passender Nummerntafel, Foto: IMAGO / NurPhoto

Hamilton hatte im Vorjahr schließlich bereits erst sein erstes Fotoshooting in Maranello mit einem F40 vor dem Haus von Enzo Ferrari absolviert, außerdem in Japan an einem F40-Projekt teilgenommen und ein spektakuläres Video produziert: "Ich habe das einem der Leute weiter oben [im Konzern] gezeigt, und sie meinten: Oh, vielleicht kannst du nächstes Jahr den [neuen Elektro-Ferrari] Luce nehmen. Und ich meinte nur: Das ist nicht dasselbe wie ein F40, wisst ihr? Die Nostalgie, die ikonischen Kurven und Linien aus der Zeit, es gibt nichts wirklich Vergleichbares."

Als Hamilton dann endlich seinen eigenen F40 hatte, fand man beim Säubern und Restaurieren auch noch heraus, dass es der Motor mit der Seriennummer 44 war, Hamiltons Startnummer: "Ich konnte es nicht glauben. Ich dachte erst, sie würden mich anlügen. Es fühlt sich absolut wie Schicksal an. Und es war eine richtige Chance, die Geschichte von Ferrari in ihrem Heimatland bei ihrem Rennen zu präsentieren."

Dafür hat Ferrari letztendlich Hamilton auch geholt - für so ein Spektakel: "Ich liebe es, kreativ zu sein, Konzepte zu erstellen, die den meisten nicht einfallen. Das erste Bild, das wir im ersten Jahr bei Ferrari gemacht haben, das war mein Konzept, meine Kreation, und dieses Wochenende ist das auch der Fall. Ich hatte diese Idee, mit diesem Stil aufzutreten, mit diesem Anzug, als Hommage an den Sport, aber auch einfach für diesen Moment, weil es den nie wieder geben wird."

Lewis Hamilton bei seinem Ferrari-Antrittsbesuch 2025 vor dem Haus von Enzo Ferrari und einem Ferrari F40 in Fiorano.
Lewis Hamiltons spektakulärer erster Ferrari-Shoot 2025, Foto: Scuderia Ferrari HP
Lewis Hamilton kommt mit seinem Ferrari F40 am Donnerstag in Monza an der Strecke an
Hamilton, nun endlich auch mit dem eigenen F40, Foto: IMAGO / PsnewZ

Lewis Hamilton kämpft im Schumacher-Design um Ferrari-Heimsieg

Mit dem donnerstäglichen Auftritt hat das dritte Rennen von Hamilton in Italien (nach Imola und Monza 2025) daher immer noch nichts von seinem Glanz verloren. Außerdem verbleibt immer noch der Traum eines Sieges vor den Tifosi in Rot. Fünfmal hat Hamilton in Monza schon gewonnen, aber eben nicht mit Ferrari: "Das hier zu schaffen wäre phänomenal."

Hinzu kommt, dass Hamilton in Monza aktuell gleichauf mit Ferrari-Legende Michael Schumacher liegt, beide haben hier je fünf Siege: "Der Gedanke, dass es hier ein erstes Mal für mich gäbe, wenn ich gewinne, dass ich in neues Territorium vorstoßen würde..." Auch hier mag man schon fast von Schicksal sprechen. 2026 fährt Ferrari nämlich in Monza eine Sonderlackierung im Stil der Schumacher-Ferraris der 90er.

Schumacher-Erinnerung am Hamilton Auto
Lewis Hamiltons Startnummer im Monza-Schumacher-Design, Foto: Scuderia Ferrari HP

"Ich erinnere mich nur an Michael im roten Auto, und wenn ich Computerspiele gespielt habe, dann war ich immer Michael im Ferrari und wollte mir nur vorstellen, wie es wäre, in seine Fußstapfen zu treten, und dieses Privileg habe ich jetzt", so Hamilton. Ist der Sieg in Monza 2026 für ihn möglich? Das Schicksal hilft noch einmal etwas nach, denn WM-Leader Kimi Antonelli wird das Feld wegen einer Motorstrafe von hinten aufrollen müssen.

Ferrari bringt währenddessen ein weiteres kleines Motor-Update, um das bekannte Leistungsdefizit zumindest zu reduzieren. "Ich glaube fest daran, dass wir haben, was es braucht, um zu gewinnen", schwört Hamilton. Auch wenn es nicht einfach wird, gegen die starke Konkurrenz: "Das ganze Kollektiv muss zusammenkommen. Nicht nur ein Ding, alles muss von Beginn an laufen."

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