84-mal versuchte sich Pedro Acosta, 84-mal blieb er ohne Erfolg. Der erste MotoGP-Sieg, er wollte einfach nicht gelingen - bis zum Auftaktrennen der Saison 2026. Dann war es endlich soweit: Im Sprint zum Thailand-GP erlöste sich das 21-jährige Supertalent aus Spanien und beendete damit auch eine lange Leidenszeit seines (Noch-)Arbeitgebers Für KTM war es der erste MotoGP-Sieg seit Brad Binder im Jerez-Sprint 2023 - vor fast drei Jahren also. Da müsste die Stimmung im Lager der Orangenen doch völlig losgelöst sein, oder? Zumal KTM nun auch zum ersten Mal überhaupt an der Spitze einer MotoGP-WM steht. Falsch gedacht!
"Das bedeutet mir nicht viel. Es verbleiben noch 43 Rennen im diesem Jahr", holte Acosta alle Träumer gleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Dass er seine Sieglosserie endlich beendet hatte, ließ ihn recht kalt. Der 'Hai von Mazarron' meinte lediglich: "Wir können sehr zufrieden sein, so in die neue Saison zu starten, nachdem wir hier letztes Jahr so große Probleme hatten. So müssen wir weitermachen."
KTM nur dank Ausbremser Marc Marquez siegfähig?
Warum da keinerlei Euphorie durchklang? Das liegt vermutlich an zwei nicht unwichtigen Aspekten. Denn der KTM-Triumph hatte sich nach den Wintertestfahrten sowie dem bisherigen Rennwochenende in Buriram nicht wirklich angedeutet und kam womöglich nur dank der Mithilfe Anderer zustande. So stürzte zum einen Favorit Marco Bezzecchi schon in Runde zwei und zum anderen gab Marc Marquez nach Zielankunft offen zu, den Sprint bewusst eingebremst zu haben, um mit seinem geschundenen Körper nicht ans Limit gehen zu müssen.
"Meine Strategie war perfekt. Jedes Mal, wenn Pedro mich überholt hat, bin ich direkt wieder vorbeigegangen", gab der amtierende Weltmeister an. Erst in den letzten zwei Runden wollte er pushen und sich absetzen, machte dann aber in Kurve fünf einen beinahe folgenschweren Fehler. Er verlor kurzzeitig die Front und blieb nur dank eines bockstarken Reflexes sitzen. Das öffnete Acosta die Tür für ein weiteres Überholmanöver. Die große Frage, die sich nun stellt: Konnte der KTM-Pilot nur aufgrund der 'langsamen' Marquez-Pace mithalten? Oder hätte er auch in einem 'normalen Rennen' gegen einen fitten Ducati-Star bestehen können?
Acosta selbst tat sich schwer, die passende Antwort zu finden. "Ich kann nur sagen, dass ich gepusht habe", meinte er und führte dann aus: "Sicher hätte Marc noch etwas schneller gekonnt, wenn er gewollt hätte. Aber es war auch für ihn keine leichte Situation, sonst wäre er zwei Runden vor Schluss nicht fast gestürzt. Es ist also schwierig zu sagen, wie viel Tempo er rausgenommen hat. Aber klar ist: Ich habe zu jeder Zeit gepusht!"

Marc Marquez lässt Acosta vorbei: Geschenkter MotoGP-Sieg?
Vielleicht hätte die Nummer 37 also auch mit einem Vollgas fahrenden Marquez mithalten können, vollste Überzeugung klingt aber wahrlich anders. Und das könnte ebenso für die etwas trübe Stimmung sorgen wie das Zustandekommen von Acostas Premierenerfolgs in der MotoGP. Die Ziellinie überquerte er schließlich nur deshalb als Erster, weil ihn Marquez infolge einer Strafe in der Schlusskurve noch vorbei ließ. Und obwohl Acosta einen Kontakt mit dem Ducati-Piloten bestätigte, gab er offen zu, mit keiner Strafe für Marquez gerechnet zu haben. Somit fühlte sich der Sieg für ihn vielleicht auch etwas 'geschenkt' und nicht gänzlich verdient an.
Dafür spricht seine Aussage direkt nach Sprintende im Parc Ferme. Mit Blick auf den Grand Prix am Sonntag sagte er dort ins Mikrofon von MotoGP-Boxengassenreporter Jack Appleyard: "Morgen werden wir versuchen, einen echten Sieg zu holen." Ob das klappt, wird sich ab 9:00 Uhr MEZ zeigen. Dann beginnt der Thailand-GP hierzulande. Dann könnte es auch eine Antwort geben, wie konkurrenzfähig Acosta und KTM aktuell wirklich sind - vielleicht aber auch nicht. Denn danach befragt, ob man jetzt während der restlichen Saison immer mit einer siegfähigen RC16 rechnen könne, antwortete die Nummer 37 schlicht: "Das werden wir in Brasilien sehen."
Während sich Acosta mit einer klaren Meinung zur Marquez-Strafe zurückhielt, wurde das Ducati-Lager am Samstag deutlich. Alle Infos zur strittigen Szene findet ihr hier:



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