In der Formel 1-Saison 2025 ist McLaren das Team, das es zu schlagen gilt. In der Konstrukteurswertung ist das Team aus Woking der Konkurrenz bereits enteilt, in der Fahrerwertung trennen Oscar Piastri und Lando Norris 8 Punkte. Der Rückstand von Max Verstappen auf WM-Leader Piastri beträgt bereits 69 Punkte.

In den verbleibenden 12 Rennen sind noch 300 Punkte zu holen. In der Theorie hat der vierfache Weltmeister also noch Chancen, das WM-Blatt noch zu wenden. Dass es möglich ist, zeigt die Geschichte. Motorsport-Magazin.com wirft einen Blick auf die größten Aufholjagden [auf die unterschiedlichen Punktesysteme im Laufe der Jahrzehnte wird nicht explizit eingegangen; Anm. der Redaktion]

F1-Saison 2012: Wenn aus 44 Punkte Rückstand 6 Punkte Vorsprung werden

Die Aufholjagd von Sebastian Vettel kann Max Verstappen definitiv Mut machen, denn wie der Niederländer hatte auch Vettel 2012 eine schwierige, erste Saisonhälfte. Zur Halbzeit der Saison (nach 10 von 20 Rennen) lag der Red Bull-Pilot 44 Punkte hinter WM-Spitzenreiter Fernando Alonso.

Vettel gelang es innerhalb von sechs Rennen das WM-Blatt zu seinen Gunsten zu wenden. Mit einem Start-Ziel-Sieg beim Großen Preis von Korea übernahm der Deutsche die WM-Führung, während Alonso den dritten Platz holte. Damit verwandelte Vettel einen Rückstand von 44 Punkten innerhalb von sechs Rennen in einen Vorsprung von sechs Punkten und sicherte sich am Ende der Saison den Titel. Ein Szenario, das Max Verstappen definitiv begrüßen würde.

Fernando Alonso im Ferrari vor Sebastian Vettel im Red Bull
In der ersten Saisonhälfte hatte Alonso auf der Strecke die Nase vorne, Foto: imago sportfotodienst
Sebastian Vettel und Fernando Alonso in der Pressekonferenz
Am Saisonende lachte Sebastian Vettel, Foto: imago sportfotodienst

F1-Saison 2007: Wenn zwei Teamkollegen kämpfen, holt der Dritte im Bunde den Titel

Nach 9 von 17 Rennen führte Rookie Lewis Hamilton die Fahrerwertung vor seinem Teamkollegen und zweifachen Weltmeister Fernando Alonso an. Vieles sprach dafür, dass die beiden McLaren-Piloten den Titel unter sich ausmachen würden – wie auch in der aktuellen Formel-1-Saison. Damals lag der Drittplatzierte Kimi Räikkönen 18 Punkte zurück. Nach dem Japan GP, dem drittletzten Rennen der Saison, lag der Ferrari-Pilot immer noch 17 Punkte hinter Hamilton. Zwei Rennen und zwei Siege später war Räikkönen Weltmeister. Der "Iceman" ist bis heute der letzte Ferrari-Weltmeister.

Kimi Räikkönen trinkt Siegeschampagner
Dieser Siegeschampagner schmeckte besonders süß, Foto: imago sportfotodienst
Siegesfeier mit Kimi Räikkönen
Räikkönen ist der letzte Ferrari-Weltmeister, Foto: imago images/Crash Media Group

F1-Saison 1984: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein

Während Kimi Räikkönen sich 2007 mit einem Punkt Vorsprung den Titel sicherte, reichte Niki Lauda in der Saison 1984 nur ein halber Punkt. Bis heute ist es der knappste WM-Vorsprung in der Geschichte der Königsklasse. Zur Saisonhalbzeit (nach 8 von 16 Rennen) liegt der Österreicher 11,5 Punkte hinter Teamkollege und WM-Spitzenreiter Alain Prost. Doch während Laudas erste Saisonhälfte durch DNFs (Lauda 5 Ausfälle, Prost 1 Ausfall) geprägt ist, dreht sich der Spieß in der zweiten Saisonhälfte um. Prost scheidet viermal aus, Lauda nur einmal.

Somit reicht Lauda ein zweiter Platz beim Saisonfinale in Portugal, um sich den WM-Titel zu sichern. Verrückt: Alain Prost fehlten am Ende jene Punkte, die er beim Rennabbruch in Monaco, den er selbst provoziert hatte, liegen gelassen hatte. Da zum Zeitpunkt des Rennabbruchs weniger als 75 Prozent der Renndistanz absolviert waren, holte Prost nur 4,5 statt 9 Punkte. Hätte er die vollen Punkte aus dem Monaco GP geholt, hätte ihm in Portugal sogar der zweite Platz zum Titelgewinn gereicht.

Niki Lauda im McLaren 1984
Niki Lauda gewann 1984 den Titel, Foto: imago sportfotodienst
Alain Prost und Niki Lauda in Gespräch vertieft
Alain Prost und Niki Lauda sind in ein Gespräch vertieft, Foto: imago images/Sven Simon

F1-Saison 1964: Wenn der Defektteufel zuschlägt

Während in der aktuellen F1-Saison der Fahrer 25 Punkte für einen Sieg bekommt, waren es in der Saison 1964 nur 9 Punkte. Entsprechend immens war der 20-Punkte-Rückstand von John Surtees zur Saison-Halbzeit (nach 8 von 10 Rennen) auf Jim Clark. Zu diesem Zeitpunkt sah es so aus, als wäre Clarks Titelverteidigung eine reine Formsache. Doch so überlegen der Lotus war, so defektanfällig war der Bolide auch. In der zweiten Saisonhälfte wurde der Schotte viermal in Folge von einem technischen Defekt gestoppt. Die Folge: Surtees sicherte sich den Fahrertitel, während Clark am Ende noch auf Rang drei zurückfiel. Bis heute ist Surtees der einzige, dem es gelang, sich sowohl zum Motorrad-Champion als auch zum Formel 1-Weltmeister zu krönen.

Ferrari-Geschichte: Surtees holt WM 1964 in blau-weiß (04:31 Min.)