Eigentlich waren wir uns alle einig, oder? Die Krise sei abgehakt, der alte Francesco Bagnaia zurück. "Das ist jetzt wieder der Pecco, der zwei Weltmeisterschaften gewonnen hat", war sich auch Ducati-Teammanager Davide Tardozzi am Freitagmorgen zu Beginn des 1. Freien Trainings in Buriram noch sicher. Doch wenige Stunden später stehen wir wieder da, wo wir das MotoGP-Jahr 2025 beendet haben - mit Bagnaia in Q1. Der schnelle Rückfall in abgelegt gedachte Muster?
Das war am Freitagmittag nach den Trainings natürlich die große Frage. Speziell, weil sich Bagnaias Verpassen der Top-10 zunächst nicht angedeutet hatte. Das 1. Freie Training begann für ihn noch recht ordentlich. Er wurde zwar 'nur' Siebter, landete damit im Klassement aber unmittelbar hinter Teamkollege Marc Marquez (6.) und vor seinen Markenkollegen Franco Morbidelli (8.) und Alex Marquez (9.). Von den Ducatisti war einzig Fabio Di Giannantonio (2.) knapp drei Zehntel schneller. Rückwärts ging es erst im Training. Also genau dann, als es erstmals im Jahr 2026 zählte.
Regen und Wind werfen Francesco Bagnaia aus der Bahn
Entscheidenden Anteil daran hatte aber nicht (nur) Bagnaia selbst, sondern auch das Wetter. Denn etwa zur Halbzeitmarke des Trainings, als die Mehrheit des Feldes gerade wie üblich mit Rennsimulationen und Longruns begonnen hatte, wurde es über dem Chang International Circuit plötzlich stockduster. Es dauerte nicht lange, ehe ein erster kleiner Regenschauer niederprasselte. Manche Piloten - wie Joan Mir - hatten die Gefahr frühzeitig erkannt und noch eine 'Timeattack' zu Ende gebracht, etliche waren aber zu spät dran - darunter eben auch Bagnaia.
Nun zu sagen, dass Bagnaias Q1-Teilnahme einzig dem überraschenden Wetterwechsel zuzuschreiben ist, wäre allerdings auch der falsche Ansatz. Denn im weiteren Verlauf des Trainings öffneten sich durchaus noch einige Zeitfenster, in denen nochmal Verbesserungen möglich waren. Teamkollege Marquez schob sich in einem solchen beispielsweise noch auf Platz zwei nach vorne und Marco Bezzecchi brannte kurz vor Schluss gar noch einen neuen Rundenrekord in den Asphalt. Der Q1-Gang wäre also durchaus noch zu verhindern gewesen, aber Bagnaia und Ducati bekamen das Timing nicht richtig hin. "Wir waren nie zum richtigen Zeitpunkt auf der Strecke", haderte der Italiener.

Francesco Bagnaia erklärt: Darum war er im Thailand-Training so langsam
Und dann verriet Bagnaia, dass es auch noch einen zweiten Aspekt gab, der ihn am Freitagnachmittag einbremste: "Wir haben am Nachmittag ein paar Tests durchgeführt und ein anderes Setup mit ein paar kleinen Anpassungen ausprobiert. Die hatten aber recht große Auswirkungen [auf das Fahrverhalten, Anm.]. Rückblickend wäre es in diesen Wetterverhältnissen wahrscheinlich besser gewesen, nichts zu verändern." Kleine Setup-Experimente, drastische Auswirkungen. "Ich war [mit dem neuen Setup, Anm.] nicht mehr konkurrenzfähig. Als der Regen kam, haben wir direkt versucht, eine schnelle Runde zu fahren, aber ich war da nicht mehr in der besten Verfassung", analysierte Bagnaia etwas genervt. Einen Vorwurf wollte er seinem Team für die verpatzte Strategie aber nicht machen: "Das ist mein Fehler. Ich konnte nicht das Maximum aus dieser Situation herausholen. Ich hätte ruhiger bleiben müssen."
Gleich am ersten Tag der neuen MotoGP-Saison also der erste Rückschlag für den Weltmeister von 2022 und 2023, allerdings kein Rückfall in alte Muster. Eine Rückkehr zum Ursprungssetup könnte Bagnaia schon am Samstag wieder erstarken lassen. Der gebürtige Turiner zeigte sich daher auch erstmal unbesorgt: "Heute morgen lief es ziemlich gut, auch wenn Aprilia und Bezzecchi einen ordentlichen Vorsprung zu haben scheinen. Wir haben noch genug Zeit, um das Q2 zu erreichen. Es wird nicht leicht, aber ich kann es definitiv schaffen." Ob das gelingen wird, zeigt sich am Samstag ab 4:50 Uhr MEZ. Dann startet die Königsklasse in das erste Qualifying der Saison 2026.
2027 geht es für Bagnaia dann voraussichtlich bei Aprilia weiter. Warum sein Wechsel zum Hersteller aus Noale noch nicht offiziell verkündet wurde, erklärt euch Markus in unserem neusten Video:



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