Günther Steiner wird in seiner neuen Rolle als Verantwortlicher beim Team von Tech3 immer vertrauter mit der MotoGP. Und natürlich wird er dabei immer wieder mit dem Vergleich zu seinem alten Arbeitsumfeld in der Formel 1 konfrontiert. Auf Fahrerseite hat er eines bereits erkannt.
Günther Steiner: Das Fahrzeug als Ego-Unterschied zwischen MotoGP und F1
Spitzenrennfahrer sind sicherlich ein eigener Schlag Mensch, deren Ego manchmal nicht in den Raum passt. Im Vergleich der beiden Königklassen wurde Günther Steiner gefragt, ob er bei den MotoGP-Piloten noch mehr Egoismus sehe als bei deren Kollegen auf vier Rädern? Die Antwort: "Ich glaube, ja. Aber ich denke, das hat damit zu tun, wie du in diesem Sport aufwächst."

Was damit gemeint war, führte der Südtiroler zugleich aus: "Sie sind egoistischer, aber das hat auch mit dem Verhältnis von Mann und Maschine zu tun. Wenn du dir den Anteil des Einflusses auf das Ergebnis ansiehst, dann ist der Fahrer in der MotoGP ein größerer Einfluss als in der F1. In der F1 spielt das Auto die größte Rolle. Du hast zwei Autos im Team. Der beste Weg schnell zu sein, ist es, sich beim Garagennachbarn etwas abzuschauen. Du brauchst also eine Arbeitsbeziehung."
Mittlerweile ist der Datenaustausch in der MotoGP allerdings auch gang und gäbe. Die Zeiten, in denen Valentino Rossi wortwörtlich eine Mauer innerhalb der Yamaha-Box gegenüber Stallrivale Jorge Lorenzo hochzog, gibt es auch im Motorradsport nicht mehr. Dennoch bleibt der Faktor Fahrer sicherlich größer als in der Formel 1, wo die Konkurrenzfähigkeit des Fahrzeugs die Meisterschaft noch entscheidender bestimmt.

Alte Zeiten in der Formel 1 auch nicht anders: MotoGP-Wandel wird kommen
Aber Steiner erinnert daran, dass es trotz des Auto-Faktors auch in der Formel 1 einmal wenig anders war: "Es ist ein härterer Sport und daher sind hier auch mehr Egos. Aber wenn ihr euch die Formel 1 in den 80ern, 90ern oder den frühen 2000ern anseht, dann war es dort auch viel egoistischer als heute. Das hat sich nun anders entwickelt." Die Herren Senna, Prost oder Schumacher waren ja schließlich auch nicht gerade Kinder von Traurigkeit.

Mittlerweile gehen die Formel-1-Fahrer anders miteinander um, trotz Größen wie Hamilton, Verstappen oder Alonso, die sicherlich auch nicht ohne Ego am Lenkrad drehen. Günther Steiner geht davon aus, dass eine solche Entwicklung auch in der MotoGP folgen wird: "Ich glaube, diese Veränderung wird auch hier eintreten. Es passiert einfach nur ein paar Jahre später." Beispiele dafür gab es bereits einige zu beobachten. So zeigten etwa Francesco Bagnaia und seine WM-Gegner Fabio Quartararo (2022) sowie Jorge Martin (2023 & 2024), dass auch ein intensiver WM-Kampf keineswegs im Kleinkrieg enden muss.
Fahrer-Egos in der MotoGP werden auch in unserem neuesten Print-Magazin (Nummer 108 und die kommende 109 könnt ihr hier erwerben) ein Thema sein, allerdings in einem anderen Kontext als Titelduelle. In einer früheren Ausgabe haben wir uns bereits intensiv mit dem Aussterben der 'Motorradkriege' beschäftig:



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