Ein Rückstand von mehr als vier Prozent bei der Motorleistung ist eine Zahl, die schmerzt. Nach dem Grand Prix der Niederlande veröffentlichte die FIA die zweite Welle der ADUO-Zugeständnisse (Additional Development and Upgrade Opportunities) und bestätigte damit, was in Maranello bereits bekannt war: Bei Ferrari sitzt der Teufel weiterhin im Heck.

"Das größte Thema, das wir heute noch haben, ist wahrscheinlich der Motor", spricht Teamchef Fred Vasseur im exklusiven Interview in der neuesten Motorsport-Magazin Print-Ausgabe #110 offen über die Probleme seines Teams.

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ADUO-Zugeständnisse bestätigen Ferrari-Defizit

Dass Ferrari im Bereich des Motors hinterherhinkt, überrascht innerhalb des Teams aber niemanden. Denn der Rückstand ist nicht allein auf mangelnde Leistung zurückzuführen, sondern teilweise das Ergebnis bewusst kalkulierter Risiken. "Dazu muss man auch sagen, dass wir beim Motor einige Zugeständnisse für das Chassis eingegangen sind", erklärt Vasseur. "Egal ob bei der Kühlung, bei der Größe der Batterie, beim Gewicht oder sonst wo. Man muss einfach überall Kompromisse eingehen."

Bisher konnte die Scuderia ihr Defizit auf den Geraden jedoch mit ihrem herausragenden Chassis wettmachen. Ferrari startete mit einem der besten, wenn nicht sogar dem besten Chassis des gesamten Formel-1-Feldes in die neue Saison. Der SF-26 glänzte bislang mit starker Aerodynamik, schnellen Starts und einer bemerkenswert treffsicheren Entwicklung. Alle Updates der Scuderia funktionierten auf Anhieb und korrelierten perfekt mit den Windkanaldaten. Das beste Beispiel dafür liefert der allseits bekannte Macarena-Flügel. Doch Vasseur weiß, dass ein Top-Chassis allein keine Titel gewinnt.

"Oftmals denkt man, dass die Performance nur von der Aerodynamik kommt", so der Teamchef. "Aber in der Realität kommt die Performance überallher. Sicherlich trägt die Aerodynamik einen Teil dazu bei, aber die Leistung kommt auch vom Fahrwerk, von der Zuverlässigkeit, von den Boxenstopps, von der Strategie, von der Vorbereitung, von der Qualität des Autos und noch vielem mehr."

Entscheidend ist am Ende also nicht eine einzelne Stärke, sondern das optimale Gesamtpaket und die Balance zwischen den Komponenten. "Es macht keinen Sinn, im Windkanal ein Mega-Auto zu entwickeln, das dann auf der Strecke nicht abliefert", betont Vasseur.

Mercedes ist Benchmark - doch Vasseur sieht Ferrari auf Kurs

Wer diese Balance in der aktuellen Saison am besten hinbekommen hat, ist Mercedes. Das Team hat weder das beste Chassis noch den leistungsstärksten Motor, führt durch seine konstant starke Performance jedoch beide Meisterschaftswertungen mit deutlichem Vorsprung an. Doch Vasseur bleibt davon unbeeindruckt: "Dass Mercedes einen Schritt vor uns ist, ist keine Überraschung. Das wissen wir seit einem Jahr."

Statt ausschließlich auf die Konkurrenz zu schauen, konzentriert sich Ferrari daher auf die eigene Entwicklungskurve. Fortschritte sieht Vasseur dabei nicht nur am Auto selbst, sondern auch bei den operativen Abläufen an der Strecke.

"Ich denke, wir haben in allen Bereichen einen Schritt gemacht", lobt der Ferrari-Teamchef seine Mannschaft. "Die Zuverlässigkeit ist gut, bei der Strategie haben wir uns deutlich gesteigert und auch bei den Boxenstopps haben wir den schnellsten absolviert und sind im Schnitt gut dabei."

Das Fundament bei Ferrari steht damit. Nun muss die Scuderia aber vor allem das Motorendefizit reduzieren. Gelingt ihr das, könnten Charles Leclerc und Lewis Hamilton Mercedes im Kampf um die Weltmeisterschaft noch ernsthaft unter Druck setzen.

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