Für das große Heimrennen in Monza ist die grundsätzliche Ausgangslage für Ferrari schlecht. Es ist wohl bekannt, dass der neue 2026er-Motor in Sachen Leistung der Formel-1-Konkurrenz hinterherhinkt. Um sich beim Italien-GP besser aus der Affäre zu ziehen, können aber drei Dinge helfen: ein Motor-Update. Erfahrungen der letzten Power-Strecken. Und ein Opfer von Charles Leclerc.
Das Motor-Update ist zuerst einmal fix. Zum zweiten Mal in diesem Jahr bringt Ferrari ein reines Performance-Update im Rahmen der ADUO-Zugeständnisse, die man dafür erhalten hat, dass man bei der Leistung des Verbrennungsmotors über vier Prozent hinter der Benchmark Red Bull zurückhinkt. Große Sprünge sind mit solchen ADUO-basierten Updates aber nicht zu erwarten.
So ein Update ist kein komplett neuer Motor. Man wählt bloß ein einziges Teil aus einer langen Liste aus, und nur dieses eine Teil darf man verändern. Die dadurch entstandenen Leistungs-Zuwächse halten sich in Grenzen. Für das erste Update in Österreich kursierten Zahlen im Bereich von 5 PS, beim Monza-Update (das letzte für diese Saison erlaubte) machten Werte bis zu 15 PS die Runde.
Das schließt die Lücke zur Konkurrenz nicht. Aber sie wird wenigstens kleiner. "Sie machen einen großartigen Job, um abzuliefern, und es ist ein Schritt vorwärts", lobt Lewis Hamilton sein Team. "Ich glaube absolut, dass wir haben, was es braucht, um zu gewinnen." Trotzdem geht Ferrari speziell in Monza absolut davon aus, dass besonders das Mercedes-Werksteam sowie deren Motorkunde McLaren wegen ihrer besseren Motoren mit besseren Karten ins Wochenende gehen.
Ferrari zeigt in Silverstone & Spa auf: Gute Vorzeichen für Monza?
Ferraris Leistung auf anderen Power-Strecken wirft rückblickend jedoch Fragen auf. In Silverstone und Spa war man vorab von einem Defizit von einer halben Sekunde ausgegangen. Dann aber gewann Charles Leclerc in Silverstone und wurde Zweiter in Spa. Klar, in beiden Fällen war dort Glück mit Safety Car und Mercedes-Problemen dabei, aber der Ferrari war in diesen beiden Rennen nah genug dran, um Mercedes unter Druck zu setzen und von solchen Situationen zu profitieren.
"Das war kein Zufall", versichert Leclerc am Donnerstag in Monza gegenüber Motorsport-Magazin.com. Ferraris Vorteil kann sein, dass man wiederholt in diesem Jahr sich sehr schnell bei Setup und Energie-Management auf die richtige Lösung einschoss. Besonders letzteres kann bis zu fünf Zehntel an Rundenzeit bringen, schätzt Leclerc: "In Silverstone und in Spa haben wir einen richtig, richtig guten Job gemacht, diese so gut wie möglich zu optimieren."
"Das werden wir hier auch versuchen, aber das ist eine sehr, sehr schwierige Aufgabe", weiß Leclerc. Noch schwieriger wird, dass Monza weniger Kurven hat, wo der Ferrari seine Handling-Vorteile gegenüber der Konkurrenz ausspielen kann: "Also haben wir weniger Spielraum, um das zurückzuholen, was wir auf den Geraden verlieren. Auf dem Papier sieht es definitiv schwieriger aus."
Ferraris Qualifying-Rotation bevorteilt in Monza Lewis Hamilton
Das bringt alle dann zum unvermeidlichen Thema Windschatten. Das ist in Monza wegen der langen Geraden sowieso immer präsent. 2026 erwarten alle, dass es noch extremer werden wird, da die neuen Autos so wenig Elektro-Energie speichern, dass sie lange Strecken dieser Geraden nur mit dem Verbrennungsmotor zurücklegen müssen. In diesem harten Kampf gegen den Luftwiderstand kann der Windschatten im Qualifying ebenfalls mehrere Zehntel bringen.
Das ist schlecht für Leclerc. Denn bei Ferrari wechselt (wie bei den meisten Teams üblich) im Renn-Rhythmus die Qualifying-Priorität. Sprich: Eine Woche darf Leclerc festlegen, wann er rausfahren will. Die nächste Woche ist es Hamilton. Auf engen Strecken mit viel Dirty Air wie Zandvoort wählt der Fahrer mit der Priorität üblicherweise die saubere Führungsposition. Auf Highspeed-Strecken wie Monza hingegen die Verfolgerposition und damit den Windschatten.
In Monza ist es Hamilton, der die Wahl hat. "Ich nehme an, er wählt den Windschatten", fürchtet Leclerc. Dass Ferrari die reguläre Rotation für ein Wochenende aushebelt und eine Sonderregelung einsetzt, weil der Windschatten so ein extremer Faktor werden könnte, glaubt er nicht: "Ich bezweifle, dass das so kommt."
So könnte Leclerc im Kampf um die Pole in Q3 zwangsweise zu Hamiltons Wasserträger degradiert werden. Das akzeptiert er: "Wenn wir uns gegenseitig helfen können, um die Runde mit dem optimalen Abstand zueinander zu starten, dann wird das geschehen. Und ich werde versuchen, mir einen Windschatten von jemand anderem zu suchen, um mich so in die bestmögliche Position zu bringen."
Da mit Kimi Antonelli ein Mercedes wegen eines Motorwechsels bereits fix von ganz hinten startet, sind die Chancen für Ferrari dabei gar nicht einmal so schlecht. Leclerc will daran glauben: "Wenn wir uns auf uns selbst konzentrieren und überall perfekt sind, glaube ich an unsere Chancen für Sonntag." Mit der Qualifying-Priorität ausgestattet wird es nur eher Hamilton als Leclerc gelingen.
Hamilton versetzte sich vor dem Monza-Wochenende bereits mental in Hochstimmung - nachdem er sich endlich einen Ferrari F40 kaufte und mit dem am Donnerstag im Fahrerlager vorfuhr. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:



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