Updates sind in der Formel 1 seit jeher ein Thema, das wie gemacht ist, um Streit zu verursachen. Dann nämlich, wenn diese nur in einfacher Ausführung vorhanden sind und der zweite Fahrer durch die Röhre schaut. Bei einigen Teams - wie etwa bei Red Bull - ist von Anfang an klar, wer etwaige Neuerungen bekommt. In anderen Fällen ist es kniffliger.

So bei den Racing Bulls an diesem Wochenende. Das kleine Red-Bull-Team brachte ein umfangreiches Upgrade-Paket an die Strecke. Neben einem streckenspezifischen Low-Downforce-Heckflügel wurde bei diesem das Profil des Seitenkastens angepasst, der Überrollbügels verschmälert, sowie die vorderen Bremstrommeln überarbeitet. Alles allerdings nur in einfacher Ausführung. "Es ist eine Chassis-Modifikation, bei der wir den Überrollbügel schrumpfen mussten und das konnten wir in der Zeit zwischen Silverstone und hier nicht auf beiden Autos tun", so Teamchef Alan Permane.

Wer bekommt das Update? Racing Bulls lassen Qualifying entscheiden

Deshalb stellte sich die Frage: Wer bekommt es? Eine Frage, die auch ihm Sorgen bereitete, vor allem, da die beiden Fahrer pacemäßig in den letzten Wochen nicht weit auseinanderlagen und auch in der WM auf benachbarten Positionen liegen. Permane sagte: "Es ist nicht einfach, und ehrlich gesagt, bringen wir ungern Updates für nur ein Auto."

Häufig geht die Teamführung deshalb nach WM-Platzierung, um diesen Streit zu lösen. Dieser Vergleich hätte für Liam Lawson gesprochen, der mit 39 Punkten auf WM-Rang 10 liegt, während Lindblad mit 20 Zählern Elfter ist. Doch Alan Permane kam auf eine andere Idee. Der Teamchef der Racing Bulls erklärte, dass man es auf ein direktes Zeitfahren ankommen ließ.

Das Qualifying in Silverstone wurde kurzerhand für ein Shootout mitbenutzt. Am Samstag des Österreich-GPs habe er das seinen Fahrern schmackhaft gemacht, wie Permane ausführte: "Zuerst habe ich vorgeschlagen, dass die faire Lösung wäre, wenn wir für kein Auto in Spa das Upgrade bringen würden und dann beide für Budapest. Aber natürlich schauten mich dann beide an, als ob ich verrückt wäre und das hätte ich natürlich nie getan. Also haben wir das nie wirklich in Betracht gezogen."

Lindblad gewinnt Upgrade-Duell gegen Lawson

"Das nächste, das ich gesagt habe, war, dass wir entweder eine Münze werfen könnten, oder dass wir es ein bisschen spaßiger machen könnten und wer auch immer sich in Silverstone besser qualifiziert, bekommt das Upgrade. Beide waren damit einverstanden", so der Teamleiter. Das direkte Duell in Q3 in Silverstone ging schließlich an Arvid Lindblad, der damit beim Belgien-GP mit dem neuen Racing Bull an den Start geht. Lawson muss eine Woche bis Budapest warten, ehe auch er die Upgrades bekommt.

In den letzten Wochen waren die Racing Bulls konstant das beste Mittelfeld-Team und konnten sowohl in Österreich als auch in Silverstone locker die Formel-1-Mittelklasse sowohl im Qualifying als auch im Rennen anführen. Mit den neuen Teilen erhofft sich das Team in Belgien erst recht, an diese Leistungen anknüpfen zu können.

Es wird nicht das letzte größere Paket des kleinen Red-Bull-Teams in diesem Jahr gewesen sein. Permane kündigte an, dass noch eines auf dem Weg sei, allerdings ohne konkreter zu werden. Falls dieser Umbau erneut nur für ein Auto fertig wird, ist kein weiteres Qualifying-Shootout geplant. "Dann geht es automatisch an Liam", so Permane. Damit wird Gerechtigkeit wiederhergestellt und der Teamfrieden bestmöglich gewahrt.