Seit Jahren schreibt Kalex die sportlichen Schlagzeilen der Moto2-Klasse. 13 der 15 letzten Weltmeister in der mittleren WM-Kategorie saßen auf Maschinen des deutschen Rahmenherstellers. Nun sorgt das Unternehmen aus der bayrischen Kleinstadt Bobingen auch in wirtschaftlicher Hinsicht für Aufsehen. Wie die italienischen TV-Berichterstatter von 'Sky Sport' vermeldeten, hat der chinesische Hersteller CFMoto 51 Prozent der Unternehmensanteile an der Kalex Engineering GmbH übernommen.

CFMoto: Erst Kalex, dann die MotoGP?

Eine Meldung, die Firmenchef Alex Baumgärtel gegenüber Motorsport-Magazin.com bestätigte: "Das ist korrekt." Die Übernahme durch CFMoto sorgte im Paddock der Motorrad-Weltmeisterschaft sofort für wilde Spekulationen. Der Deal mit Kalex wurde als erster Schritt von CFMoto in Richtung eines Einstiegs in die MotoGP gesehen.

Alex Baumgärtel führte Motorsport-Magazin.com vor vielen Jahren durch das Werk in Bobingen, Foto: Motorsport-Magazin.com
Alex Baumgärtel führte Motorsport-Magazin.com vor vielen Jahren durch das Werk in Bobingen, Foto: Motorsport-Magazin.com

Grund für diese Spekulationen gibt es durchaus. Denn Kalex verfügt nicht nur über große Know-How in der Moto2, sondern sammelte als Zulieferer für Honda auch bereits Erfahrung in der MotoGP. In der Königsklasse soll es ab 2027 auch wieder die Möglichkeit für Teams geben, sich von Unternehmen wie Kalex einen Rahmen bauen zu lassen und diesen dann mit Motoren eines der bestehenden MotoGP-Hersteller zu kombinieren. Für ein solches Projekt würde CFMoto auch bereits über gute Kontakte verfügen: Der Aspar-Rennstall von Jorge Martinez - bis 2018 fester Bestandteil der Königsklasse - tritt in der Moto2 und Moto3 aktuell mit CFMoto als Titelsponsor auf. Auch ein vollwertiger Einstieg als echtes Werksteam wäre für die Chinesen natürlich eine Möglichkeit.

Kalex-Boss stellt klar: Rennsport bleibt unberührt

Kalex-Boss Baumgärtel erteilt allerdings Spekulationen um beide Optionen eine Abfuhr: "Die Idee hinter dieser Kooperation ist es, Rennsporttechnologie in Serienmotorräder zu transferieren." CFMoto installiert zwar mit Vizepräsident Zhiyong Chen und dem ehemaligen KTM-Motoreningenieur Sebastian Sekira ein Führungsduo bei Kalex, auf den Rennsportbetrieb wird das aber keinen Einfluss haben. "Das entspricht lediglich der Anteilsverteilung im Unternehmen", erklärt Baumgärtel. "Ich bin weiterhin der Bevollmächtigte für die Moto2, wo wir auch weiterhin als Kalex auftreten werden. Die Vorgabe an uns ist, das Geschäft genau so weiterzubetreiben, wie wir es die letzten 16 Jahre gemacht haben. Wir sollen weiterhin so transparent und fair mit den Kunden umgehen, wie wir das von Anfang an getan haben."

Zahlreiche Teams setzen seit vielen Jahren auf Kalex-Material, Foto: Intact GP
Zahlreiche Teams setzen seit vielen Jahren auf Kalex-Material, Foto: Intact GP

Tatsächlich haben Alex Baumgärtel und sein Geschäftspartner Klaus Hirsekorn seit 2004 Beeindruckendes geschaffen. Als ehemalige Fahrwerksingenieure in der DTM begannen sie, ihr erstes eigenes Motorrad zu bauen. 2010 stieg man in die neu geschaffene Moto2-Klasse ein, wo nur ein Jahr später mit Stefan Bradl der erste Weltmeistertitel gelang. Seither dominiert das kleine, aber hochkarätige Team rund um Baumgärtel und Hirsekorn die Meisterschaft fast nach Belieben.

CFMoto-Deal als Highlight für Kalex

Die nunmehrige Partnerschaft mit CFMoto ist für Baumgärtel ein weiterer Ritterschlag: "Ich bin bald 59 Jahre alt, also auch kein junger Bursche mehr. Da ist es ein tolles Gefühl für mich, hier etwas von unserem Wissen weitergeben zu können, das wir uns als ganz kleine Gruppe komplett selbst aufgebaut haben. Die Kooperationen mit BMW und Honda im Bereich der Schwingen waren sehr wichtig. Bei CFMoto haben wir jetzt aber auch garantierte Stabilität für viele Jahre und können gemeinsam mit ihnen neue Ideen entwickeln. Das ist mein Antrieb und bereitet mir sehr viel Spaß."

Für CFMoto ist die Kalex-Übernahme ein weiterer Schritt in Richtung der ganz großen Player der Motorradbranche. Das Unternehmen wurde erst 1989 gegründet. 2025 verkaufte man bereits beeindruckende 250.000 Einheiten. Lange Zeit konzentrierte man sich eher auf kleinere Modelle, im vergangenen Herbst wurde mit der V4 SR-RR auf der Motorradmesse EICMA aber auch erstmals ein waschechtes Superbike präsentiert.

Im vergangenen Jahr machten bereits Gerüchte die Runde, CFMoto könnte das MotoGP-Projekt von KTM übernehmen. Mit diesen räumte CEO Gottfried Neumeister im Interview mit Motorsport-Magazin.com aber auf: