Es musste fast so kommen, oder? Eigentlich hatte Marco Bezzecchi bislang jede Session auf dem Chang International Circuit bestimmt. Auf die Bestzeit im Buriram-Test vergangene Woche folgten seit Freitagmorgen vier erste Plätze im FP1, dem Training, FP2 und dem Qualifying. Ausgerechnet dann, als es erstmals wirklich zählte und im Sprint zum Thailand-GP die ersten WM-Punkte der MotoGP-Saison 2026 vergeben wurden, endete der dominante Lauf der Nummer 72 aber abrupt.
Marco Bezzecchi schmeißt potenziellen MotoGP-Sprintsieg weg
Schon in Runde zwei rutschte Bezzecchi am Ausgang von Kurve acht mit seiner Aprilia RS-GP in Führung liegend von der Strecke. "Ich habe auf der Innenseite die weiße Linie berührt und dann die Front verloren", analysierte der Polesitter einige Zeit später. Beinahe hätte er das Unheil sogar noch verhindern können, es sollte aber nicht sein: "Ich wollte den Sturz noch abfangen und habe das auch fast geschafft. Aber als ich das Gas wieder geöffnet habe, um das Motorrad aufzurichten, habe ich die Front dann komplett verloren."
Als "kleinen Fehler", bezeichnete Bezzecchi diesen Fauxpas im Weiteren, der aber gewiss große Konsequenzen hatte. Als klarer Favorit auf den Sieg in den Sprint gegangen, findet er sich in der WM-Tabelle nach der ersten Rennaction im Jahr 2026 nun punktlos auf dem letzten Platz wieder. Wollte er da vielleicht zu früh zu viel? Nein, lautete die klare Antwort. Der Aprilia-Pilot begründete: "Natürlich wollte ich gleich eine Lücke aufmachen, aber das ist in einem Sprint ganz normal. Da willst du immer so schnell wie möglich einen Vorsprung herausfahren. Das ist hier Teil des Spiels."
Kein falscher Taktikansatz also. Aber fehlte dem 27-Jährigen aus Rimini im Sprint vielleicht das letzte Vertrauen in seine RS-GP? Schließlich war er zuvor auch im 2. Freien Training und im Qualifying schon jeweils einmal gestürzt. Der Abflug im Sprint war also bereits der dritte innerhalb weniger Stunden.
Auch dem widersprach Bezzecchi vehement. Er argumentierte: "Für euch [Medienvertreter, Anm.] bin ich gestern ja noch ganz entspannt gefahren. Aber in Wahrheit habe ich auch gestern schon wie ein Bastard gepusht. Ich hätte also auch gestern schon stürzen können. Leider ist es heute passiert und das tut mir Leid. Aber ich fahre ständig am Limit und da ist es ganz normal, dass Fehler passieren. Das macht den Unterschied zwischen guten und schlechten Fahrern. Heute war ich nicht der Beste, weil ich zu viele Fehler gemacht habe, aber anders kann ich nicht fahren. Ich muss jedes Mal pushen, wenn ich auf das Motorrad steige."
Zweite Chance für Marco Bezzecchi: Revanche im Thailand-GP?
Das Gute: Schon am Sonntag gibt es die Chance zur Wiedergutmachung. Den Grand Prix (Start 9:00 Uhr MEZ) beginnt Bezzecchi dank der Pole Position vom Vormittag logischerweise wieder vom besten Startplatz im Hause. "Wir werden alles gründlich analysieren und es morgen erneut versuchen", zeigte sich der Aprilia-Pilot kämpferisch. Einen ähnlich heißen Auftakt wie im Sprint erwartet er nicht, rechnet vielmehr mit einem etwas ruhigeren Start in das 26 Runden lange Hauptrennen: "Das wird ein sehr langes Rennen und sehr fordernd für die Reifen, speziell für den Vorderreifen. Ich kenne meine genaue Strategie noch nicht, aber ich werde einfach mein Bestes geben und dann schauen, wo ich am Ende landen werde."
Hoffnung macht der Blick auf die Performance der restlichen Aprilia-Piloten. Diese landeten am Samstag im Sprint allesamt in den Top-Fünf: Raul Fernandez schrammte als Dritter nur um eine halbe Sekunde am Sieg vorbei, während Ai Ogura und Jorge Martin direkt dahinter auf den Plätzen vier und fünf ins Ziel kamen. Für 'Bezz' aber nur bedingt ein Grund zur Freude. "Bei mir überwiegt mehr die Trauer über meine eigene Leistung als die Freude für die Anderen", lachte er offen und ehrlich. "Ich freue mich für das Team, weil sie großartige Arbeit geleistet haben. Aber ich interessiere mich mehr für mich als für den Rest. Ich wollte selbst da vorne sein."
Durch das Fehlen von Bezzecchi an der Spitze kamen wir MotoGP-Fans allerdings in den Genuss eines packenden Zweikampfs zwischen Marc Marquez und Pedro Acosta. Entschieden wurde dieser letztlich durch eine Strafe für den Ducati-Piloten. Die Roten schäumten danach vor Wut. Alle Infos dazu findet ihr hier:



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