Die Formel 1 geht aktuell von einer Problemstrecke zur nächsten. Vor zwei Wochen in Silverstone prognostizierten die Piloten bereits eine Energiespar-Farce, doch das Fazit fiel nach dem Rennwochenende in Großbritannien schließlich doch nicht ganz so schlimm aus, wie zunächst befürchtet. Die Regel-Novelle vor Miami hatte offenbar Wirkung gezeigt.

Dennoch verhielten sich die Geschwindigkeitsprofile nach wie vor alles andere als normal und punktuell gab es erneut unnatürliche Fahraktionen, so gingen etwa die beiden Mercedes-Fahrer vor Start-Ziel vom Gas. Die Analyse zu Silverstone könnt ihr euch im Detail im unten verlinkten Artikel durchlesen.

Auch für Spa gab es düstere Prognosen für das Rennwochenende. Die längste Strecke im Formel-1-Kalender hat viele ikonische Kurven, die von Highspeed leben. Eau Rouge ist zwar die berühmteste, geht aber schon lange locker Vollgas. Stattdessen erfreute sich der flüssige Mittelsektor mit Kurven wie Pouhon erst recht großer Beliebtheit. Jetzt, so die Befürchtung, könnte dieser verloren gehen.

Nach dem Trainingsfreitag sahen einige Fahrer die düsteren Annahmen von vor dem Wochenende bestätigt. Als Hauptkritiker traten Lando Norris und Oliver Bearman auf. Beide kritisierten den Mangel an Batterieleistung pro Runde. "Typisches 2026. Nichts, das wir nicht gewohnt wären, aber hier ist es das Worst-Case-Szenario mit der Länge der Strecke und dem Mangel an verfügbarer Energie", kommentierte Oliver Bearman seine Eindrücke aus dem Training.

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Lando Norris: "Überall fehlt Deployment"

Mit einer Länge von 7,004 Kilometern ist der Circuit de Spa-Francorchamps die längste Strecke im Rennkalender, über eine Runde darf deshalb zwar im Training und mit aktiviertem Overtake-Mode das Maximum von neun Megajoule rekuperiert werden, diese Leistung muss allerdings gut eingeteilt werden. Das bedeutet, dass den Fahrern über eine Runde an zahlreichen Stellen Leistung abgeht.

Lando Norris klagte: "Es fehlt überall an Deployment. Auf jeder Gerade fehlt uns Deployment, um ehrlich zu sein." Als schlimmste Stelle macht er dabei Blanchimont aus. Die Highspeed-Kurve im letzten Sektor, die in der Formel 1 schon lange locker Vollgas geht, hinterlässt auch in den Onboard-Aufnahmen einen traurigen Eindruck, da genau dort gegen Ende der Gerade keine Energie eingespeist wird und die Geschwindigkeit rapide zurückgeht.

Spa im Rundenvergleich: In diesen Kurven ist die Formel 1 2026 besonders langsam

Um eine bestmögliche Vergleichbarkeit zu haben, setzten wir die schnellste Zeit des Trainings-Freitags 2026 mit der schnellsten Freitagszeit des Vorjahres gegenüber – also Oscar Piastri gegen Andrea Kimi Antonelli. In den Telemetriedaten zeigt sich wieder einmal, dass die reine Leistung eben nicht das Problem ist, sondern die Verteilung dieser.

Bestes Beispiel dafür ist die laut Norris schlimmste Stelle, Blanchimont. Nach Stavelot beschleunigte Antonelli auf seiner schnellsten Runde in FP2 deutlich schneller als noch Oscar Piastri auf seiner Pole-Runde im Sprint-Qualifying des Vorjahres. Den Höhepunkt erreichte der Mercedes dann mit einer Geschwindigkeit von 329 km/h etwas weniger als 200 Meter vor Blanchimont, im Vorjahr wurde Piastri am Freitag hier mit nur 314 km/h geblitzt. Danach dreht sich das Bild um. In Kurve 17 liegt Antonelli 2026 bei 281 km/h, wohingegen Piastri im Vorjahr immer noch 317 km/h auf dem Tacho hatte.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch auf der Kemmel-Gerade. Durch Eau Rouge und Radillon fahren die Formel-1-Piloten 2026 sogar deutlich schneller als im Vorjahr und das in einem Bereich von zwischen 10 bis 20 km/h, danach dreht es sich um. Für Les Combes bremste Piastri im Vorjahr von 337 km/h ab, Antonelli liegt bei 280 km/h.

Ähnlich dramatisch ist auch das Bild im Mittelsektor, in dem praktisch überall Energie gespart wird. In Bruxelles liegen zwischen Piastris Bremspunkt 2025 und Antonellis Verlangsamungspunkt 2026 48 km/h und auch in Fagnes sind es 44 km/h. Ein Spa ohne Power im Mittelsektor, das macht keinen Spaß, sind sich auch Norris und Bearman einig. "Ich freue mich auf Budapest, denn dort sollten wir etwas mehr [Leistung] haben. An diesem Wochenende ist es vor allem im Renntrimm superlangweilig", so der Haas-Pilot.

Übrigens: Ein Punkt, der sich seit Silverstone nicht geändert hat, sind die unnatürlichen Inputs der Mercedes-Fahrer ausgangs der letzten Kurve. George Russell und Kimi Antonelli machen sich einen Trick zunutze, der es ihnen erlaubt, die maximal erlaubte Deployment-Reduktion pro Sekunde zu umgehen, indem sie einfach vom Gas gehen. Russell übertrieb das im zweiten Training beim Belgien-GP ein bisschen und verlor dadurch über eine halbe Sekunde. Das erklärt einen Teil, aber immer noch nicht seinen ganzen Rückstand im Training auf seinen Mercedes-Teamkollegen. Hier könnt ihr nachlesen, was er nach dem Trainingsfreitag zu seiner Verteidigung zu sagen hatte: