Nicht in die Top-Fünf der MotoGP-Weltmeisterschaft 2026 hatte sich Marco Bezzecchi am Donnerstag im Rahmen eines Tippspiels während der Pressekonferenz zum Thailand-GP getippt, der auch die beiden Marquez-Brüder beiwohnten. "Weil ich mich lieber bedeckt halten will", begründete der 27-jährige Italiener diese überraschende Einschätzung. Von einer Favoritenrolle vor dem Start der neuen Saison wollte er nichts wissen. Die Bestzeit im Buriram-Test sei aufgrund der hohen Gripverhältnisse ohnehin nichts wert, so die klare Botschaft. Offenbar aber nicht die Wahrheit, wie sich am Freitag zeigte.

Marco Bezzecchi und Aprilia dominieren MotoGP-Trainings in Buriram

Denn Bezzecchi machte in den Trainings zum Thailand-GP genau dort weiter, wo er am vergangenen Wochenende in den letzten Wintertests aufgehört hatte. Gleich seine erste Runde überhaupt bescherte ihm im FP1 die erste Position im Klassement, die er bis zum Sessionende nicht mehr abgeben sollte. Besonders bemerkenswert: Jede der elf Runden, die Bezzecchi in der Vormittagssession drehte, war schneller als der Rennrundenrekord von Marc Marquez aus dem Vorjahr. Eine echte Ansage, die im Training wenige Stunden später nochmal bestätigt wurde. Ein neuer absoluter Rundenrekord in 1:28.526 Minuten, mehr als vier Zehntel Vorsprung auf Platz zwei.

Da kann es am restlichen Wochenende nur noch einen Favoriten auf die Pole Position und die beiden Siege in Sprint und Grand Prix geben. "Bezzecchi und die Aprilia sind hier auf einem anderen Level", sprach Pedro Acosta in seiner Medienrunde aus, was ohnehin alle dachten. Und auch Bezzecchi selbst musste zugeben: "Das war ein guter Freitag. Wir sind gut reingekommen und konnten dieses positive Gefühl auch in den Nachmittag mitnehmen. Speziell bei der Rennpace hätte ich mir sogar noch etwas mehr erhofft, aber die Bedingungen waren durch das Wetter auch etwas merkwürdig. Ich kann mich also nicht beklagen. Hoffentlich können wir morgen so weitermachen."

Ob Pole Position und der Sprintsieg nun das klare Ziel seien? "Marc ist immer noch der Favorit", traute sich Bezzecchi trotz Galavorstellung am Freitag weiterhin keine Ansage zu. Doch das war wohl mehr politisches Understatement, um in Ruhe weiterarbeiten zu können, als eine realistische Einschätzung des aktuellen Kräfteverhältnisses. Handfeste Beweise, warum Marquez und nicht er der Topfavorit in Buriram sein sollte, konnte 'Bezz' nämlich nicht liefern. "Marc hat die meiste Erfahrung, er hat die meisten Siege. Es ist normal, dass Marc am Freitag nicht immer der Beste ist, aber dann kommt er immer zurück", begründete der Aprilia-Pilot recht vage und allgemein gehalten.

Marquez selbst widersprach Bezzecchi in seiner Medienrunde dann auch vehement. "Er hat deutlich mehr Speed als ich. Ich konnte heute nicht mit ihm mithalten. Mal schauen, ob ich es morgen im Sprint zumindest für ein paar Runden schaffe. Aktuell ist er aber der klare Favorit", nahm der MotoGP-Superstar kein Blatt vor den Mund. Das realistische Ziel für die Nummer 93 seien am Samstag daher auch 'nur' die erste Startreihe im Qualifying und ein Platz auf dem Podium im Sprint - auch, weil sie weiterhin nicht bei 100 Prozent sei: "Ich fühle mich gut, aber ich fahre das Motorrad noch nicht so, wie ich das möchte. Ich muss also noch etwas an meinem körperlichen Zustand und meinem Fahrstil arbeiten."

Marc Marquez und die Ducati GP26? Das passt noch nicht 100%, Foto: IMAGO / NurPhoto
Marc Marquez und die Ducati GP26? Das passt noch nicht 100%, Foto: IMAGO / NurPhoto

Besondere Reifenkarkasse für überlegene Aprilia-Pace verantwortlich?

Gut möglich also, dass ein vollständig fitter Marquez bei den kommenden MotoGP-Rennen in Brasilien, den USA oder in Katar schon besser gegenhalten kann - zumal der Ducati-Pilot am Freitag auch noch einen anderen Aspekt ansprach, der Bezzecchi und Aprilia in Buriram zu helfen scheint. "Ich weiß nicht warum, aber mit dieser Karkasse ist er super schnell auf eine Runde und auch im Longrun extrem konstant", kommentierte Marquez mit Blick auf einen speziellen Reifen, den Michelin in Thailand im Einsatz hat. Dieser ist besonders hitzebeständig, um den hohen Temperaturen in Buriram standzuhalten. Eine Variante, die so nur in Thailand, Brasilien und Indonesien zum Einsatz kommt.

Indonesien? Da dürfte bei so manchem MotoGP-Fan noch etwas klingeln! Gemeint ist damit aber nicht die folgenschwere Kollision zwischen Bezzecchi und Marquez, die Letzteren für die restliche MotoGP-Saison 2025 außer Gefecht setzte. Nein, gemeint ist damit die generelle Performance Bezzecchis im Indonesien-GP im letzten Oktober. Überlegen raste er damals zur Pole Position und nach beeindruckender Aufholjagd auch zum Sprintsieg, während sämtliche Ducatis [Fermin Aldeguer ausgenommen, Anm.] strauchelten. Durchaus möglich also, dass diese spezielle Reifenkarkasse das MotoGP-Kräfteverhältnis aktuell etwas verfälscht.

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Selbst wenn Bezzecchi an Samstag und Sonntag im Thailand-GP also mit der aktuell überlegenen Performance weitermachen sollte, muss das im restlichen Saisonverlauf also wahrlich nicht so bleiben. Das sah am Freitag auch Alex Marquez so. Der Gresini-Pilot zeigte sich unbesorgt: "Wenn wir ihn hier nicht schlagen können, ist das kein Grund zur Sorge. Wir haben noch 21 andere Rennwochenenden und es werden wieder Strecken kommen, die uns besser liegen."

Etwas überraschend keine Rolle an der Spitze spielte am Freitag Francesco Bagnaia. Was beim Italiener genau schief lief, verraten wir euch im nachfolgenden Artikel: